Diese Rentnerinnen setzen sich zur Wehr

Sie wimmelten den dreisten Trickbetrüger ab

Beste Freundinnen seit 35 Jahren: Ilse T. (77, re.) half Christa L. (83, li.) gegen den Trick-betrüger Foto: Thieme

München - Die Münchner Rentnerinnen Christa L. (83) und Ilse T. (77) setzen sich gegen einen dreisten Trickbetrüger zur Wehr. Der landete vor Gericht - und muss jetzt in den Knast.

Herrschaftszeiten, da klingelt schon wieder das Telefon! ­Ihre Verwandten hatte Christa L. (83) doch schon diesem zweiten Weihnachtsfeiertag 2012 gesprochen. „Ich bin’s, dein Peter“, sagt der Anrufer. Peter? „Ich kannte niemanden, der so heißt. Seine Stimme kam mir gleich komisch vor, er war so unruhig“, sagt die Seniorin. Aber mei, so san’s halt, die jungen Leit: immer im Stress. Dann wird Christa L. stutzig. „Ich brauche dringend Geld, du musst es mir geben. Ich bin in Schwierigkeiten“, sagt der Anrufer nun fordernder. „Wir haben diskutiert, es wurde lauter, er hat nicht locker gelassen“, erzählt Christa L. vor dem Amtsgericht.

Noch immer sitzt der Seniorin der Schreck in den Gliedern, wenn sie daran denkt, dass ein Enkeltrickbetrüger am Telefon war und sie um ihr Erspartes bringen wollte. Ein Glück: An besagtem Weihnachtstag war ihr liebe Freundin Ilse T. (77) zu Besuch – und riet ihr das einzig Richtige: auflegen! „Das habe ich auch gleich gemacht. Zusammen haben wir den Betrüger abgewimmelt“, sagt sie.

So viel Mut hatten nicht alle Münchner Senioren, die Trickbetrüger Gino P. (23) anrief. Vier Mal versuchte er’s, zwei Mal knöpfte er seinen Opfern Geld ab – in einem Fall sogar 1000 Euro. Dafür muss er nun zwei Jahre in den Knast!

Ein letztes Gespräch mit seiner Verlobten nach Prozessende, danach musste Gino P. (li.) in den Knast

Gino P. ist Wiederholungstäter: Schon mit 18 Jahren begann er seine Betrügereien mit Senioren – seitdem mehr als 20 Mal. Einem Opfer log er vor, dieser habe 600 Euro Rückstände bei den Stadtwerken – Gino solle die Schulden eintreiben. Eine Schule besuchte P. nur sporadisch, zuhause aber studiert er Telefonbücher – markiert die Namen akribisch und legt Listen mit Opfern an, die er in Kategorien wie „behindert“ oder „krank“ einteilt.

Als „besonders perfide“ wertet die Staatsanwaltschaft seine „büromäßig organisierten Taten“, Gino P. sei „unverbesserlich und unbelehrbar“. Er selbst entschuldigt sich: Mit dem Geld wollte er seine Drogensucht finanzieren. Per Telefon­überwachung fliegt er letztlich auf – Angehörige einer Seniorin hatten Anzeige erstattet. So konnte die Polizei Gino P. schnappen!

Enkeltrick: Anstieg um 1000 Prozent, 1 Mio. Schaden

Sie gehen arglos ans Telefon und denken, es ist ein Verwandter – dabei rufen immer öfter Kriminelle an, die Senioren täuschen und an deren Geld kommen wollen. Als Enkeltrick ist diese Masche bekannt – vor allem ältere Menschen werden dadurch heimtückisch getäuscht und geschädigt. Nicht alle Münchner Senioren bringen so viel Mut auf wie Christa L. (83) und legen einfach den Hörer auf – die Dunkelziffer der Opfer ist hoch. Umso alarmierender sind die offiziellen Zahlen: Registrierte die Münchner Polizei 2011 noch 59 Fälle des Enkeltricks mit einem Schaden von 72 000 Euro, stiegen die Zahlen im Jahr darauf sprunghaft an: 2012 gab es 634 Fälle mit einem Gesamtschaden von mehr als einer Million Euro. Ein Anstieg von mehr als 1000 Prozent!

Andreas Thieme

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