Schnee, Frost & Eis: Das Winter-Chaos

+
Achtung, Rutschgefahr! Ob Autofahrer oder Fußgänger – in ganz München schlitterten die Menschen gestern über verschneite, spiegelglatte Straßen.

München - Mega-Staus, gestrichene Flüge, verspätete Busse und Züge: Der Winter hat mit voller Wucht zugeschlagen. Hier lesen Sie, wie schlimm das Chaos am Montag wirklich war - sowie die Wetter-Aussichten für die nächsten Tage.

Spiegelglatte Straßen, heftiger Schneefall: Tief Hanni sorgt für Winterchaos in Bayern!

Lesen Sie auch:

Wintereinbruch: Mehr als hundert Unfälle

So PS-stark ist unser Winterdienst

Schneechaos: Tote bei Unfällen - Flüge fallen aus

Vor allem den Autofahrern hat das Schneechaos Montag morgen schwer zu schaffen gemacht. Auf vielen Bundesstraßen und Autobahnen ging teilweise gar nichts mehr voran, Räum- und Streufahrzeuge waren im Dauereinsatz. Alleine in München krachte es wegen Eis und Schnee in der Nacht von Sonntag auf Montag zwischen Mitternacht und 11 Uhr 110 Mal. Das sind mehr als doppelt so viele Unfälle wie sonst in dieser Zeit!

Besonders schlimm traf es die Autofahrer auf der A 96 in Richtung München. Sie standen zwischen Gilching und Germering über zehn Kilometer im Stau. Ein Autotransporter war auf glatter Fahrbahn ins Schleudern gekommen und quer auf dem Fahrstreifen stehen geblieben, eine Stunde war die Autobahn gesperrt.

Auch auf dem gesamten Mittleren Ring kamen die Autofahrer vor allem zwischen 7 und 9 Uhr nur zäh bis gar nicht voran. Alle Einfallstraßen auf den Ring, wie etwa die Leopold- oder die Landsberger Straße, waren dicht. In der Bad-Schachener-Straße (Ramersdorf) musste ein Brummi-Fahrer sogar Schneeketten aufziehen, nachdem sein Lkw auf der eisglatten Straße liegen geblieben war.

Auch die öffentlichen Verkehrsmittel hatten mit dem Schneechaos zu kämpfen. In ganz München mussten die Fahrgäste zum Teil bis zu 30 Minuten auf Bus und Tram warten – besonders schlimm war es im Berufsverkehr zwischen 6 und 9 Uhr. „Wo die Autos nur im Schneckentempo vorankommen, hängen auch die Busse und Trambahnen fest“, sagte ein SWM-Sprecher. Bis Montag Mittag waren die Winterdienst-Fahrzeuge der Stadtwerke im Dauereinsatz, räumten vereiste Weichen frei und sorgten dafür, dass die Haltestellen angefahren werden können. Wegen des großen Andrangs fuhren auch manche U-Bahnen verspätet – scheinbar waren viele Fahrgäste von Rad oder Auto auf die öffentlichen Verkehrsmittel umgestiegen.

Am Münchner Flughafen fielen am Montag zahlreiche Flüge aus: Bis zum frühen Abend wurden 170 Flüge annulliert, mehr als 200 Flüge verspäteten sich um mehr als eine Stunde. „Die beiden Start- und Landebahnen wurden im Wechsel geräumt, deshalb stand nur die Hälfte der Kapazität zur Verfügung“, sagte Flughafen-Sprecher Peter Prümm. Außerdem mussten alle Flugzeuge enteist werden – dadurch verzögerte sich der Flugverkehr noch weiter.

