Wiesnzelt: Ab 17 Uhr Sperrstunde für Kinder?

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Jugendamtschefin Maria Kurz-Adam

München - Im Jugendamt erinnert man sich mit Grausen an den Fall: Vor Jahren habe ein Ehepaar bei einem Wiesnbesuch dermaßen tief in den Bierkrug geschaut, dass die beiden anschließend das falsche Kind mit nach Hause nahmen.

Der Fall erschreckte Jugendschützer, eilig führte der Stadtrat 1997 einen Passus in die Oktoberfestverordnung ein: „Kindern bis zum Alter von 6 Jahren ist der Aufenthalt in Bierzelten ab 20 Uhr auch in Begleitung Erziehungsberechtigter untersagt.“ Jetzt will das Jugendamt diesen Zeitpunkt auf 17 Uhr nach vorne verlegen: Am Dienstag berät der Stadtrat über den Antrag.

„Vor zehn Jahren ist die Partystimmung erst in den Abendstunden aufgekommen,“ begründen die Jugendschützer ihren Vorstoß. „Mittlerweile haben sich die Bierzeltbesucher und entsprechend auch die Kapellen mit ihrem Repertoire an Hits und Ohrwürmern darauf eingestellt, dass man es ab 17 Uhr – spätestens ab 18 Uhr ,krachen lässt‘.“ Das bedeute, dass im Bierzelt nahezu alle Menschen auf den Bänken stehen und auf mehr oder weniger sicheren Beinen tanzen. „Wer sitzen bleibt, sieht sich umgeben von einem Wall wogender Beine.“ Diese Situation und die ohrenbetäubende Lautstärke sei für Kinder unter sechs „ein traumatisches Erlebnis“. Den Einwand, dass Eltern ihren kleinen Kindern solche Erfahrungen ohnehin ersparen, lässt das Jugendamt nicht gelten. Seine Mitarbeiter haben auch nach 20 Uhr unter Sechsjährige in Bierzelten angetroffen.

Deshalb schlagen sie vor, das Verbot ab 17 Uhr gelten zu lassen: Um diese Uhrzeit ist Reservierungswechsel in den Zelten. In den Gärten reiche die 20-Uhr-Regel aus.

Die SPD-Fraktion wird sich erst heute früh mit dem Thema befassen. Kreisverwaltungssprecher Josef Assal persönlich hält den Vorschlag „schon aus medizinischen Gründen für nachvollziehbar.“ Möglicherweise werde die SPD den Termin 18 Uhr wählen. Die Grünen wollen der Vorverlegung nur fürs Wochenende zustimmen. Darüber würde auch die CSU mit sich reden lassen, so Stadtrat Robert Brannekämper. Grundsätzlich will die CSU aber bei der 20 Uhr-Verordnung bleiben. „17 Uhr, das ist für Familien unter der Woche nicht praktikabel.“ Für die FDP führt Stadträtin Nadja Hirsch eine 19-Uhr-Variante ins Feld.

Barbara Wimmer

Quelle: tz

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