Interview mit Jessica Dillinger (26)

Wird eine Münchnerin die neue Bierkönigin?

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Keine Mass, sondern den von ihr selbst gemachten Bierlikör hält Jessica Dillinger hier in der Hand.

Jessica Dillinger (26) aus Feldmoching könnte als erste Vertreterin aus der Landeshauptstadt den Thron erklimmen.

München - Drei Münchnerinnen sind heuer im Finale der Wahl zur Bierkönigin 2017. Eine von ihnen ist Jessica Dillinger aus Feldmoching. Die 26-Jährige studiert Medien- und Kommunikationsmanagement, hat hobbymäßig auch schon eigene Dirndl genäht. Mit uns sprach sie über ihre Leidenschaft für bayerisches Bier und ihren Griff nach der Hopfenkrone.

Warum wollen Sie Bierkönigin werden?

Weil Bier mich begeistert. Letztes Jahr habe ich einen Braukurs gemacht, um zu schauen, wie es eigentlich hergestellt wird, und was alles dahintersteckt. Mir ist aufgefallen, dass die Bierbranche noch immer eher die Männer anspricht. Die Frauen werden vom Bier nicht so richtig angesprochen. Wenn du auf Partys bist, trinken viele eher Wein oder Sekt. Das kann ja wohl nicht sein! Es gibt für jeden Typ das richtige Bier. Es gibt ja wirklich viel Auswahl – und es schmeckt ja auch nicht jedem derselbe Wein.

Woran liegt das mit der alkoholischen Geschlechtertrennung Ihrer Meinung nach?

Ich habe keine Ahnung, ehrlich gesagt. Vielleicht, weil das Bier etwas herber ist und nicht so süßlich. Und weil es im Grunde schon seit den Mönchen als männliches Gesöff beworben wird. Im Mittelalter waren übrigens die Frauen für’s Bierbrauen zuständig. Das war damals eine Mitgift. Jede Frau musste ihre Brauanlage mit in die Ehe bringen. Aber dann kamen die Mönche und haben’s verkackt! (lacht)

Was wären denn Ihre Aufgaben als Bierkönigin?

Den Bayerischen Brauerbund und somit auch das bayerische Bier im In- und Ausland auf Veranstaltungen zu vertreten. Und anzupreisen, wie toll unser bayerisches Bier ist. Dann gibt es auch auf Volksfesten den einen oder anderen Anstich. Im Prinzip geht es darum, das Bier an den Mann zu bringen – und natürlich auch an die Frau.

Was qualifiziert Sie als Bierkönigin?

Ich kenne mich mit Bier aus. Ich probiere auch gerne neue Sorten aus und mag es, sie zu verköstigen. Außerdem lese ich in meiner Freizeit oft Biermagazine. Es ist superinteressant, was in diesen Bier-Zeitschriften so drin steht. Ich habe auch kein Problem, offen auf neue Leute zuzugehen und mit ihnen zu ratschen. Das ist wahrscheinlich auch nicht das Schlechteste, was man als Bierkönigin mitbringen kann.

Wie hat die Faszination für den Gerstensaft bei Ihnen begonnen?

In Bayern ist Bier im Alltag ja sowieso viel vertreten. Wir haben hier einmal im Jahr die Sonnenwendfeier und den Dorfabend, also die ganzen traditionellen Feste in Feldmoching. Da hat man schon immer sein Helles getrunken. Das gehört dazu. Bei mir ging es aber erst richtig vor ein paar Jahren los. Da nahm mich ein Freund auf der Wiesn mit zum Weißbierkarussell und meinte: Wie, du hast noch nie Weißbier getrunken? Bis jetzt noch nicht, musste ich leider gestehen. Dann habe ich es probiert, und es war eine echte Geschmacksexplosion.

Welches Bier würden Sie den Sekt-Frauen, die Sie vorhin erwähnten, zum Einstieg empfehlen?

Am ehesten ein Ipa, also ein Indian Pale Ale. Das ist sehr stark gehopft, und wenn man so ins Glas hineinriecht, duftet es nach Blumen. Das ist etwas ganz anderes. Kürzlich habe ich noch etwas ausprobiert. Und zwar habe ich aus einem Aventinus Eisbock mit 13 Prozent einen Likör gemacht. Der kommt bisher gut an.

Den Likör haben Sie selbst gemacht? Wie denn?

Man kocht den Aventinus nicht, sondern erhitzt ihn nur bei 60, 70 Grad. Dann kommt Zucker rein, eine Vanilleschote und ein bisschen Schnaps – damit er noch etwas härter wird (lacht). Und dann kann man’s auch schon trinken – warm und kalt.

Wie läuft der Wettbewerb bisher für Sie?

Das Stimmensammeln ist nicht so einfach, gerade in München. Ich glaube, deswegen ist auch noch keine Münchnerin Bierkönigin geworden. Weil es doch relativ groß und anonym ist – und wir haben hier so viele tolle andere Sachen, dass wir nicht unbedingt eine Bierkönigin stellen müssen. Wenn aber jemand aus einem kleineren Dörfchen kommt, sagen die Leute: Da können wir die Gemeinde pushen und für uns richtig was erreichen, deshalb stimmen wir alle ab. Das in München hinzubekommen, ist schwer. Das Abstimmungsverfahren ist außerdem richtig kompliziert inzwischen, finde ich.

Woran liegt das?

Letztes Jahr gab es Versuche, die Onlinewahl zu hacken. Jetzt ist dort ein Captcha-Programm installiert, mit dem man nachweisen muss, dass man kein Roboter ist. Das heißt, ich muss zuerst abstimmen, dann das Captcha machen, dann die E-Mail-Adresse bestätigen. Dann erhält man eine E-Mail, die von „Polldaddy“ ist – da denkt dann auch jeder: Was ist das für ein Spam? Diese Mail landet tatsächlich auch oft im Spam-Ordner. Dort muss man dann noch einmal bestätigen und erneut zur Sicherheit etwas eingeben. Es ist wirklich nicht gerade einfach.

Wie würden Sie feiern, falls Sie im Mai den Bierthron besteigen?

Sowieso würde ich dann das ganze Jahr feiern. Vielleicht würde ich auch hier im Dorf etwas machen. Ich würde mir zum Beispiel zusammen mit dem Burschenverein etwas Nettes für Feldmoching überlegen.

Wahl der Bierkönigin: Wer sich an der Wahl beteiligen will, kann seine Stimme im Internet abgeben auf www.bayerisch-bier.de.

Das Interview führte Marian Meidel

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