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170 Poller sollen die Wiesn schützen

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170 Poller wie diese sollen die Wiesn schützen

München - Poller-Plan für unser Oktoberfest: Die Pfosten halten selbst tonnenschweren Lastwagen stand und schützen öffentliche Plätze vor Terroranschlägen. Künftig sollen sie auch auf der Wiesn für Sicherheit sorgen.

Laut tz-Informationen kostet das noch geheime Konzept 1,8 Millionen Euro. Rund 170 Poller sollen dafür in der Erde versenkt werden.

Bis zur Jubiläums-Wiesn (200 Jahre) im September wird sich das Vorhaben jedoch nicht mehr umsetzen lassen, sondern erst 2011. Aus zeitlichen und vor allem finanziellen Gründen, wie die tz aus Rathaus-, Wiesn- und Polizeikreisen erfuhr. Ein Plan wäre gewesen, die Kosten auf Standl-Betreiber, Schausteller, Wirte und Gastronomie-Betriebe umzulegen. Doch weil diese bereits das aufgepeppte Programm der Jubiläums-Wiesn mitfinanzieren müssen, ist diese Umlage gescheitert.

Doch generell finden die Pläne an allen Fronten breite Zustimmung. Deshalb gilt als sicher: Ab 2011 bekommen wir die Poller-Wiesn! Heuer wollen die Sicherheitskräfte noch einmal auf mobile Barrieren oder Beton-Hindernisse zurückgreifen.

Festung Wiesn: Im Vorjahr stockte die Polizei die Zahl der Beamten von 400 auf 1200 auf

Fest steht allerdings, dass es Bilder wie im Vorjahr nicht mehr geben soll: Wasserwerfer, alte Polizeilaster, Busse und Müllautos weit vor dem Bavariaring, die quer auf den Straßen stehen. Sie erweckten den Eindruck wie aus den wildesten Zeiten im Kampf gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf. Denn diese Fotos gingen um die Welt, erweckten den Eindruck einer „Terror-Wiesn“. Doch Fakt ist: Hinter dem Sicherheitsgürtel war die Wiesn so friedlich, gemütlich und unaufgeregt wie schon lange nicht mehr.

Auch wenn sich zu den Poller-Plänen niemand offiziell äußern will, scheint der Beschluss nur noch Formsache. „Wir müssen vor allem dauerhafte Vorkehrungen treffen, die das Fest schützen“, deutete Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im Januar in der tz an. „Das trifft etwa darauf zu, zu verhindern, dass mit Sprengstoff beladene Fahrzeuge auf das Gelände fahren können.“ Die Details müssten zwischen Kreisverwaltungsreferat (KVR) und Münchner Polizei geklärt werden, so Herrmann. KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle wollte gegenüber der tz die Poller-Pläne nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren. Laut tz-Infos sollen die Pfosten, wie sie zum Beispiel am Jakobsplatz rund um das jüdische Gemeindezentrum und die Synagoge stehen, vor allem die Hauptzufahrtsstraßen der Wiesn blockieren. Dort werden automatisch versenkbare Systeme eingebaut. So können Lastwagen und Transporter weiter durchgelassen werden, wenn sie Lieferungen zum Oktoberfest bringen.

An anderen Stellen, etwa an den Eingängen für Fußgänger, sollen fest eingemauerte Poller platziert werden. Widerstandsfähig sind beide Varianten in gleichem Maße: Sie bringen selbst bei Tempo 70 vollbeladene Laster zum Stehen (siehe Artikel unten).

