Wildbiesler auf dem Waldfriedhof

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München - Die Wildbiesler auf dem Münchner Waldfriedhof werden zum Fall für den Bürgeranwalt. Die Not der Besucher beginnt bereits vor dem Eingang Lorettoplatz.

Heute geht es auf dieser Seite um ein anrüchiges Thema, nämlich um wilde Biesler auf dem Waldfriedhof. Über sie beschwert sich ein Leser beim Bürgeranwalt und fordert mehr Toiletten. Auf dem Waldfriedhof gibt es nämlich für ein Gelände von 170 Hektar mit 60 000 Gräbern nur drei öffentliche WC-Anlagen. Natürlich reißt der Besucherstrom in dem ehemaligen Fichtenwald so gut wie nie ab, zumal auch viele Prominente hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Und dann kommt es eben manchmal zu dringenden Bedürfnissen, für die die entsprechende Bedürfnisanstalt nicht nah genug ist.

Der Streit um die öffentlichen Toiletten in München – nicht nur auf dem Waldfriedhof – schwelt schon lange. Stadtwerke und Kommunalreferat schieben sich bei der Sanierung gegenseitig den Schwarzen Peter zu (tz berichtete). Dabei ist München im Moment noch die Stadt mit den meisten kostenlosen öffentlichen Toiletten Deutschlands. Wir haben immerhin 120 davon, Frankfurt hat nur 18 und Berlin gar keine. Aber diese paradiesischen Zustände gehen leider auch bei uns ihrem Ende entgegen. Erstens plant man die Schließung eines Teils der Toiletten, zweitens sollen die verbleibenden Anlagen kostenpflichtig werden.

Was aber, wenn jemand genau dann ein dringendes Bedürfnis hat, wenn die öffentliche Toilette dort, wo er gerade unterwegs ist, wegrationalisiert wurde? Dann denkt das Kommunalreferat an ein Arrangement mit den Wirten. Sie sollen sich an einer Aktion namens „Nette Toilette“ beteiligen. Bei ihr wird versprochen, dass Passanten die stillen Örtchen in den Wirtschaften auch ohne Verzehr im Gasthaus aufsuchen dürfen. Gegen Gebühr, natürlich. Wem das wohl mehr stinkt, den Wirten oder den Bieslern?

Ihr

Dietmar Gaiser

Lauter Ruf nach stillem Örtchen

Ich bin regelmäßiger Besucher des Waldfriedhofes in München und ärgere mich jedes Mal über die Toilettensituation dort. Vor dem Eingang Lorettoplatz ist zwar eine Toilettenanlage, die ist aber geschlossen. Damit beginnt bereits die Not des Besuchers. Und sie geht weiter, weil es auf dem riesigen Friedhof nur drei offene Toilettenanlagen gibt. Sie können sich vorstellen, was passiert: Die Friedhofsbesucher mit dem dringenden Bedürfnis gehen hinter die Büsche. Ich kann es ihnen nicht verdenken, trotzdem ist es mehr als ärgerlich, wenn man sein Grab besucht und in die entsprechenden Pfützen tritt. Ich habe mich vor eineinhalb Jahren über diese Situation beschwert und bekam die Nachricht, dass meine Beschwerde an die Friedhofsverwaltung weitergeleitet worden sei. Seither telefoniere ich und schreibe Briefe, aber ohne Ergebnis. Bitte helfen Sie den armen älteren Friedhofs-Besuchern, damit sie nicht weiter hinter Büschen ihre Notdurft verrichten müssen.

Josef Gottlob (84), Rentner aus München

Der Waldfriedhof in München ist immerhin so groß wie rund 250 Fußballfelder. Und er wird von vielen älteren Menschen besucht. Wenn dann nur drei funktionstüchtige Toiletten vorhanden sind, kann das schon zum Problem werden. Katrin Zettler, Sprecherin des Referates Gesundheit und Umwelt der Stadt München, verspricht aber eine Verbesserung der Situation: „Die Toilettenanlage am Eingang Lorettoplatz soll möglichst schnell wieder geöffnet werden. Allerdings sucht die Stadt noch nach einem Pächter. Wenn er gefunden ist, wird diese Anlage sofort wieder in Betrieb genommen.“ Allerdings sei die Situation am Lorettoplatz nicht so dramatisch, so Zettler, denn nur rund 250 Meter vom Eingang entfernt, gibt es auf dem Friedhofsgelände eine geöffnete Toilette. Weitere stille Örtchen für Besucher gibt es im Verwaltungsgebäude der Aussegnungshalle im neuen Teil und am Haupteingang an der Fürstenrieder Straße im alten Teil.

Um auf die Beschwerden der Besucher zu ­reagieren, ist das Re­ferat für Gesundheit und Umwelt aber mit dem Baureferat in Kontakt getreten. Man will die seit Jahren stillgelegte Toilette am Eingang Kreuzhof wieder reaktivieren. Katrin Zettler: „Vorher muss sie aber renoviert und auf den neuesten Stand gebracht werden. Dann wird es eine vierte Toilette auf dem Friedhof geben.“

Als wir Josef Gottlob am Waldfriedhof trafen und ihm das Ergebnis der Recherche erzählten, wunderte er sich: „Ich habe über ein Jahr geschrieben und tele­foniert, aber keine po­sitive Auskunft bekommen. Beim Bürgeranwalt ging das ganz schnell. Ich freue mich, dass die Stadt das Problem erkannt hat und reagiert.“

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