Sex im Sperrbezirk - Eine Prostituierte packt aus

Wie arbeitet es sich als Sexarbeiterin im Sperrbezirk Münchens?
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Wie arbeitet es sich als Sexarbeiterin im Sperrbezirk Münchens?

Ihre Kunden sind so prominent, dass Klara sie nur im Hotel besuchen kann. Sie sind Manager, Schauspieler, Politiker und TV-Stars, die meisten verheiratet.

Es sind Männer, die Verantwortung tragen, die Unternehmen leiten, die in der Öffentlichkeit stehen – und manchmal sind sie einsam. Dann brauchen sie Frauen wie Klara zum Reden – und für Sex. Die Münchnerin ist eine Prostituierte. Sie arbeitet im Sperrbezirk. Derzeit kontrolliert die Polizei massenhaft Huren und konfisziert deren Handys. „Ohne jede Rechtsgrundlage“, sagt Klara. Ihr Handy ist ihre Geschäftsgrundlage. „Meine Stammkunden stehen drin.“

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Klara arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Prostituierte, als Escort-Dame. Sie wirkt wie eine ganz normale Frau, blonde Haare, getönte, randlose Brille, zierliche Figur. Und trotzdem führt sie ein Doppelleben. „Meine Eltern und mein Sohn wissen nicht, was ich tue.“ Sie hat sich einen Beruf einfallen lassen, den sie in der Nacht tun muss. Welchen, will sie nicht verraten. „Mein Doppelleben könnte auffliegen.“ Klara hat ständig Angst, dass durch einen Zufall ihr zweites Leben zusammenfällt. „Ich muss immer auf der Hut sein.“

Vor ein paar Jahren wäre ihre Legende fast aufgeflogen. Ein Mann rief auf Klaras Handy an, wollte sie in seiner Firma treffen. Als sie zu der Adresse fuhr, wartete der Unternehmer draußen vor der Tür – es war ein Verwandter. „Da hab ich Gas gegeben“. Auf ihren Internetfotos hat Klara deshalb ihr Gesicht unkenntlich gemacht. „Nicht, weil ich unansehnlich bin. Es ist mein Schutz. An meinem Busen erkennt mich niemand.“

In Bordellen oder in Sex-Clubs zu arbeiten kommt für Klara nicht in Frage. „Ich bin lieber mein eigener Chef.“ Sie möchte sich die Freier selbst aussuchen, selbst bestimmen, wie oft sie arbeitet. Ihre Kunden finden Klara im Internet. Dort gibt es eine Seite, auf der Bilder von ihr geladen sind – daneben steht ihre Handynummer.

Als „heiß und einfühlsam“ beschreibt sich Klara. „Meine Gäste wollen nicht nur das eine. Viele wollen einfach nur reden, ihre Probleme loswerden.“ Schnell sind so zwei, drei Stunden vorbei. Ein teures Vergnügen – eine Stunde mit Klara kostet mindestens 150 Euro. Außerhalb des Sperrbezirks sind die Damen schon ab 50 Euro dabei. „Dafür bekommen sie bei mir Aufmerksamkeit, Verständnis – und Sex“, sagt Klara. „Ich bin Freundin, Psychologin und Hure in einem.“

Ihre Kunden sind Männer aus allen Schichten: Einsame Lastwagenfahrer, gestresste Manager, berühmte Schauspieler, bekannte Politiker. „Alle haben sie eines gemeinsam. Sie sehnen sich nach offenen Gesprächen – und hemmungslosen Sex. Den kriegen sie zu Hause bei der Ehefrau nicht.“

Es ist ein Spiel mit dem Feuer – Sex im Sperrbezirk. Klara muss sich dabei auf ihr Gefühl verlassen. Ist der Mann, der sie im Hotelzimmer erwartet, ein Scheinfreier der Polizei oder ein echter Kunde? Die Escort-Lady hat ihre eigene Methode, um solche Fallen zu entlarven. „Ich bestehe darauf, dass sich der Kunde auszieht, bevor das Geld wechselt. Ein Polizist darf sich nicht ausziehen.“

Rechtsanwältin Angelika Lex.

