Oberhaupt von ältester Wiesnwirt-Familie

Trauer um Therese Schottenhamel (†95): Hier erinnert sich ihr Sohn

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Eine tatkräftige, herzliche Frau: Therese Schottenhamel (l.) ist im Alter von 95 Jahren verstorben. Das Bild zeigt sie mit ihrem Sohn Michael und der Tochter Anna.

Eine Woche vor Ostern ist Therese Schottenhamel gestorben. Für Münchens älteste Wiesnwirt-Familie ist der Tod des Oberhaupts ein schwerer Schlag. Die Gastronomen Michael und Christian Schottenhamel gedenken ihr.

München - Eine tatkräftige, menschenfreundliche, gläubige Frau lebt nicht mehr - das Oberhaupt von Münchens ältester Wiesnwirt-Familie. Therese Schottenhamel ist am Samstag vor einer Woche verstorben - im gesegneten Alter von 95 Jahren. Ihre Kinder, darunter Sohn, Wiesnwirt und Gastronom Michael F. Schottenhamel (61), trauern um ihre Mutter.

Therese Schottenhamel war die Frau von Wiesnwirt Hans Schottenhamel (1913 bis 1993), dem Enkel von Michael (1838 bis 1912), mit dem vor 150 Jahren die Oktoberfest-Ära der Schottenhamels begann. An Hans’ Seite erlebte Therese voller Tatendrang den Aufschwung des Oktoberfests nach dem Zweiten Weltkrieg mit. „Sie hat tatkräftig bei allem mitgeholfen“, erzählt ihr Sohn Michael auf Anfrage der tz. Thereses Aufgabe war das Zählen der Bierzeichen. „Dafür gab es einen eigenen Tisch, auf dem die Markerl per Hand gezählt wurden. Auch die Abrechnung für die Bierkassen hat sie jahrelang gemacht.“ Vor etwa 30 Jahren zog sich Therese Schottenhamel aus dem Geschäft zurück.

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Spät die Leidenschaft für Skifahren und Golfen entdeckt

Genug zu tun hatte die agile, herzliche Frau trotzdem immer: „Meine Mutter hat es immer geliebt, in ihrem Garten zu arbeiten. Spät, jenseits der 40, hat sie erst mit dem Skifahren angefangen, jenseits der 50 mit dem Golfen.“ Besonders wichtig war Therese der Glaube. Zu Abt Odilo Lechner von Sankt Bonifaz in München hatte sie eine langjährige Verbindung, sie unterstützte die Obdachlosenhilfe des Ordens.

In Weßling (Kreis Starnberg) hatte Therese Schottenhamel ihren Zweitwohnsitz. Hier hat sie auch jahrzehntelang einen Altar für die örtliche Fronleichnamsprozession mit einem Marienbild aus ihrem Besitz bestückt. „Das war ihr sehr wichtig“, sagt Bürgermeister Michael Muther. Junge Burschen aus Weßling halfen dabei, das Bild aus dem Haus zu schleppen. „Dafür hat sie sich immer mit Bierzeichen fürs Oktoberfest bedankt.“ Zudem habe sie sich darum gekümmert, dass der Uferbereich entlang ihres Anwesens am See immer sauber war. In Weßling gibt es das Hans-Schottenhamel-Gasserl, eine Reminiszenz an die Familie, die jahrelang das Fischereirecht hatte.

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„Patente und sehr bestimmende Frau“

„Meine Mutter war eine sehr patente und, wenn nötig, eine sehr bestimmende Frau“, sagt Michael F. Schottenhamel. Besonders wichtig sei ihr immer die Familie gewesen, ihre drei Kinder, vier Enkel und ein Urenkel. „Ihr Tod ist ein Einschnitt für uns, auch wenn wir uns natürlich lange darauf vorbereiten konnten.“

Auch Michaels Cousin, Wiesnwirt und Gastronom Christian Schottenhamel, trauert um seine Tante. „Sie war zusammen mit meiner Mutter, die ja zum Glück noch lebt, so etwas wie die ,graue Eminenz‘ der Wiesn.“ Sie waren Wiesnwirtinnen, obwohl sie „nur“ die Frauen der Wirte waren, sagt der Neffe der Verstorbenen: „Hinter jedem starkem Mann steht ja eine starke Frau.“

Bis zu einem Herzinfarkt vor kurzem sei es Therese noch gut gegangen. 2017 feierte sie noch voll Vergnügen auf der Wiesn. 150 Jahre Schottenhamel konnte die Familie da stolz feiern. Für das Familienoberhaupt war es das letzte Oktoberfest.

Andrea Stinglwagner, Sandra Sedlmaier

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