„Da werden nur Klischees bedient“

Wiesn-Pläne in Dubai: Initiator denkt an alkoholfreie Zelte und Masskrüge aus Kunststoff - heftige Kritik der Wirte

Eine Wiesn 2021 auf der Theresienwiese wird immer unwahrscheinlicher. Nun soll das Fest in einer XXL-Variante in Dubai steigen. Das ruft in München aber kaum Begeisterung hervor.

München - Es soll „das größte Volksfest der Welt“ werden: So preist der Münchner* Schausteller Charles Blume (48) sein Projekt im Internet an. Er will die Wiesn nach Dubai bringen - und zwar schon heuer, während wegen der Pandemie noch nicht mal klar ist, ob bei uns in München überhaupt ein Volksfest stattfinden darf… Der geplante Name: „Oktoberfest Dubai“. Kopien des Originals gibt es bereits viele, dieses in der Wüste aber soll noch größer werden als die echte Wiesn - und es soll acht Monate dauern!

Das Fest der Superlative soll auf 400.000 Quadratmetern steigen, vom 7. Oktober 2021 bis 31. Mai 2022. „Wir haben vor drei Wochen das Go von Dubai bekommen. Wir warten nur auf eine Unterschrift“, so der gebürtige Berliner Blume, der in siebter Generation Schausteller ist, zu unserer Zeitung. Laut Blume ist geplant, dass das Festgelände mindestens zwölf Jahre lang bespielt wird, auch mit anderen Veranstaltungen als dem arabischen Oktoberfest.

Bedienungen stehen im Hofbräu-Zelt beim traditionellen Kehraus auf den Tischen.

Wiesn in Dubai: Initiator will 27 Zelte aufbauen lassen - in einigen wird kein Alkohol fließen

Blume spricht bei der Wüsten-Wiesn von 620 beteiligten Betrieben und 27 Zelten, darunter zwei in den Dimensionen der großen Münchner Wiesn-Zelte. „Alle sind klimatisiert. Zwei davon sind arabische Zelte ohne Alkohol. Wir stehen auch in Verhandlungen mit Münchner Brauereien und Gastro-Betrieben.“

Die Anheuser Busch Holding, zu der auch Münchner Brauereien gehören, sagt unserer Zeitung: „Es ist wahrscheinlich, dass wir involviert sind, eventuell mit Spaten und/oder Löwenbräu“, so Pressesprecher Fried Allers. Auch ein Münchner Schausteller, der Betreiber der Alpina-Achterbahn, überlegt, teilzunehmen. Einige - vor allem kleinere - Wiesn-Wirte sind offenbar angefragt worden. Das Interesse hält sich aber in Grenzen.

Wiggerl Hagn vom Löwenbräuzelt sagt zwar: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir dabei sind.“ Kollege Christian Schottenhamel aber wettert: „Ich würde nicht mitmachen. Ich habe die Befürchtung, dass da nur Klischees bedient werden. Nichts ist so gut wie das Original.“ Ähnlich sehen es Sigi Able (Marstall) und Werner Hochreiter (Zur Bratwurst). Toni Roiderer (Hacker) sagt: „Wir sind Wiesn-Wirte und keine Wüsten-Wirte!“

Gastgeber der XXL-Wiesn? In Dubai soll das Fest mehrere Monate lang gefeiert werden.

Wiesn in Dubai: Masskrüge aus Kunststoff und Shuttle für Betrunkene

Wie viel Original steckt in der Dubai-Wiesn? Veranstalter Blume sagt zwar: „Die bayerische Volksfest-Traditon ist uns sehr wichtig.“ Gleichzeitig spricht er von einer möglichen musikalischen Zusammenarbeit mit Ballemann-Größen, von Kunststoff-Masskrügen und einem „Service für Betrunkene“ in dem Emirat, in dem Alkohol verpönt ist: „Wir haben eine Alkohol-Lizenz. Aber Dubai ist eine saubere und elegante Stadt. Wir werden Betrunkene entweder in Shuttle-Fahrzeugen nach Hause bringen oder in der ­U-Bahn begleiten.“

Bei der Stadt München kommen die Wüsten-Wiesn-Pläne nicht gut an. „Ich tue natürlich alles dafür, die Marke Oktoberfest zu schützen“, sagt Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner (CSU). Die Veranstaltung falle „eher in die Kategorie einer Fata Morgana. Das ganze ,Oktoberfest‘ zu nennen, um Kasse zu machen, finde ich eine Unartigkeit.“ Er fügt hinzu: „Nur mit dem Namen geht nicht automatisch das Lebensgefühl einher…“

Hier ist die Wiesn zu Hause: Bis 2019 fand das größte Volksfest der Welt regelmäßig zwei Wochen im Jahr auf der Theresienwiese statt.

Wiesn in Dubai: Andy Seggert und Die Derbys planen Auftritte im Emirat

Die Wiesn 2021 wäre seine 27. gewesen. Dass sie in München stattfindet, daran glaubt der Münchner Musiker Andy Seggert (56), der jahrelang in Bodos Cafézelt, der Haxnbraterei und im Bratwurst-Zelt eingeheizt hat, nicht mehr. Stattdessen sieht es so aus, als würde er mit seiner Oktoberfest-Band Die Derbys in Dubai aufspielen. „Wir sind dabei. Wir wurden angefragt und das ist eine sensationelle Idee.“

Besonders Musiker und Schausteller seien von der Pandemie hart betroffen. „Das wäre ein ganz großes Trostpflaster für uns“, sagt Andy Seggert zu unserer Zeitung. Er überlegt sogar, die Band-Koordination zu übernehmen, betont aber: „Das soll keine Konkurrenzveranstaltung zur Wiesn sein. Das wird ein fest installiertes, internationales Volksfest mit dem Anstrich einer Wiesn.“ (nba) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Felix Hörhager/Westend61/dpa/Imago

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