Ex-Fußballprofi Markus Oberleitner kämpft gegen die Mobilfunk-Sendeanlagen in seiner Nachbarschaft

Wildwuchs der Handymasten

München - Als Fußballprofi kämpfte er um Punkte und Tore, 20 Treffer erzielte er in 150 Spielen.

Wenig Erfolg hat Markus Oberleitner (34) im Kampf gegen eine Ungerechtigkeit: Er kämpft gegen Handymasten in der Nachbarschaft!

Vier Jahre ist es nun schon her, dass Oberleitner seine Karriere an den Nagel hängen musste. Das Knie. Nach fast zehn Jahren vor allem bei der Spielvereinigung Unterhaching, aber auch bei den Bayern, in Fürth und zuletzt in Kärnten, kehrte er heim. Er und seine Frau Verena (35) ließen sich in deren Elternhaus in Laim nieder, möbelten es auf, nach Sohn Yannick (5) kam Dominik (2) zur Welt.

Kaum, dass sie eingezogen waren, ließ der Nachbar einen Handymasten auf dem Dach seiner Reihenhäuser installieren, ein Fast-Zehn-Meter-Mast auf einem Zehn-Meter-Haus – nur wenige Meter entfernt! Da fiel Oberleitner erst auf, dass da schon ein Sender stand. Heute sind es vier, auf die man aus dem Garten der Familie einen beeindruckenden Blick hat. „Wenn die Buben draußen spielen, haben wir kein gutes Gefühl mehr“, sagt Oberleitner.

Natürlich geht es der Familie um die Gesundheit. Auch wenn die Wissenschaft bis heute keinen seriösen Beleg für eine Gefahr vorgelegt hat – die Befürchtung bleibt: Da kann noch was kommen. Deswegen haben sie die zum Nachbarn gerichtete Fassade mit einer Abschirmfarbe anlegen lassen – 100 Euro das Ein-Liter-Döschen!

Es geht Markus Oberleitner aber auch um mehr. Es geht ihm um die Verschandelung eines Wohngebiets und die Frage: Wie kann in Deutschland so etwas genehmigt werden? „Warum auf Einfamilienhäusern? Warum bekommt ein Einzelner eine Genehmigung und die Anderen baden es aus? Warum werden keine besseren Standorte für die Sender gesucht?“ Oberleitner hat viele Fragen.

Er ging ins Rathaus, zum Gesundheitsreferat, zum Baureferat, zum Bezirksausschuss, zum Nachbarn, zu den Mobilfunkfirmen. Die Antwort war mehr oder weniger die gleiche: Weil das erlaubt ist!

Natürlich nutzt auch Oberleitner ein Handy, als Makler ist er darauf angewiesen. „Aber das habe ich selbst in der Hand“, sagt er. Wenn die Sender besser verteilt würden, könnten die Strahlen reduziert werden. In seiner Nachbarschaft gäbe es etwa viel sinnvollere Standorte – das gab ihm ein Mobilfunkbetreiber sogar schriftlich.

Aber: „Es kümmert sich keiner um die Standorte. Es gibt keine Begehungen, keine Gutachten.“ Auf großen Mietshäusern stünden die Sender sehr hoch und würden über die Wohngebiete wegstrahlen. Da aber immer mindestens ein Mieter dagegen sei, könnten die Eigentümer keine Antennen aufstellen. Darum suchten die Handyfirmen sich die kleinen Einfamilienhäuser und zahlen zehntausende Euro Miete. Das ist erlaubt, der Staat verlangt nichtmal Genehmigungen dafür!

Folge: Wildwuchs und Verschandelung – siehe Oberleitners Garten. „Ich kann nicht verstehen, wie der Staat das aus der Hand geben kann“, sagt er. „Wenn ich meine Bäume stutzen will, brauche ich eine Erlaubnis. Das ist lächerlich.“ Diese Gesetzeslücke müsse geschlossen werden.

Einen kleinen Erfolg hat er erreicht: Oberleitner hat seinen Nachbarn, den mit den Masten auf dem Dach, angesprochen – im Fußball würde man sagen: in Manndeckung genommen. „Er ist sehr kooperativ“, sagt der Ex-Kicker. Wenn der Vertrag über den ersten Mast von 1998 heuer nach zehn Jahren ausläuft, wird er ihn nicht verlängern. Wenigstens eine Antenne kommt also bald vom Dach!

Quelle: tz

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