Auch die Fußgänger schlitterten über eisige Wege. Die Zugänge zum Stachus-Untergeschoss etwa waren am Montag spiegelglatt. „Die Zustände waren katastrophal, auch im Innenbereich war der Boden total rutschig“, erzählt tz-Leser Stefan W. (46). „Die Menschen haben sich wie Hühner auf der Leiter am Geländer runtergehangelt.“

Christina Schmelzer

Tipps für kalte Tage

Tipps für kalte Tage

So wird das Wetter in der Woche

Die Luft klirrt vor Kälte, der Schnee glitzert von den Dächern: Tief Hanni bringt auch weiterhin jede Menge Eis und Kälte nach Bayern. Bei den Frosttemperaturen kommt sogar Meteorologe Karsten Brandt von donnerwetter.de ins Staunen: „So heftige Minusgrade hatten wir Ende November und Anfang Dezember seit 20 Jahren nicht mehr!“

Am Dienstag und Mittwoch macht der Schnee Pause, dafür bleibt es mit minus vier Grad zapfig kalt. Sonne und Wolken wechseln sich ab. In der Nacht auf Donnerstag fallen dann wieder bis zu drei Zentimeter Schnee, der bei Tageshöchstwerten von minus fünf Grad sicher liegen bleibt. Am Freitag schneit es wieder, und das Wochenende wird bei minus 15 in der Nacht und maximal minus vier Grad tagsüber bitterkalt.

Für nächste Woche sind wieder heftige Schneefälle angekündigt. In den Bergen laufen die Vorbereitungen auf die Skisaison auf Hochtouren: Am Wochenende fielen dort schon 30 Zentimeter Neuschnee, die Schneekanonen laufen auf Hochtouren. Am Spitzingsee wird am Samstag die Skisaison am Stümpfling und am Sutten eröffnet. Auf der Zugspitze und in Tirol laufen die Lifte längst. In den Alpen gab es am Wochenende bereits vier Lawinen-Tote. Sogar im Apennin in Mittelitalien wurden zwei Skifahrer von einer Lawine getötet!

Polizei rät: Winterreifen auf alle Autos

Jedes Jahr das gleiche Problem: Beim ersten echten Wintereinbruch benehmen sich viele Autofahrer, als ob sie noch nie Schnee gesehen hätten. Die einen schleichen. Die anderen fahren viel zu schnell. Alles rutscht und schlenkert durch die Gegend. Warum ist das so? Der Chef der Münchner Verkehrspolizei, Johann Gschoßmann, hat eine Vermutung: „Jedes Jahr aufs Neue müssen tausende Fahranfänger erste Erfahrungen auf Schnee und Eis sammeln.“ Auch die ungeübten Verkehrsteilnehmer fühlen sich unsicher und selbst die Geübten müssen sich erst umstellen. „Nach etwa drei Tagen entspannt sich erfahrungsgemäß die Situation.“ Und dann rollt er wieder, der Verkehr. Gschoßmann bittet alle Autofahrer, die Scheiben völlig zu enteisen und den Schnee von Dach und Kühlerhaube zu kehren: „Es geht doch nicht um die 10-Euro-Verwarnung. Es geh um Leben und Gesundheit und um den Versicherungsschutz. Wer den leichtfertig riskiert, bezahlt den eigenen Schaden aus eigener Tasche.“ Das gilt auch für die Reifen: Zugelassen sind nur Winter- oder Allwetterreifen (keine M+S-Reifen!). Und die retten Leben, wie der jüngste Reifen-Test beweist. Bei Tempo 50 auf schneebedeckter Fahrbahn rutschte das Auto mit Sommerreifen 38 Meter weiter, während der Pkw mit Winterreifen schon stand.

DOP

(Bummel-)Bahn: 200 von 230 Zügen verspätet

Verspätungen und Zugausfälle waren am Montag bei der Bahn vor allem in Oberbayern an der Tagesordnung. Alleine zwischen sieben und neun Uhr erreichten rund 200 von 230 Zügen den Hauptbahnhof nur mit (meist allerdings geringer) Verspätung. Elf Züge waren mehr als 60, weitere 18 über 20 Minuten verspätet. Insgesamt zeigte sich die Bahn aber erstaunlich winterfest. Wetterbedingte Störungen machten im Gegensatz zu früher die geringere Ursache aus. Ein Notarzt-Einsatz auf der S-Bahn-Stammstrecke, zwei ausgefallene Stellwerke und ein Pkw auf dem Gleis waren die Hauptursache.

