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Wie sicher ist die Tagesmütterbörse?

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München - Eltern auf der Suche nach einer Tagesmutter für ihren Sprössling wurden am Montagabend aufs Neue verunsichert.

Report München berichtete über „unzumutbare Zustände“ bei Frauen, die in der Pflegebörse des Münchner Jugendamtes gelistet sind. Ein abschreckendes Beispiel war eine Türkin, die beim Besuch der Reporter kaum ein deutsches Wort rausbringt und offenbar mit ihren vier Schützlingen nie an die frische Luft geht. Eine andere Tagesmutter hat sechs eigene Kinder und will vier fremde betreuen. Irritiert war man auch im Jugendamt. Chefin Maria Kurz-Adam war am Dienstag dabei, die Vorwürfe nachprüfen zu lassen.

Erst vor wenigen Wochen starb der kleine Christopher, nachdem er von seiner Tagesmutter heftig geschüttelt worden war. Die 34-jährige Betreuerin hatte sich für die Tageskinderpflege qualifiziert. Können Eltern darauf vertrauen, dass ihre Lieblinge bei Tagesmüttern sicher sind?

Laut TV-Bericht verlangen die meisten Bundesländer 160 Stunden Schulung, Bayern nur 100. Erst seit Herbst 2005 sind im Freistaat Qualifizierungskurse Pflicht. Jugendamtschefin Kurz-Adam betont, dass in München schon vorher 40 Stunden Schulung von Tagesmüttern verlangt wurden, jetzt sind es 60 Stunden Grundkurs, 55 Stunden Aufbaukurs plus jährlich 15 Stunden Weiterbildung. In München haben 442 Tagesmütter eine Pflegeerlaubnis. An eigenen und fremden Kindern darf jede nur insgesamt fünf betreuen. Diese Zahl wird in einem der Report-Beispiele nicht eingehalten ebensowenig der Schulungsnachweis.

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Kurz-Adam zeigt Mitgefühl mit der türkischen Tagesmutter, die „überfallen“ worden sei. In ihrer Aufregung habe sie wohl auch ihre Deutschkenntnisse vergessen, die zu den Tagesmütter-Voraussetzungen gehört. Außerdem werden überprüft: kindgerechte Ausstattung der Wohnung, Raum für Spiel und Bewegung, Garten oder nahegelegener Spielplatz. Kurz-Adam erklärt, dass sich die Tageskinderpflege aus einer ehrenamtlichen und nachbarschaftlichen Tradition in einem „gesetzlich reglementierten Bereich“ bewege. Die Stadt München bemühe sich, mehr als das gesetzlich Erforderliche zu tun. So soll der Stadtrat bald ein Beschlusspaket genehmigen. Darin werden 160 Qualifizierungsstunden gefordert.

bw.

Quelle: tz

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