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Wiesn-Vergewaltigung: Lebt das Opfer noch?

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Peter M. (v.l.), Robert F. und Ignatz Ö. © ebu

München - Die Fotos auf dem Richtertisch zeigen erschreckende Szenen: Eine nackte und offensichtlich betäubte Frau wird von zwei Männern vergewaltigt – teilweise gleichzeitig.

Die Verbrecher vergehen sich an dem hilflosen Opfer auf perverse Weise. „Sie wirkt wie ein Puppe“, konstatiert Richter Norbert Riedmann und fragt die drei Angeklagten entsetzt: „Hat sie noch gelebt?“

Zwei Angeklagte sind auf den Fotos eindeutig als die Sex-Verbrecher zu erkennen: Robert F. (29) und Ignatz Ö. (29), schweigen. Peter M. (27), der Dritte im Bunde, der die Szenen mit dem Handy fotografiert hat, redet vor der 2. Strafkammer des Landgerichts zwar, aber bleibt bei vielen Fragen unkonkret. Er eiert herum.

Noch weiß die Justiz nichts über das Schicksal jener jungen Frau mit langen schwarzen Haaren, die nach einem Wiesn-Bummel am 7. Oktober 2007 mit den drei Männern in ein Taxi gestiegen war. Fest steht: Die Fahrt führte zur Wohnung des Betriebswirtschafts-Studenten Robert F. Dort wurde weiter getrunken. Von der etwa 18- bis 26-jährigen Frau weiß man nur, dass sie wahrscheinlich Liserl heißt. Sie trug eine hölzerne Klammer, auf dem dieser Name geschrieben war. Heimlich schütteten ihr die Männer die als K.o.-Tropfen benutzte Droge GBL (Gamma-butyrolacton) in den Jägermeister. Das Opfer wurde bewusstlos. Ignatz Ö. zog sie aus, gemeinsam mit Robert F. fiel er über das Opfer her. „Der Missbrauch dauerte mindestens eine Stunde an“, sagt Staatsanwalt Robert F. Selbst als sich die bewusstlose Frau übergeben musste, machten die Täter weiter. Peter M., der sich zwar ausgezogen hatte, sich aber an den sexuellen Handlungen nicht beteiligte, knipste fleißig die Ekel erregenden Szenen. Besonders schlimm: Robert F. litt an Feigwarzen, einer ansteckenden Geschlechtskrankheit. Hat er sein Opfer angesteckt?

Das Verbrechen kam erst im Zug anderer Ermittlungen gegen das Trio, unter anderem wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz, ans Tageslicht. Dabei fiel den Ermittlern das Handy mit den Vergewaltigungs-Szenen in die Hände. Der gelernte Autoglaser Peter M. packte bei den polizeilichen Vernehmungen aus. Er belastet seine Freunde schwer. In einem Punkt kam die Polizei nie weiter: „Liserl“ kennt man bis heute nicht. Vor Gericht bekam Peter M. das Muffensausen. Er behauptete zunächst, die Frau habe freiwillig Drogen konsumiert, sie habe sich ausgezogen, sie habe freiwillig beim Sex mitgemacht. Eine Lüge, wie sich herausstellte. Denn auf einigen Fotos, auf dem ein bereits bewusstloses Opfer zu sehen ist, hat „Liserl“ noch die Kleidung an. Richter Riedmann: „Ich habe den Eindruck, Sie haben Hemmungen in Gegenwart der beiden Angeklagten.“ Dann bestätigt Peter E. seine Aussagen bei der Polizei: „Stimmt schon so.“ Der Vergewaltigungs-Prozess ohne Opfer geht weiter. Eine Frage bleibt vermutlich ungeklärt: Ist Liserl noch am Leben?

Eberhard Unfried

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