Direktkandidaten im Porträt

Nicole Gohlke (Linke) kandidiert für den Bundestag - Wichtigste Baustelle: Bildung

Nicole Gohlke am Gasteig. Ihren Sitz im Bundestag hat sie mit Listenplatz eins praktisch sicher.
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Nicole Gohlke am Gasteig. Ihren Sitz im Bundestag hat sie mit Listenplatz eins praktisch sicher.

Geduldig lässt sich Nicole Gohlke mal im Sitzen, mal im Stehen, mal vor einem Baum, mal auf den Treppen vor dem Gasteig fotografieren. Sie hat Routine: Als Spitzenkandidatin der bayerischen Linken tritt die 45-Jährige nun zum vierten Mal als Bundestagskandidatin an. Dass das Treffen nicht in ihrem Wahlkreis München West/Mitte stattfindet, ist keineswegs widersprüchlich.

Denn auch wenn die Münchnerin nur für einen Wahlkreis antritt, möchte sie ganz München in Berlin vertreten. „Ich habe mich immer als Münchner Bundestagsabgeordnete gefühlt und nicht als Wahlkreisabgeordnete“, erklärt Gohlke. Konkret heiße das, dass sie sich um Themen aus ganz München kümmert – von der zweiten Stammstrecke, die vielleicht durch Haidhausen führt, über den Stellenabbau in Berg am Laim bis hin zu der Panzerteststrecke in Allach. „Das Uhrmacher-Häusl in Giesing interessiert mich noch immer genauso, ob ich da kandidiere oder nicht“, erklärt sie.

Gohlke ist nicht nur Bundestagsabgeordnete, sondern auch stellvertretende Kreissprecherin der Linken München und weiß somit aus erster Hand, welche Themen in der bayerischen Landeshauptstadt relevant sind. Im Bundestag sei sie deswegen auch stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen. „Das habe ich natürlich auch gemacht, weil das Thema hier in München so unter den Nägeln brennt“, sagt Gohlke. Sie zählt auf: Deswegen setze sie sich für einen sechsjährigen Mietenstopp ein, mache auf Leerstand in der Stadt aufmerksam und fordere regionale Miet-Obergrenzen.

Außerdem ist Gohlke als hochschul- und wissenschaftspolitische Sprecherin in ihrer Fraktion in der Bildungspolitik aktiv. Aber vertritt die Linkspartei damit noch die Arbeiterklasse? „Ich plädiere sehr dafür, dass man den Blick ein bisschen weitet und sich ein bisschen davon löst, dass die Arbeiterklasse quasi der Beschäftigte im Blaumann ist“, sagt die Bundestagskandidatin. Viele Berufe wie etwa Hebamme oder Pflegekraft seien akademisiert worden – sprich, es gebe mittlerweile Studiengänge dafür. Auch Beschäftigte im Wissenschaftsbereich stünden vor ganz existenziellen Fragen mit befristeten Verträgen und unfreiwilliger Teilzeit. Aber: „Ob sie ungelernt sind, einen Berufsschulabschluss haben oder akademisch sind – ich finde, wir sollen sie alle vertreten“, stellt Gohlke klar.

Wenn sie auf ihre eigene Studienzeit zurückblicke, habe sich vieles seither verändert. Während ihres Kommunikationswissenschafts-Studiums habe sie nicht nur ohne Probleme ein WG-Zimmer gefunden, sondern auch mehr Zeit und Freiraum als die Studierenden heutzutage gehabt. „Das ist heute alles anstrengender, heftiger und tougher geworden.“

Bereits als Schülerin und später als Studentin hat sich Gohlke politisiert, wie sie erzählt. Ausschlaggebend sei der zweite Golfkrieg in den 90er-Jahren gewesen, aber auch der Kampf gegen rechts. „Das waren für mich prägende Jahre“, resümiert Gohlke. Den Weg in die Politik hat ihr im Jahr 2004 dann der Eintritt in die WASG geebnet, welche eine der beiden Vorläufer-Parteien der Linken war. Dass sie einmal in der Parteipolitik landen würde, kam für sie selbst eher überraschend. Wenig überraschend wird dafür ihr erneuter Einzug in den Bundestag sein, den sie mit dem Listenplatz eins auf der Landesliste wohl sicher in der Tasche haben dürfte.

Wer im Westen sonst noch antritt:

In den vergangenen Tagen haben wir Ihnen im Kreis West/Mitte bereits die Kandidaten von CSU, SPD, Grüne, FDP und AfD vorgestellt. Außerdem treten hier noch an: Andreas Staufenbiel, Angestellter/Politikwissenschaftler, geb. 1987, Freie Wähler; Ben-Said Sharif Samani, Student, geb. 1995, ÖDP; Susanne Wittmann, Ärztin, geb. 1965, Tierschutzpartei; Sophie Griesbacher, Sozialwirtin, geb. 1996, Volt Deutschland; Philipp Drabinski, Taxifahrer, geb. 1974, Die Partei; Angelika Selbmann, Sekretärin, geb. 1963, V-Partei³; Claudia Rödel, selbst. Unternehmerin, geb. 1960, die Basis; Pia Chojnacki, Erzieherin, geb. 1994, du. (Die Urbane); Werner Zuse, Rentner, geb. 1949, Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo); Önder-Vedat Dönmez, Student, geb. 1998, parteilos; Oskar Sommerfeldt, Product Owner, geb. 1981, parteilos.

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