Im Vorjahr war es nach dem zweiten Wiesn-Sonntag, dem Tag der Bundestagswahl, zur Verschärfung der Vorkehrungen gekommen. Hintergrund: Die arabischen Terror-Gruppe Al Kaida hatte in einem Video mehrere deutsche Sehenswürdigkeiten als mögliche Anschlagsziele gezeigt: Kölner Dom, Brandenburger Tor und eben das Münchner Oktoberfest. Das Polizeiaufgebot wurde daraufhin massiv aufgestockt – von 400 auf 1200 Beamte. Absperrgitter, Wasserwerfer auf der Wiesn, Feiern in der Festung bei Alarmstufe rot: Diese Bilder waren wohl mit Schuld, dass trotz Traumwetters die Wiesn 2009 mit mit 5,7 Millionen Gästen den Besucherrekord von 7,1 Millionen deutlich verfehlte. Bei der heurigen Jubiläums-Auflage wird ein neuer Anlauf unternommen. Das Fest wurde schon einmal um einen Tag verlängert. Die Wiesn 2010 endet heuer erst am Montag, 4, Oktober. Am Samstag, 18. September, wird OB Christian Ude pünktlich um 12 Uhr im Schottenhamel-Festzelt das Fest eröffnen und rufen: „O’zapt is! Auf eine friedliche Wiesn!“ Die letzte ohne Sicherheits-Poller.

Stefan Dorner

An diesen Barrieren zerschellen die stärksten Laster

Straßenpoller sind schon jetzt nicht mehr aus dem Münchner Stadtbild wegzudenken. Diese Hindernisse aus Stahl oder Beton sollen meistens Autofahrer davor abhalten, in einen gesperrten Bereich einzufahren oder am Fahrbahnrand zu parken. Es gibt auch Versionen, die man für die Durchfahrt von Lieferwagen umkippen oder versenken kann. Darüberhinaus werden Objekte mit besonderen Sicherheitsbedürfnissen wie Botschaften schon seit Jahren mit Pollern geschützt, die auch den Aufprall von Lastwagen abhalten können. Auch hier gibt es an den Einfahrten versenkbare Poller. Etwa die Synagoge und das jüdische Zentrum am Jakobsplatz werden von solchen beweglichen Barrieren geschützt.

Die Poller sind 1,5 Meter tief in der Erde einbetoniert. Ein Stück kostet rund 50 000 Euro

Einer der Lieferanten ist der italienische Hersteller Pilomat aus Bergamo, dessen automatischer Poller von der Firma electro-automation im Erfurt vertrieben wird. „Das stabilste Pollersystem, das wir anbieten, kann den Aufprall eines 7,5 Tonnen schweren Lkw mit einem Tempo von 70 Stundenkilometern aushalten“, erklärt Peer Spittel, der technische Leiter von electro-automation. Nach so einem Aufprall ist das System normalerweise kaputt. Einen Parkrempler mit 15 km/h soll es allerdings schadlos aushalten.

Im Versuch donnert ein 7,5 Tonnen schwerer Laster mit Tempo 70 dagegen

„Dieses System, das der amerikanischen Norm K12 entspricht, besteht aus drei versenkbaren Pollern mit einem Durchmesser von 27,3 Zentimetern.“ Das Fundament, in das dieses Dreierpack einbetoniert wird, ist 1,5 Meter tief. Mit Einbaukosten muss man pro Poller mit 50 000 Euro rechnen.

Der Brummi wird sofort auf 0 abgebremst, das Führerhaus dabei völlig zerstört

Damit der Poller ein- und ausgefahren werden kann, wird er von einer Hydraulik-Pumpe betrieben, die mit biologisch abbaubaren Öl betrieben wird. Spittel: „Im Normalbetrieb braucht der Poller sechs bis acht Sekunden, bis er ein- oder ausgefahren ist.“ Man kann die automatische Barriere auch so ausrüsten, dass sie im Notfall dafür nur 1,2 Sekunden braucht.

Die Poller stehen nach wie vor in der Verankerung, vom Lastwagen ist nur noch die Achse übrig

„Die Steuerung der Geräte kann über einen Schalter in der Nähe, über Funk, Schlüssel oder Code-Tastaturen erfolgen“, so Spittel.
Johannes Welte

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