Rentner protestieren gegen Altersarmut

Wir leben von 6 Euro am Tag

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Gegen Armut im Alter: Münchner Rentner gingen gestern auf die Straße

Elisabeth F. kann nachts kaum schlafen. Immer wieder quält die 61-Jährige aus Unterhaching der gleiche Gedanke: „Wie komme ich diesen Monat über die Runden?“

930 Euro Rente bekommt sie, nach Abzug aller Kosten bleiben 180 Euro – gerade einmal 6 Euro am Tag. „Es reicht!“ sagt sie deshalb und ging am Donnerstag mit anderen Münchner Senioren auf die Straße.

Altersarmut - Rentner demonstrieren

Die Senioren der Gewerkschaft Verdi haben am Donnerstag gegen die deutsche Rentenpolitik demonstriert. Der Protest wendet sich vor allem gegen Rentenkürzungen. Laura Sanna und Philipp-Moritz Jenne berichten.

„Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass durch die sinkenden Real-Renten immer mehr Rentner in die Alters-Armut absinken“, sagt Wilhelm Kling von Verdi. Selbst bei Menschen, die mehr als 40 Jahre geschuftet hätten, läge die Altersrente 2007 im Schnitt bei nur 1143 Euro und damit 50 Euro unter dem Niveau von 2003. Laut Deutschem Gewerkschaftsbund müssen in München 13 500 Menschen über 65 Jahren arbeiten – weil das Geld sonst nicht reicht. Die tz stellt zwei Rentner und ihre Monatsrechnung vor:

Ich kann ganz selten Kleidung kaufen

Rente: 850 Euro, dazu kommen 750 Euro aus der Rente von Ehemann Georgi (66)

Miete: 600 Euro

Strom: 70 Euro

Versicherung: 100 Euro

Benzin: 70 Euro

Lebensmittel: 400 Euro

S-Bahn: 53 Euro (Seniorenmonatskarte)

Medikamente: 50 Euro

Das bleibt übrig: 260 Euro

Das kann ich mir nicht mehr leisten: „Essen gehen. Das letzte Mal waren wir im Februar, aber das war mein Geburtstag, und da waren wir eingeladen. Und neue Anziehsachen gibt es nur ganz selten.“

Davon träume ich: „Ich würde gerne mal wieder ins Nationaltheater, aber das Geld für eine Karte kann ich beim besten Willen nicht abzwacken.“

Brigitte D. (70) aus Poing, Verwaltungsangestellte, Rentnerin seit 1998

Träume von einem Wanderurlaub

Rente: 700 Euro

Miete: 400 Euro (inklusive Nebenkosten)

Essen: 80 Euro

Wäscherei: 20 Euro

Versicherung: 10 Euro

Medikamente: 30 Euro

S-Bahn: 30 Euro

Das bleibt übrig: 130 Euro.

Das kann ich mir gerade noch leisten: „Ein bisschen Kultur. Für eine Veranstaltung in der Max-Emanuel-Brauerei zahle ich 6 oder 7 Euro Eintritt, und da ist schon ein Getränk dabei. Manchmal sind es auch 10 Euro – da leiste ich mir ein zweites Bier.“

Davon träume ich: „Ich würde gerne einmal wieder Urlaub machen. Eine Woche Wandern in den Bergen – damit wäre ich schon zufrieden.“

Franz S. (65) aus München, Bergmann, seit 15 Jahren erwerbsunfähig

Quelle: tz

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