Ab morgen steht der Bär ausgestopft im Schloss Nymphenburg

„Wir wollen nicht zum Bruno-Museum werden“

Der Tierpräparator Dieter Schön gibt Braunbär Bruno den letzten Schliff.

Morgen ist es soweit: Bär Bruno ist ausgestopft im Museum Mensch und Natur im Schloss Nymphenburg zu sehen.

Die tz sprach mit Dr. Michael Apel, Chef des Museums, über die bevorstehende Präsentation des 2006 in Bayern getöteten Braunbären:

Herr Dr. Apel, ab morgen zeigt Ihr Museum den berühmt-berüchtigten Braunbären „Bruno“– ausgestopft. Es bahnt sich ein großer Rummel an. Überrascht Sie das?Dr. Michael Apel: Es überrascht mich schon, dass das Thema fast zwei Jahre nach den Ereignissen immer noch so hohe Wellen schlägt. Wie viel Besucher uns Bruno zusätzlich bringt, kann ich nicht voraussagen. Bislang haben wir etwas mehr als 200 000 Besucher im Jahr. In Ferienzeiten und an Wochenenden kommen bis zu 3000 Besucher täglich. Ich gehe davon aus, dass uns der Bär einen kurzzeitigen Anstieg beschert.

Wie sind Sie eigentlich an dieses berühmte Ausstellungsstück gekommen?Thema unseres staatlichen Museums ist das Verhältnis von Mensch und Natur. Die Ereignisse um den Braunbären Bruno im Sommer 2006 bezeichnen eine klassische Konfliktsituation. Das Museum reicht von der Entstehung des Lebens bis zur Frage, wie der Mensch mit den natürlichen Ressourcen umgeht. Bei uns ist auch der bis Bruno letzte Braunbär, der 1835 bei Ruhpolding geschossen wurde, in der Ausstellung. So war es naheliegend, die Situation um Bruno zu erläutern und auf die allgemeine Problematik der Rückkehr großer Wildtiere hinzuweisen. Wir wollen auch deutlich machen, dass es erstrebenswert ist, wenn solche Tiere bei uns eine Heimat finden. Dass das nicht unmöglich ist, und dass man dafür auch etwas tun muss.

Als Bruno im Juni 2006 geschossen wurde, sind die Emotionen bundesweit sehr hoch gegangen. Der Umweltminister bekam monatelang Drohbriefe. Fürchten Sie nicht, dass sich diese Aufregung bei Ihnen im Hause wiederholen könnte?Wir rechnen schon damit, dass die Emotionen wieder hoch gehen. Das ist bei diesem Thema fast selbstverständlich. Angst vor irgendwelchen fürchterlichen Dingen haben wir aber nicht. Auch diejenigen, die emotional von diesem Fall sehr bewegt sind, werden sehen, dass wir hier im Museum nicht den Abschuss beschlossen haben. Wir werden in der Ausstellung nicht einseitig eine Position beziehen, sondern die ganze Geschichte möglichst neutral behandeln. Die Besucher sollen auch die Möglichkeit haben, ihre Meinung auf einer Feedback-Tafel kund zu tun. Wir rechnen schon mit Reaktionen. So ist vor dem Museum eine Mahnwache angekündigt. Aber ich sehe das gelassen.

Das Ausstellungsstück soll ja gut geschützt sein…Ich rechne nicht mit Vandalismus oder Ähnlichem. Sollte es doch auftreten, werden wir Null Toleranz zeigen, und nicht zögern, solche Leute selbst oder mit der Polizei hinauszuwerfen. Aber ich glaube, dass auch diejenigen, die mit dem Abschuss und auch mit der Ausstellung des Bären nicht einverstanden sind, doch einsehen, dass wir dies nicht aus billigen kommerziellen Gründen tun, sondern versuchen, gewisse Inhalte zu transportieren. Wir müssen dafür sorgen, dass große Wildtiere bei uns wieder eine Heimat finden. Ich hoffe, dass das Thema auch nicht vom Tisch ist, wenn „Bruno“ in Vergessenheit geraten ist.

Und wenn jemand nur zu Bruno pilgern will...?Dann ist er auch willkommen. Natürlich geht es uns auch darum, neue Besucher anzulocken. Aber wir möchten am Ende nicht das „Bruno-Museum“ sein.

Quelle: tz

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