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„Wir liebten beide den gleichen Mann – einen Hochstapler!“

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Zwei Frauen - ein Schicksal: Sabine (re.) und Christine trösten sich gegenseitig.
Zwei Frauen - ein Schicksal: Sabine (re.) und Christine trösten sich gegenseitig. © Mell

Plötzlich standen zwei Polizisten in dem Apartment. Sie hatten mit einem Zweitschlüssel die Tür aufgesperrt.

Arnd A. saß auf dem Bett. Er sah die Beamten – er rührte sich nicht. Er wusste: Es ist vorbei. Für die Frau neben ihm stürzte eine Welt zusammen. Für eine andere Frau, wenige Kilometer entfernt, war sie längst eingestürzt. Arnd A. hatte falsch gespielt, zwei Frauen den Kopf verdreht, sie betrogen und ausgenommen.

Arnd A. ist ein smarter Typ mit braunen, gewellten Haaren. Seinen durchtrainierten Körper kleidet er gern in Designeranzüge. Er liebt teure Autos und schicke Wohnungen – ein Lebemann. Arnd A. ist aber auch ein Mann, der Frauen die Tür aufhält, ihnen rote Rosen schenkt, sie mit Aufmerksamkeit überschüttet – ein Traummann.

Das Geld für das teure Leben verdient sich Arnd A. nicht immer selbst, er leiht sich Geld von den Banken. Er weiß, die Kredite kann er nicht zurückzahlen. Arnd A. wird zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt – wegen Betrugs. Sein Arbeitgeber aber hält zu ihm, er kann als Freigänger weiter bei der Münchner Firma arbeiten.

Dort lernt er im Dezember vergangenen Jahres Sabine D. (Name geändert) kennen. Sie verliebt sich in den Kollegen. Er erwidert ihre Gefühle. Die alleinerziehende Mutter weiß von seiner Verurteilung, nicht aber von den genauen Hintergründen. „Schuld waren angeblich Geschäftspartner“, erzählt die 28-Jährige. Sie streicht ihre Haare aus dem Gesicht, dann sagt sie: „Er sprach von Heirat, von einem gemeinsamen Leben nach seiner Entlassung.“

Damals ahnt Sabine D. nicht, was für ein doppeltes Spiel Arnd A. treibt. Der 41-Jährige hatte auf dem Weg zur Arbeit am Ostbahnhof eine andere Frau kennengelernt. Christine S. (Name geändert) war von dem charmanten Mann hin und weg. „Er fragte mich nach dem Weg und gab mir seine Handynummer.“ Sie ruft an, sie treffen sich, die Krankenschwester verliebt sich. „Er war mein absoluter Traummann“, sagt auch sie. „Es tat so gut, wie er war. Aufmerksam, liebevoll, höflich.“ Nach vielen Jahren fühlt die 26-Jährige sich wieder auf Händen getragen.

Das Doppelleben dauert rund zwei Monate. Arnd A. schwört Sabine seine Liebe, Stunden später nimmt er Christine in den Arm. Die Frauen geben ihm Geld, viele tausend Euro. „Mein Konto mit 580 000 Euro ist noch nicht freigegeben“, sagt er stets. Dann fängt er an zu weinen. „Das konnte er gut. Wurde es kritisch, kullerten die Tränen“, erzählen die Frauen, die den gleichen Mann liebten.

Am 22. Januar taucht Arnd A. ab. Seine Firma hatte ihm gekündigt. Fristlos. Damit ist er den Freigängerstatus los, hätte in den geschlossenen Vollzug der JVA Landsberg müssen. Den beiden Frauen sagt er davon nichts. Er habe Hafturlaub, erzählt er Sabine, seiner Arbeitskollegin.

Dann braucht er ein Auto, er will seine Tochter in Aachen besuchen. Sabine gibt Arnd A. ihren Mitsubishi, sie selbst holt sich einen Mietwagen. Nach zehn Tagen kommt er zurück. Noch in der Nacht schleicht sich der 41-Jährige davon, fährt mit dem Mietwagen weg.

An jenem Morgen bricht für Sabine eine Welt zusammen. Der Mann, den sie liebt, hat sie verlassen. Nach zwei Wochen fordert die Autovermietung mehr als 20 000 Euro für den Leihwagen. Gleichzeitig sucht die Detektei SGMS aus München nach dem Auto. Sie ist spezialisiert auf die Rückführung gestohlener Fahrzeuge und arbeitet international. Einen Monat brauchen die privaten Ermittler, dann finden sie Arnd A. am vergangenen Mittwoch in einem Hotelapartment in Perlach.

Seit jenem Abend liegt auch Christines Zukunft in Trümmern. Sie plante mit Arnd A. ein neues Leben, ihr Traummann hatte bereits die Einrichtung für zehntausende Euro bestellt. „Ich war so glücklich mit ihm“, sagt die 26-Jährige. Dann klopft Sabine an die Tür und nimmt Christine in den Arm. Die Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein – die eine groß, die andere zierlich. Und doch haben sie eine Gemeinsamkeit – sie liebten einen gewissenlosen Hochstapler.

Quelle: tz

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