Jetzt doch: MVV will Handy-Ticket einführen

+
Bei der Deutschen Bahn ist das Handy-Ticket schon Routine.

München - Das S-Bahn-Ticket auf dem Handy – geht denn das? In München nicht, wohl aber in Augsburg, Nürnberg und vielen anderen Städten. Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) will jetzt schnell nachziehen.

Norbert Specht hat eine Vision: Der Abteilungsleiter Marketing/Tarife beim MVV will das Handy-Ticket für München. Technisch sei das ganz einfach, sagt Specht. Im Internet gibt der Fahrgast seine Kontodaten an, damit der Fahrpreis automatisch abgebucht werden kann. Er lädt die App auf sein Smartphone und ordert in ein paar Schritten die Fahrkarte. Auf dem Display erscheint dann das Ticket mit allen Daten – damit Fälschung ausgeschlossen ist, zusammen mit einem 2D-Barcode. Im Fall einer Schwarzfahrer-Kontrolle hält der Fahrgast sein Display an das Kontrollgerät, das dann den Barcode liest. „Das“, so sagt Specht, „könnte man im MVV-Gebiet relativ schnell einführen“. Spätestens 2013, vielleicht früher.

Doch beim Partner, der städtischen Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), tritt Sprecherin Bettina Hess auf die Bremse. „An der grundsätzlichen Funktionalität besteht kein Zweifel“, sagt Hess. Das Problem seien die Kosten. Sowohl für die technische als auch die finanzielle Abwicklung des Handy-Tickets müssen Anbieter gefunden werden – die natürlich Gebühren verlangen. Die derzeit angebotenen Vertragskonditionen lägen „deutlich“ über der Vorstellung der MVG.

Hinzu kommt: Die MVG hat keine Barcode-tauglichen Prüfgeräte, mit denen die Kontrolleure auf Schwarzfahrerkontrolle gehen könnten. Auch das sind Kosten. Fazit bei der MVG: „Die Wirtschaftlichkeit ist bisher noch nicht gegeben.“

Dass sich München mit dem Handy-Ticket schwer tut, verwundert. Bei der sonst oft schwerfälligen Deutschen Bahn ist der Ticketkauf per Smartphone schon seit Ende 2009 möglich. In 14 Tarif-Regionen – beispielsweise Hamburg, Dresden, Freiburg, Aachen – können zumindest Tageskarten schon per Handy gekauft werden. Die Tarifbünde haben sich in einem Pilotprojekt („Handy-Ticket Deutschland“) zusammengeschlossen. In Augsburg wurden in der kurzen Zeit seit der Einführung im November 2011 schon 800 Kunden fürs Handy-Ticket gewonnen. „Dabei gab es noch gar keine Marketing-Kampagne“, wundert sich Pressesprecherin Katrin Markhof.

Beim Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) läuft schon seit November 2010 der Regelbetrieb. Abteilungsleiter Klaus Dechamps berichtet von 18 000 Kunden. Im Monat kaufen sie für rund 65 000 Euro Tickets. Auch neue Kunden habe der VGN durch das Handy-Ticket gewonnen. Anscheinend ließen sich manche vom Fahrkarten-Automaten abschrecken und seien nur dann zum Umstieg vom Pkw auf die Bahn zu bewegen, wenn sie ihr Ticket per Handy kaufen können.

„Ich hoffe, dass uns spätestens 2013 die Einführung gelingt“, sagt MVV-Mann Norbert Specht. In München soll es zunächst Tageskarten geben – der Kauf von Wochen- oder gar Monatskarten ist branchenweit eher unüblich. Als eine „im Grunde verständliche Forderung“ bezeichnet Specht eine gleitende Geltungsdauer von Wochen- oder Monatskarten, also beispielsweise vom 13. März bis 12. April. Als Papier-Fahrkarte ist das nicht möglich, weil laut MVV viele Kioske, mit denen die DB zusammenarbeitet, veraltete Drucker haben. Aber auf dem Handy? Da ginge das, sagt Specht.

Eine Streifenkarte auf dem Handy soll es indes nicht geben, anders als etwa in Augsburg. Und auch eine Abrechnung über die Telefonrechnung ist nicht möglich. „Das wäre natürlich praktisch, aber die Telefonanbieter lassen sich das teuer bezahlen“, sagt Klaus Dechamps. Nur die Leipziger Verkehrsbetriebe haben sich darauf eingelassen.

Dirk Walter

Auch interessant

Meistgelesen

Mann droht mit Bomben: Großeinsatz in München und Ingolstadt
Mann droht mit Bomben: Großeinsatz in München und Ingolstadt
Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner

Kommentare