Irrer Deko-Krieg in Laim geht weiter

Wie viele Gartenzwerge sind erlaubt?

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Sie halten die Ehre der Zwerge hoch: Über ein Jahr nach dem ersten tz-Bericht kämpfen Bodo Bruch, Albertine Baumgartner, Roman Balat und Klaus-Dieter Baumgartner (v. l.) für einen schöneren Hinterhof

Sie fühlen sich wohl in ihrem kleinen Paradies. Bei schönem Wetter sitzen Bodo Bruch (62) und seine Nachbarn in der Sitzgruppe zusammen.

Sie freuen sich über die Gartenzwerge, über das Windrad, das sich sanft im Wind dreht, über den Duft der Rosen. Doch über der Hinterhof-Idylle in der Wohnsiedlung in der Friedenheimer Straße in Laim türmen sich dunkle Wolken, wieder einmal: „Die Zwerge müssen raus“, sagt der Vermieter, die gemeinnützige städtische Wohnungsgesellschaft Heimag. Der irre Streit um ein paar Gartenzwerge – er geht weiter. Alles dreht sich um die Frage: Wie viele Zwergerl sind erlaubt?

Nur auf ein paar Quadratmetern links und rechts vom Hinterausgang hat Bodo Bruch Blumen gepflanzt, die Ränder mit Holz und Steinen eingefasst und Figuren aufgestellt: Rund 20 Zwerge und Marienkäfer, Igel und Frösche. Solarlampen leuchten den Bewohnern der Siedlung mit rund 150 Wohnungen in der Nacht den Weg (tz berichtete). Der Heimag war das gar nicht recht: Die Hälfte der Figuren und Einfassungen müssten weg, hieß es in einem Brief vom Februar. Bruch ließ diese Frist verstreichen, ebenso eine weitere. Inzwischen hat er die Hälfte der Figuren entfernt, hoffte, dass dann endlich Ruhe herrscht. „Wir wollen doch nur diese kleine Oase in unserem grauen Hinterhof“, schüttelt er den Kopf, enttäuscht über so viel Unverständnis.

Im Juli dann hatte er einen Brief von den Anwälten der Heimag im Briefkasten. Es bestehe kein Einwand gegen die eine oder andere Pflanze in der Gartenanlage im Hof. Weil die Verschönerungen aber weder mit der Heimag noch mit allen anderen Mietern abgestimmt waren, „werden Sie aufgefordert, die Einfassungen sowie die aufgestellten Figuren zu entfernen“. Jetzt soll also plötzlich alles raus, stattdessen wieder Hecken die Beete vom Weg trennen, dahinter die Pflanzen wild wachsen.

Was besonders seltsam ist: Bei einem Gespräch im Juni, also einen Monat vorher, sollen Vertreter der Heimag noch versichert haben, der Status Quo sei „in Ordnung“. Und jetzt das! „Ein Vertreter hat sogar gedroht, die Hintertür zuzumauern, damit wir nicht mehr so leicht zu unserer Oase können“, schimpft Bruch. „Er hat gesagt, dass das Beet betoniert wird, wenn wir nicht tun, was sie wollen.“

Die zuständige Sachbearbeiterin der Heimag ist noch im Urlaub und war daher für die tz bisher nicht zu sprechen. Bodo Bruch hat die Angelegenheit inzwischen seiner Anwältin übergeben. „Ich verstehe das Durcheinander nicht“, schüttelt auch Nachbarin Albertine Baumgart (82) den Kopf. „Es ist so schön hier. Kann es nicht einfach dabei bleiben?“

„Giftzwerge sind tabu“ - Die tz sprach mit Mietervereins-Chefin Beatrix Zurek

Mieter wollen ihren Hinterhof verschönern. Was dürfen sie? Was nicht?

Beatrix Zurek: Was der Mieter auf einer Gemeinschaftsfläche wie Hof oder Garten machen darf, hängt vom Mietvertrag ab. Ist dort nicht ausdrücklich die Benutzung von Hof oder Garten vermerkt, darf der Mieter diese in der Regel nur im Rahmen des Gemeinschaftszweckes nutzen.

Das heißt?

Er darf sich in seinem Liegestuhl sonnen, er darf ein Planschbecken für seine Kinder aufstellen und sein Handtuch ausbreiten. Verlässt er den Garten wieder, muss er ihn in dem Zustand verlassen, in dem er ihn vorgefunden hat.

Und er darf keine Zwerge aufstellen?

Wie der Garten gestaltet wird, entscheidet der Vermieter. Selbst wenn sich alle Mieter einer Wohnanlage über die Gestaltung einig sein sollten, kann der Vermieter anders entscheiden. Ist er vernünftig, tut er das natürlich nicht, sondern einigt sich mit seinen Mietern. Ist ein Teil eines Gartens allerdings an einen bestimmten Mieter vermietet, darf der ihn so gestalten, wie er will.

Ohne Ausnahmen?

Er muss sich an die geltende Rechtsprechung halten. So genannte Gift- und Frustzwerge sind zum Beispiel nicht erlaubt, solche also, die den Stinkefinger zeigen oder mit runtergelassener Hose oder einem Messer im Rücken dastehen. Solche Zwerge sind beleidigend und müssen entfernt werden.

Dürfen Mieter Blumen pflanzen und Eingrenzungen bauen?

Nicht, wenn der Vermieter es nicht duldet. Er wird darauf bestehen, dass Absprachen eingehalten werden.

tz-Stichwort: Heimag

Die Heimag München – in lang: Gemeinnützige Heimstätten Aktiengesellschaft – besteht seit 1918. Die Hälfte des Unternehmens gehört der Stadt direkt, weitere 20 Prozent der städtischen Gewofag. Die restlichen 30 Prozent kontrolliert die GWG Stuttgart. Die Heimag hat derzeit rund 4600 Wohnungen querbeet durch die Stadt, viele davon in Laim und Bogenhausen. Außerdem verwaltet sie weitere 1 900 Wohnungen nach dem Wohnungseigentumsgesetz. Die Bauträgertätigkeit begann 1920 mit der Errichtung von Eigenheimen am Luise-Kiesselbach-Platz.

Zwerge standen sogar schon vor Gericht

1872 wurden die ersten Gartenzwerge in Gräfenroda (Thüringen) hergestellt – und sorgen seitdem für jede Menge Ärger!

So klagte 1988 eine Wohnungsinhaberin vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht (Akz. 2 W 7/87) mit dem Ziel, die vier Zwerge ihrer Nachbarn aus dem Garten zu entfernen. Die Richter gaben ihr Recht: Die Gartenzwerge würden trotz ihrer geringen Größe von 25 Zentimetern durch die leuchtend roten Zipfelmützen im grünen Garten zu sehr auffallen…1872 wurden die ersten Gartenzwerge in Gräfenroda (Thüringen) hergestellt – und sorgen seitdem für jede Menge Ärger!

Quelle: tz

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