Pferde rasten über die A 8 – hinten an Bord zwei Damen (83 und 76)

Wir saßen in der Geisterkutsche

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Gestern konnten sie schon wieder lachen: Kutscher Franz Asam mit Frau Anna (re.) und Nachbarin Elisabeth Rieger

Es war ein Höllenritt! Eine Geisterkutsche raste am Sonntag direkt über die A 8 München-Stuttgart.

Zwei durchgegangene Pferden trabten in Panik dahin, der Kutscher war abgeworfen, nur hinten saßen noch zwei ältere Damen – völlig hilflos. Gestern erzählten Kutscher und Kutschgäste von ihrer unglaublichen Fahrt.

Mittwoch, Freitag, Sonntag – immer an diesen drei Tagen spannt Franz Asam (75) seine Pferde Niko und Bettina vor die Kutsche, dann geht es mit Frau Anna (76), mit der er im Weiler Irchenbrunn bei Altomünster (Kreis Dachau) lebt, auf Spazierfahrt. „Die Pferde brauchen Auslauf“, sagt Franz Asam. An diesem Sonntag soll es auf einen Zwei-Stunden-Ritt gehen, die 83-jährige Nachbarin Elisabeth Rieger nehmen die Asams mit.

Und so fahren sie an diesem herrlichen, sonnigen Sonntagmorgen dahin, Franz auf dem Kutschbock, die Frauen dahinter. Bis die Fahrt auf einem Feldweg an der Autobahn plötzlich endet: Baustelle, wegen des A 8-Ausbaus. Asam will wenden, doch es ist zu eng. Ein Vorderreifen rutscht in eine Mulde, der 75-Jährige fällt vom Bock. „Da haben die Pferde angefangen zu laufen.“ Die Damen können nur zuschauen, die Zügel schleifen unerreichbar am Boden.Die Pferde rasen schnurstracks auf die Autobahn, die Kutsche holpert hinterher. Zweieinhalb Kilometer galoppieren sie durch die entgegenkommenden Autos, mal rechts, mal links, dann mitten durch.

„Ich hab gedacht: Jetzt geht’s dahin“, sagt Anna Asam. Die Autos weichen aus. „Gehupt haben sie und geschimpft, aber es ist nichts passiert. Abspringen geht nicht, da kommt man noch unter die Räder und wird mitgeschleift.“ Nachbarin Elisabeth ergänzt: „Da wären wir noch von einem Auto überfahren worden.“Zu dem Zeitpunkt, gegen 9 Uhr, ist die Polizei von Autofahrern bereits informiert worden. „Führerlose Kutsche auf der Autobahn“ lautet die Meldung, die Daniela Yalu (33) und ihr Kollege Gerhard Müller erhalten. Schnell sind sie vor Ort und sehen die Kutsche, die sich am Ende der Fahrt in einer Betonleitwand verhakt hat – ein Pferd wollte links, das andere rechts vorbei. „Die Pferde waren total nervös und schwer zu bändigen“, sagt Yalu. Mehrere pferdekundige Insassen eines Busses, der angehalten hat, helfen, die Tiere zu beruhigen. „Ich habe die beiden Frauen gefragt, was sie da machen, und sie haben gesagt, dass es ihre Pferde sind. Ich habe mich noch gewundert, dass sie so schnell vor Ort waren, und habe erst vom Busfahrer erfahren, dass sie die ganze Fahrt in der Kutsche gesessen sind.“ Vermutlich nur durch die 80- km/h-Beschränkung im Baustellenbereich fuhren die Autos so langsam, dass nichts Schlimmes passiert ist.

Kurz nach der Polizei ist auch Franz Asam an der Kutsche angekommen, er war verzweifelt hinterhergelaufen. „Der wollte mit Pferden und Kutsche gleich weiter, aber das haben wir untersagt“, sagt die Polizistin. Mehr als eine Stunde muss die Autobahn für den Abtransport von Kutsche und Pferden gesperrt werden.

Am Tag danach sind die Asams und ihre Nachbarin schon wieder gut gelaunt. Ausreiten werden sie weiterhin. „Aber nicht mehr auf der Autobahn“, sagt Anna Asam.

Boris Forstner

Quelle: tz

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