Einsätze in Pasing und Mammendorf

Wieder Terror-Alarm in München: Polizei gibt Einzelheiten bekannt

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Eine Videokamera hinter der Abdeckung eines Fernsprechers in der Halle des Pasinger Bahnhofs löste in der Nacht zu Sonntag einen siebenstündigen Polizeieinsatz aus.

München - Wieder zwei Terror-Alarme in 24 Stunden: Die Münchner Polizei hat Einzelheiten zu den Einsätzen in Pasing und Mammendorf bekannt gegeben.

Seit Jahren müssen die Bewohner aller westlichen Metropolen mit der schwer greifbaren Bedrohung durch Terror-Anschläge leben. Für München nahm diese permanente abstrakte Gefahr schon in den Weihnachtstagen bedrohliche Formen an und erreichte mit der offiziellen Terrorwarnung für die Bahnhöfe in der Silvesternacht ihren vorläufigen Höhepunkt. Die tz zeichnet noch einmal das Terror-Protokoll auf. Zudem jagt die Polizei mehrere Trittbrettfahrer, die zwei weitere Polizei-Einsätze in den Bahnhöfen in Pasing und Mammendorf (Kreis Fürstenfeldbruck) zur Folge hatten.

Pasing: Polizei sprengt Münztelefon

Eine Videokamera hinter der Abdeckung eines Fernsprechers in der Halle des Pasinger Bahnhofs löste in der Nacht zu Sonntag einen siebenstündigen Polizeieinsatz aus. Um 22 Uhr entdeckte ein Bundespolizist den seltsamen Gegenstand in dem Münztelefon. Die silberne Kamera lag auf einem Putzschwämmchen. Hinter die Abdeckung führten Kabel. Eine komische Konstruktion. Ein Sprengstoffhund der Münchner Polizei wurde geholt. Der legte sich hin und bellte – Sprengstoff! Unter diesen Umständen ging die Polizei kein Risiko mehr ein. Ein Röntgengerät der Bundespolizei konnte keinen näheren Aufschluss über den Inhalt der Kamera und die Führung der Drähte geben. 15 Minuten nach Mitternacht wurde die Südseite des Pasinger Bahnhofs geräumt und alle Straßen gesperrt. Der Zugverkehr konnte unter Einschränkungen weiter fahren.

Mammendorf: Trittbrettfahrer ruft die 110

Das wird teuer – wenn ihn die Polizei erwischt: Ein Trittbrettfahrer löste in der Regionalbahn 57190 zwischen München und Ulm am Samstag einen größeren Polizeieinsatz aus. Um 16.04 Uhr rief er von der Schalterhalle im Hauptbahnhof München von einem öffentlichen Fernsprecher den Polizeinotruf 110 an und teilte mit, dass es in München eine Bombe gäbe. Zwölf Minuten später meldete sich der selbe Mann wiederum von einem öffentlichen Telefon an Gleis 13 und wiederholte seine Drohung. Auf der Video-Überwachung sah die Bundespolizei, dass er in den am Gleis wartenden Regionalzug gestiegen war, der um 16.20 Uhr abgefahren war. Der Verdächtige ist etwa 35 Jahre alt und hat dunkle Haare. Er trug eine weiße Mütze und eine schwarze Umhängetasche.

Im Bahnhof Mammendorf wurde der Zug um 17 Uhr von der Polizei gestoppt, blieb mit geschlossenen Türen stehen. Einheiten der Bereitschafts- und Bundespolizei gingen an Bord und suchten den Mann mit der weißen Mütze. Leider ohne Erfolg. Auch während der Weiterfahrt nach Ulm wurde der Zug noch mehrfach abgesucht. Vermutlich war der Mann beim ersten Halt in Pasing wieder ausgestiegen. Die Polizei (Tel. 089/2901-0) bittet um Hinweise.

Terror-Alarm an Silvester: Vier Versionen – wenig Konkretes

Bereits seit dem 23. Dezember existierte eine inoffizielle Warnung für Weihnachts-Gottesdienste in den großen Kathedralen Deutschlands – auch für den Münchner Liebfrauendom. Der Dom mit all seinen Ein- und Ausgängen wurde scharf bewacht. Alle Aufseher waren (und sind) zu äußerster Wachsamkeit aufgerufen.

Ebenfalls in den Weihnachtstagen lieferte ein US-Geheimdienst erste Informationen über einen möglicherweise bevorstehenden Terroranschlag auf öffentliche Verkehrsmittel in München. Diese Warnung war jedoch im Hinblick auf Zeit und Ort äußerst spärlich.

Deutlich konkreter wurde da ein Iraker, der am Mittag des 23. Dezember in einem badischen Polizeirevier auftauchte. Seine Aussage rief nach Informationen des Bayerischen Rundfunks auf der Stelle den Staatsschutz des LKA Stuttgart auf den Plan. Der Iraker nämlich vermittelte den Beamten ein Gespräch mit seinem Bruder, der im Irak lebt und angeblich Kenntnis hatte von einem bevorstehenden, islamitischen Terrorranschlag in München – ebenfalls auf den „öffentlichen Nahverkehr“, den der Mann nicht näher verifizieren konnte. Der Mann nannte immer neue Versionen. Auch der Zeitpunkt – irgendwann um den 6. Januar – war diffus. Dafür nannte er sieben Personen – allerdings allesamt arabische Allerweltsnamen, die trotz aufwändiger, internationaler Ermittlung nicht zuzuordnen waren. Die Männer sollten sich bereits in München befinden. In den Fokus der Beobachtungen geriet zunächst ein Luxushotel am Hauptbahnhof, dann ein Garni-Hotel an der Landsberger Straße. Letzteres wurde tagelang observiert. Schließlich wurden am 30. Dezember zwei Hotel-Apartments gestürmt. Fehlanzeige. Der einzige Bewohner dort war unschuldig. Danach wurde auch dieser Hinweis zu den Akten gelegt.

Am Silvestertag jedoch nahmen die Münchner Terror-Gerüchte plötzlich konkrete, äußerst bedrohliche Formen an – nach einem Hinweis des französischen Geheimdienstes, der Fakten nannte: Ein Doppelanschlag auf den Hauptbahnhof und den Pasinger Bahnhof, in der Silvesternacht, Schlag Mitternacht. Durchgeführt von zwei Selbstmordattentätern mit Sprengstoff und bis zu fünf Helfern, die das Kalaschnikow-Feuer auf die anrückenden Rettungsdienste eröffnen sollten. Dieser Hinweis kam erst gegen 19.40 Uhr. Der Polizei rannte die Zeit davon. Unter diesen Umständen entschied Polizeipräsident Hubertus Andrä, die Öffentlichkeit zu informieren. Um 22.38 Uhr wurde die Presse und kurz darauf auch die Münchner Bevölkerung über die Warn-App Katwarn sowie über das soziale Netzwerk Twitter informiert.

Seit der Silvesternacht patrouillieren in der Innenstadt und an den Bahnhöfen zusätzlich täglich mehr als 100 Polizisten und gehören zum öffentlichen Bild. Polizeisprecher Sven Müller: „Ihre Präsenz beruhigt die Bürger. Zudem erfüllen sie Präventions-Aufgaben.“

Im Ticker zu den Terror-Alarmen halten wir Sie weiter auf dem Laufenden.

Dorita Plange

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