Anwältin: „Die Frauen werden kriminalisiert“

Es ist eine große Kontrollaktion, die die Münchner Polizei seit mehreren Wochen durchzieht. Rund 1000 Frauen, die für Internet-Escortagenturen arbeiten, wurden überprüft. Mehr als 20 Damen und zwei Callboys wurden erwischt, als sie im Sperrbezirk anschaffen wollten. Dabei stellten die Beamten den Prostituierten jeweils Fallen – die Polizisten traten als Scheinfreier auf, bestellten die Escort-Damen in eigens angemietete Hotelzimmer.

Klara ist eine der Prostituierten, deren Handy beschlagnahmt worden ist. „Das ist für mich eine mittlere Katastrophe“, sagt die Mittvierzigerin. Bis heute hat sie ihr mobiles Telefon nicht zurück. Die Handys liegen teils schon seit Wochen bei der Polizei – ohne jede richterliche Anordnung, wie vom Gesetz vorgeschrieben.

Die Polizei begründet die Beschlagnahme mit dem Verdacht auf eine Straftat. Zwar ist eine einmalige Verletzung der Sperrbezirksverordnung nur eine Ordnungswidrigkeit – den Liebesdamen wird aber Beharrlichkeit unterstellt, was wiederum eine Straftat ist. „Die Handys dienen der Beweissicherung“, sagt Peter Breitner, Leiter des Dezernats zur Bekämpfung Organisierter Kriminalität. Die Polizei will die Damen nicht drangsalieren. „Wir achten nur darauf, dass die Spielregeln eingehalten werden.“

Derzeit wird gegen mehrere Internet-Agenturen wegen des Verdachts des Menschenhandels ermittelt. „Die Strukturen der Escort-Agenturen sind äußerst schwer zu durchschauen“, sagt Dezernatsleiter Peter Breitner. Oft ist der Firmensitz im Ausland, die Betreiber der Sex-Agenturen sind nicht immer erkennbar.

Weniger Probleme hat die Münchner Polizei hingegen mit dem legalen Rotlichtmilieu. Dort sind die Beamten regelmäßig vor Ort, kennen die Geschäftsführer der Bordelle und Sex-Clubs, kontrollieren die Prostituierten. „Es kann nicht sein, dass wir nur im legalen Milieu tätig sind. Wir haben die Pflicht, auch im Sperrbezirk unsere Augen offenzuhalten“, sagt Peter Breitner.

Für die Münchner Rechtsanwältin Angelika Lex ist das Vorgehen der Polizei rechtswidrig: „Ein Verstoß gegen die Sperrbezirksverordnung rechtfertigt in keiner Weise eine Beschlagnahme von Handys. Das ist nur bei schwer wiegenden Straftaten möglich“. Die Münchner Sperrbezirksverordnung sei zudem „pure Heuchelei“, die Prostitution werde dadurch nicht unterbunden, die Frauen würden in ihrem Recht auf freie Berufsausübung gehindert. „Die Frauen werden kriminalisiert“, sagt Anwältin Angelika Lex.

Legal können Prostituierten ihren Beruf nur in drei Münchner Hotels nachgehen, die außerhalb des Sperrbezirks liegen. Es ist ein Beruf, der sozial geächtet ist, der aber dem Staat Millionen an Steuern einbringt. „Wir brauchen eine Reform des Sperrbezirks“, sagt Klara. Und fügt hinzu: „Der Sperrbezirk ist ja in Ordnung, auch dass die Polizei kontrolliert. Aber dass wir keine Hotels oder Privatwohnungen besuchen können, behindert uns in unserer Berufsausübung.“

Quelle: tz

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