Streifenwagen gerammt

Wilde Verfolgungsjagd in gestohlenen Autos

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Daniel B. und Karol A. (zusammen mit ihren Anwälten) am Donnerstag auf der Anklagebank des Landgerichts.

München - Zwei Angeklagten wird vorgeworfen, sich eine wilde Verfolgungsjagd in gestohlenen Autos mit der Polizei geliefert zu haben. Ihre Taten räumen die beiden jungen Männer ein.

Die Köpfe kahlgeschoren, der Blick gesenkt. Traurig schauen Daniel B. (27) und Karol A. (23) von der Anklagebank des Landgerichts drein. Sie wissen: Ihr Haft-Aufenthalt wird so schnell nicht enden. Die Staatsanwaltschaft wirft beiden Männern vor, Anfang Januar dieses Jahres zwei gestohlene Mietwagen von einem polnischen Auftraggeber an der Allianz Arena übernommen zu haben, um sie nach Prag zu entführen. Auf dem Weg dorthin liefern sie sich eine filmreife Verfolgungsjagd mit der Polizei! Wegen Hehlerei, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte wurde ihnen am Donnerstag der Prozess gemacht.

Ihre Taten räumen die beiden jungen Männer ein. Am 11. Februar fährt Karol A. mit einem VW Crafter und Daniel B. mit einem VW T5 von München aus bis auf die Autobahn A6 in Richtung Weiden. Über die Kennzeichen werden Zivilstreifen gegen 21.45 Uhr auf die geklauten Auto aufmerksam und signalisieren ihnen mit Blaulicht, zu folgen. Mit etwa 100 km/h steuern die Beamten die nächste Ausfahrt an. Kurz davor reißt Karol A. aber das Steuer herum und rammt den Streifenwagen in voller Fahrt. Ein Polizist: „Dadurch ist unser Wagen zur Mittelleitplanke ausgebrochen.“ Kurz nach dem Grenzübergang holt die Polizei A. ein – dort rammt der Pole erneut einen Streifenwagen. Erst ein querstehender Lkw kann ihn an einer Straßensperre stoppen. Schaden: rund 8000 Euro.

Daniel B. wollen die Beamten per Polizeikelle zum Parkplatz Ulrichsberg leiten. Kurz vorher reißt er den T5 aber herum und fährt weiter. Kurz darauf hält er auf dem Standstreifen und flüchtet zu Fuß quer über die Autobahn zu einer Raststätte. Per Helikopter-Fahndung wird er dennoch geschnappt – und an der Tankstelle unter einem Christbaum verhaftet!

„Die finanzielle Not meines Mandanten wurde ausgenutzt. Er wusste nicht, auf was er sich einlässt“, sagt Strafverteidiger Timo Westermann über Karol A. Nur 350 Euro sollte der Koch für den Fahrdienst erhalten. „Mit dem Geld wollte ich meine Familie unterstützen. Es tut mir leid, ich wollte niemanden verletzten“, sagt er. Die beiden Angeklagten erwarten rund drei Jahre Haft. Am Mittwoch fällt das Urteil.

Andreas Thieme

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