Das ist Chefsache

Franken-Vinothek neben Pfälzer Weinstube?

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Ausgerechnet neben die Pfälzer Weinstube soll eine fränkische Vinothek

München - Das ist wieder mal Chefsache: Ministerpräsident Seehofer und seine Ressortchefs für Finanzen, Landtag und Landwirtschaft setzen sich mit allem Herzblut dafür ein. Es geht um: Wein.

Das brennt auf den Nägeln, das bewegt den Freistaat – das ist also wieder mal Chefsache: Ministerpräsident Seehofer und seine Ressortchefs für Finanzen (Söder), Landtag (Stamm) und Landwirtschaft (Brunner) setzen sich mit allem Herzblut dafür ein – es geht um: Wein …

Die CSU als Chef-Sachen-Union. Man ist im Wahlkampf, und man will die stolzen Franken natürlich nicht verärgern. Deshalb soll in den Residenzladen direkt neben der Pfälzer Weinstube eine fränkische Vinothek hinein. Die Pfälzer fürchten die langsame Okkupation durch die Franken – und nicht zu unrecht. Die Residenz obliegt dem Finanzministerium, ist also Söder-Reich.

Im Herbst 2011 versprach Seehofer dem Fränkischen Weinbauverband eine Weinstube „in zentraler Lage“, der Landtagsbeschluss folgte. Der Verband besteht nun ausgerechnet auf einem Plätzchen in der Residenz, obwohl auch andere Standorte angeboten wurden. Auf 50 Quadratmetern, wo der Residenzladen ist, soll entkorkt werden, was die Pfälzer verkorkst finden.

Der Laden-Pächter müsste raus, weiß aber nur von Plänen. „Bei mir hat sich noch keiner gemeldet“, sagt Harald Brunnhofer (53). Was so schlimm daran ist, dass die Pfälzer Weinstube mit ihren 1500 Plätzen ein fränkisches Mini-Vinorant neben die Nase gesetzt bekommt? Weil der Gastronom ein echter Vollprofi werden soll, Peter Wieser. Er betreibt die Ratsstuben im Neuen Rathaus und kann privatwirtschaftlicher arbeiten als die Kollegen zur Linken, hat Top-Personal. Da kann die Weinstube nicht mithalten: Sie steckt den Gewinn in ihre Stiftung zur Finanzierung junger Pfälzer, die in Bayern eine Ausbildung absolvieren.

Ursula Männle ist 1. Vorsitzende des Landesverbandes der Pfälzer in Bayern. Sie sagt der tz: „Ich verstehe die Franken nicht, warum sie ausgerechnet neben uns ziehen wollen. Der Druck auf uns ist schon sehr groß.“ Da helfe auch der unbefristete Mietvertrag nicht weiter, wenn’s hart auf hart käme. „Wir haben unsere nötige Zustimmung verweigert. Doch eine Klage wäre idiotisch.“

Männle vermutet, dass ein fränkischer Fuß ins Residenz-Portal gesetzt werden soll – und wenn das erst einmal getan ist … „Die Argumentation der Franken-Fraktion ginge ja so: „Die Pfalz zahlt keine Steuern, wir Franken schon. Die Pfalz ist Vergangenheit, wir nicht.“

Hermann Schmitt, Geschäftsführer des Fränkischen Weinbauverbandes, will sich den guten Tropfen Residenz nicht entgehen lassen: „Die Pfälzer haben 1500 Quadratmeter, wir hätten nur 50.“ Eine Freischankfläche soll es auch geben und Events. Vergrößern wolle man sich nicht.

Übrigens: In den 50ern wurde die Weinstube eröffnet, um die Pfalz wieder nach Bayern zu holen. Finanziert wurde der Werbe-Feldzug aus Erlösen der Weinstube. Jetzt wird wieder gebuhlt, allerdings um die Franken – und die Pfälzer stoßen sauer auf. Mehr darüber in der heutigen quer-Sendung (siehe blauer Kreis).

Matthias Bieber

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