Nach dem letzten Winter-Chaos hatte sich die Bahn in Bayern besonders gerüstet. Der neue Netz-Chef Stefan Kühn hatte im Sommer viele Schwachpunkte ausgemerzt, die Organisation verbessert und beispielsweise 80 zusätzliche Weichenheizungen installieren lassen. Kühn war offenbar erfolgreich: „Am Montag waren nur neun von 9500 Weichen gestört“, sagt ein Bahnsprecher.

Eine davon lag an der S 7, weshalb ab 4.30 Uhr zwischen Wolfratshausen und Ebenhausen-Schäftlarn der Verkehr unterbrochen war.

So richtig „nass nei“ ging es den S-Bahnfahrgästen aber erst gegen 8 Uhr: Am Marienplatz musste der Notarzt eine erkrankte Person im Zug behandeln. 35 Minuten lang ging gar nichts: Der Fahrplan auf der Stammstrecke geriet durcheinander. Verspätungen bis 20 Minuten!

Dann fiel von 10.55 bis 11.20 Uhr auch noch die Stromversorgung der Signalanlagen zwischen Hauptbahnhof und Laim aus, weshalb die Züge nur einzeln auf jeweils mündlich übermitteltem Befehl des Fahrdienstleiters mit Tempo 40 fahren konnten. Folge: Verspätungen bis Nachmittag.

Auf der Strecke Salzburg – München hatten Regional- Fernzüge und der Railjet erspätungen von bis zu 155 Minuten. Grund: Um 4.30 Uhr war erst das Stellwerk Freilassing, dann das von dort ferngesteuerte Stellwerk Teisendorf ausgefallen. Am Nachmittag sorgte dann bei Teisendorf ein Auto im Gleis für Chaos.

K.H. Dix

Drei Unfälle mit Schulbussen

Schreck auf dem Heimweg: Ein Schulbus mit 40 Kindern ist am Montagmittag nahe Gefrees (Kreis Bayreuth) auf schneeglatter Straße von der Fahrbahn abgekommen. Das Fahrzeug rutschte in einen Graben. Alle Schüler seien aber unverletzt geblieben, sagte ein Polizeisprecher in Bayreuth. Für die Kinder seien für die Weiterfahrt in ihre Heimatorte Ersatzbusse organisiert worden.

Auch in Burtenbach (Kreis Günzburg) wurde ein Schulbus in einen Unfall verwickelt. Der Fahrer war, um einem Zusammenprall mit einem Pkw zu vermeiden, in ein Feld ausgewichen. Die 19 Erstklässler im Bus blieben aber glücklicherweise unverletzt.

In Hepberg (Kreis Eichstätt) geriet ein mit 80 Schülern besetzter Bus ins Rutschen und krachte in einen Zaun. Dabei wurden acht Schüler im Alter von sieben bis 15 Jahren leicht verletzt.

Autounfall: Fahrer verbrannt

Bei einem schweren Autounfall bei Marktredwitz ist ein Mensch ums Leben gekommen. Das Opfer verbrannte in seinem Wagen, so dass eine Identifizierung zunächst nicht möglich war. Auch das Geschlecht konnte nach Angaben der Polizei in Kemnath noch nicht festgestellt werden. Der Wagen aus Bayreuth war auf schneebedeckter Straße von der Fahrbahn abgekommen und in das Auto eines 45-Jährigen gerast. Der auf einen Mann zugelassene Wagen ging so schnell in Flammen auf, dass Löschversuche anderer Autofahrer erfolglos waren. Der 45-Jährige blieb unverletzt.

Schneepflug verletzt Frau (28)

In Rickenbach im Alläu hat ein Schneepflug eine 28-jährige Frau aus Lindau erfasst. Nach Angaben der Polizei wurde die Frau am Knie verletzt und in ein Krankenhaus eingeliefert. Gegen den Schneepflugfahrer (25) wurde ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet.

160 Unfälle, 27 Verletzte

Über 160 Schnee- und Eisunfälle meldeten bis Montag Nachmittag die Polizeipräsidien Schwaben Süd/West und Niederbayern. Dabei wurden 27 Personen verletzt – meist glücklicherweise nur leicht Die Schadenssumme schätzt die Polizei auf rund 350 000 Euro.

Auch interessant

Meistgelesen

Kommentare