Wer schäumt am Mittwoch am meisten?

Stadtrat entscheidet über Bierpreisbremse, Umsatzpacht und Co.

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Dieter Reiter (SPD - l) und Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU) auf dem Oktoberfest.

Es ist so weit: Nach wochenlangen Debatten stimmt der Stadtrat am Mittwoch darüber ab, ob uns die Bierpreisbremse erwartet oder nicht. Auch über andere Themen wird entschieden. 

München - Am Mittwoch ist Tag der Entscheidung – der Stadtrat wird darüber abstimmen, ob die Bierpreisbremse auf der Wiesn kommt oder nicht. Bürgermeister Josef Schmid (47, CSU) will damit den Masspreis für drei Jahre bei 10,70 Euro einfrieren. Seine Pläne sehen zudem eine Umsatzpacht für die Wirte sowie eine dauerhafte Verlängerung des Oktoberfests um einen Tag vor. Die Debatte schäumt seit Wochen! Im Stadtrat herrscht Maulkorb-Pflicht: Sagen will fast niemand etwas! Doch es gibt bereits Tendenzen:

Bierpreisbremse: Das Preislimit für das Wiesn-Bier ist höchst umstritten. Schmids Plan: Um eine Bierpreiserhöhung infolge der Umsatzpacht zu verhindern, solle eine Obergrenze eingeführt werden. Bis zum Jahr 2019 soll der Preis bei maximal 10,70 Euro gedeckelt werden. Kritiker befürchten, dass die Wirte den Preis für Speisen und anti-alkoholische Getränke erhöhen könnten. „Eine Obergrenze für den Bierpreis hat keine positiven Auswirkungen für Familien“, sagt ein Genosse. Damit argumentieren auch die Grünen. Die FDP ist ebenfalls strikt gegen die Bierpreisbremse. Damit ist das Modell offenbar vom Tisch!

Umsatzpacht: Wegen der hohen Sicherheitskosten für die Wiesn will Schmid die Wirte mit einer Umsatzpacht mehr zur Kasse bitten. Schmid kalkuliert für das Oktoberfest 2017 mit einem Aufwand von 10,7 Millionen Euro, 8,6 Millionen sollen die Wirte schultern. Der Bürgermeister geht von etwa 170 Millionen Euro Nettoumsatz der Wirte aus. Auch wenn bereits etwa von der SPD Änderungsanträge angekündigt wurden, dürfte dieser Vorschlag Schmids wohl durchgehen. Die Pacht wird gemeinhin als faire Lösung betrachtet, die Wirte wegen der gestiegenen Sicherheitskosten abzukassieren.

Münchner Montag: Auch bei diesem Thema scheint die CSU allein auf weiter Flur zu stehen. Schmid schwebt vor, dass 50 Prozent der Plätze reservierungsfrei bleiben. Münchner sollen 25 Prozent der Plätze ohne Verpflichtung zur Mindestabnahme reservieren können. Die SPD wird den Vorschlag wohl ablehnen.

Wer schäumt am Mittwoch am meisten? Das sind am Mittwoch die Protagonisten:

Ihm ging es zu schnell

Man kann es drehen und wenden, wie man will: OB Dieter Reiter (58, SPD) hatte die Debatte angestoßen. Am Rande der März-Vollversammlung hatte er Schmid öffentlich angezählt. Der Wirtschaftsreferent müsse jetzt mal in die Gänge kommen, hieß es damals. Als Schmid sodann seine Pläne öffentlich vorstellte, schmeckte das dem OB wiederum nicht. Das Vorgehen sei nicht abgesprochen gewesen. Reiter ging das insgesamt zu schnell. Kommt heute alles so, wie spekuliert, dürften sich die Wogen im OB-Büro ­allerdings wieder glätten.

Dieter Reiter: Schäum-Gefahr 40%

Dieter Reiter.

Er wollte mehr Informationen

Wirtesprecher Toni Roiderer war über Wochen genervt von der Debatte. Er schäumte vor allem deshalb, weil Schmid die Wirte nicht über seine ­Pläne informiert habe. Jetzt nimmt er es aber, wie es kommt: „Die Kosten für die Sicherheit fallen an. Wir bezahlen sie und jammern nicht, weil wir gutes Geld verdienen. Sicherheit brauchen alle.“ Trotzdem: Richtig zufrieden ist Roiderer nicht. Anstelle der Umsatzpacht wäre ihm ein fixer Festpachtbetrag lieber gewesen. Und die Bierpreisbremse schmeckt ihm auch nicht. Falls sich der Stadtrat dagegen aussprechen würde, wäre das „eine Entscheidung der Vernunft“, meint Roiderer. Und dann? Würde der Masspreis nicht drastisch ansteigen, weil die Wirte die höheren Kosten wieder reinholen wollen? Der 72-Jährige widerspricht energisch: „Auf gar keinen Fall. Die Wirte sind doch nicht blöd.“ Sie würden stets „qualitäts- und preisbewusst“ handeln. Aber die 11-Euro-Grenze für die Mass würde vermutlich schon fallen? „Keine Ahnung“, sagt Roiderer. Nicht nachvollziehen kann er, dass bei der Refinanzierung der erhöhten Sicherheitskosten nur die Wirte zur Kasse gebeten werden sollen. Zumindest die großen Schausteller hätte man auch mit ins Boot nehmen sollen, findet Roiderer. Dem Vorschlag eines dauerhaften Zusatztags kann der Gastronom wenig abgewinnen: „Drei Viertel der Wirte wollen den gar nicht.“

Toni Roiderer: Schäum-Gefahr 70 %

Toni Roiderer

Er löste den Streit aus

Ob er heute überschäumt? Gänzlich glücklich wird Wiesn-Chef Josef Schmid (47, CSU) die Debatte wohl nicht verlassen, wenn die Bierpreis-Bremse nicht durchgeht. Schmid hatte über Wochen für sein Wiesn-Paket geworben und war auch dem Streit mit den Wiesnwirten nicht aus dem Weg gegangen. Dafür hagelte es Kritik – unter anderem von der SPD, aber auch von der Opposition. Die Forderung nach einer Deckelung des Bierpreises sei reiner Populismus, hieß es, etwa von den Grünen. Ob der Streit heute erneut eskaliert?

Josef Schmid: Schäum-Gefahr 50 %

Josef Schmid.

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