„Wir waren bisher viel zu brav“

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Lautstark äußerten die Startbahngegner ihren Unmut über die Entscheidung der Regierung von Oberbayern.

Flughafen - Weil sie nicht angehört werden, haben sich am Freitag rund 300 Startbahngegner vor der Regierung von Oberbayern lautstark Gehör verschafft. Und mit einer Sitzblockade legten sie für eine halbe Stunde die Maximilianstraße lahm.

Immer wieder wurde der Spruch „Startbahn drei - Sauerei“ skandiert, immer wieder ertönten gellende Trillerpfeifenkonzerte. Zu einer Spontan-Demonstration haben sich Aktivisten gegen die dritte Startbahn vor dem Gebäude der Regierung von Oberbayern versammelt, um ihren Unmut darüber kundzutun, dass es trotz 25.000 neuer Einwendungen keine neuerliche Anhörung geben soll.

Auf Transparenten wurde „Schluss mit Basta-Politik“ gefordert, eine Handsirene heulte immer wieder auf. Auf Plakaten wurde die Frage „Näher am Menschen?“ mit „Nie so weit weg wie heute“ beantwortet. 45 Minuten dauerte die Demo vor dem Haupteingang, an deren Ende mehrere „100-Millionen-Scheine“ und auch die „Bürgerbeteiligung“ im „bayerischen Milliardengrab“ verbrannt wurden. Passend dazu hatten sich als Totengräber Kerkloh- und Seehofer- und andere Double eingefunden, um die Kulturstadt Freising zu Grabe zu tragen.

Aufgemuckt-Sprecher Hartmut Binner hatte zuvor angekündigt, dass man den Widerstand gegen die Startbahn „künftig noch wirksamer und grenzwertiger“ organisieren werde, um gehört zu werden. Denn: „Wir waren in unserem Widerstand bisher viel zu brav. Das wollen wir ändern.“ Dieser Ankündigung ließen dann nach Abschluss der Kundgebung vor dem Regierungsgebäude zunächst ein Dutzend Attachinger mit dem Ruf „Auf geht’s!“ und dann rund 150 Demonstranten Taten folgen: Mit einer Sitzblockade auf der Maximilianstraße legten sie für rund 30 Minuten den Verkehr lahm. Autofahrer konnten zwar noch umkehren, wurden auch von der Polizei schon vorab umgeleitet, eine Trambahn musste allerdings warten, bis sich die Demonstranten auf ganz sanften Druck der Polizei hin erhoben und die Straße wieder freigaben.

Sprachrohr des Ärgers über die Entscheidung der Regierung von Oberbayern war gestern vor allem der Freisinger Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz, Christian Magerl: Die Regierung, so schimpfte er, lege beim derzeit größten Verwaltungsverfahren, das in Deutschland laufe, eine „Überheblichkeit“ an den Tag, „die durch nichts zu überbieten ist“. Denn es gebe durchaus neue Erkenntnisse und neue Argumente seit der ersten Runde im Planfeststellungsverfahren. Dass die Regierung trotzdem keine Erörterungstermine anberaumt habe, sei „ein Saustall“, wütete Magerl.

Was ihn besonders wütend mache (und die 300 Demonstranten gleich mit), sei die Tatsache, wie „schlampig“ die Regierung prüfe und arbeite: Den „Freud’schen“ Verschreiber der FMG in einer Stellungnahme, in der bereits von einem „planfestgestellten Vorhaben“ die Rede gewesen sei, habe die Regierung durchgehen lassen. Magerl: „Ich habe das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Regierung endgültig verloren.“ Kurz und bündig auch das Urteil vom Freisinger Landtagsabgeordneten der Freien Wähler, Manfred Pointner: „Sauerei“, so rief er ins Mikro - und der zustimmende Lärm aus 300 Trillerpfeifen schallte ihm entgegen. zz

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