Die Eltern der verunglückten Neunjährigen sind verzweifelt

„Wir haben keine Sandra mehr“

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Martin B. drückt das Lieblingskuscheltier seiner toten Tochter an sich.

Die Eltern der verunglückten Neunjährigen sind verzweifelt.

Ihr Lieblingskuscheltier war ein rosa Delfin. „Mit dem im Arm ist Sandra abends immer eingeschlafen“, erzählt ihr Vater Martin B. (38). Die neunjährige Grundschülerin stürzte am Dienstagnachmittag in der Kletterhalle „Heaven’s Gate“ 18 Meter in die Tiefe und starb im Krankenhaus (tz berichtete). Der Ausflug war schon lange geplant. Sandras beste Freundin Emilia wollte ihren Geburtstag nachfeiern, deswegen waren die beiden schon seit zehn Uhr morgens gemeinsam mit Emilias Vater unterwegs. Die Kletterhalle sollte der Höhepunkt des Tages werden. Nun sprechen Sandras Eltern in der tz über das schreckliche Ereignis.

Seine Schildmütze hat Hausmeister Martin B. tief ins Gesicht gezogen. Seine Augen sind gerötet. Vom Tod seiner Tochter hat er übers Handy per SMS erfahren. „Wir haben keine Sandra mehr“, hatte ihm seine geschiedene Frau Anneliese geschrieben. Sie hatte ihren Ex-Mann anders nicht erreicht. Für Martin B. war es die schlimmste Nachricht seines Lebens: „Sandras Zeit war noch nicht gekommen, sie war doch erst neun.“ Im Haunerschen Kinderspital nahm er mit der Familie Abschied von dem lebensfrohen Kind, wenige hundert Meter entfernt von der Paracelsus-Klinik, in der Sandra geboren wurde. Das Bild hat sich in sein Gedächtnis eingebrannt.

Zuletzt hat der 38-Jährige seine Sandra vor vier Wochen gesehen, da haben sie gemeinsam vor dem Fernseher gekuschelt. „Sandra war ein Papakind“, erzählt er und zeigt stolz eine Valentinskarte, die er von seiner Tochter bekommen hat. „Alles Liebe, deine Sandra“ steht drin. Seit der Scheidung von Sandras Mutter vor etwa vier Jahren war der Kontakt zu seiner Tochter und zu seinem Sohn Thomas (11) spärlicher geworden.

Vorwürfe wegen der Tragödie macht er niemandem. „Ich hoffe, dass ich mit Emilias Vater reden kann, vielleicht kann ich ihm sogar helfen.“ So bald wie möglich möchte er in die Kletterhalle gehen und Sandras Route nachklettern. Dadurch hofft er, ihr näher zu sein, ihren letzten Tag erleben zu können. Bereits am Mittwoch hat Martin B. die Indooranlage aufgesucht, sich die Stelle genau angeschaut. „Mir ist die Luft weggeblieben, aber ich musste es sehen, damit ich es besser verarbeiten kann.“

Sandra war nicht zum ersten Mal in „Heaven’s Gate“. Vor etwa zwei Monaten hatte ihr Vater einen Ausflug mit den Kindern dorthin gemacht, mit Sandra und Thomas. Allerdings kletterten sie nur an den Ecken, wo sie keine Sicherung gebraucht haben. „Das wurde Sandra schnell langweilig. Sie wollte unbedingt noch höher, noch weiter. Wie ein kleiner Affe war sie, auf alles musste raufgekraxelt werden.“ Damals durfte die Grundschülerin nicht, umso mehr freute sich das Mädchen auf den Ausflug mit Emilia.

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Warum musste Sandra sterben?

Martin B.s Sorge gilt jetzt vor allem Sandras älterem Bruder Thomas: „Die beiden waren ein Herz und eine Seele.“ Dem Buben steht wohl auch ein Umzug bevor. Sandras Mutter Anneliese will aus der Sendlinger Wohnung, in der sie mit ihren Kindern gewohnt hat, raus. Sie erträgt es nicht, in Sandras Zimmer zu gehen. Unterstützung erhält sie von ihrem Bruder Günther H. (44). Zu der Trauer kommen nun auch noch finanzielle Sorgen. „Ich wohne in einer Sozialwohnung, habe wenig Geld. Wir wollen doch jetzt alles richtig machen mit der Beerdigung“, erzählte sie der tz am Telefon. Deswegen hofft Anneliese auf Spenden. Damit ihre Sandra eine würdige Bestattung bekommen kann.

Stefanie Konle

Quelle: tz

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