Kneipen-Fußballnachmittag in Gefahr

Wirte organisieren Aufstand gegen Sky

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Hat ihr Sky-Abo gekündigt: Doro Wirth, die Wirtin des „Balan“ in Haidhausen.

Für viele Fans gehört er zum Samstag einfach dazu: der Fußballnachmittag in der Kneipe. Doch die Tradition ist in Gefahr. Weil der Bezahlsender Sky die Abopreise für Kneipen erhöht, wollen viele Wirte kündigen. Eine Schwabingerin organisiert sogar gebündelten Widerstand.

Doro Wirth war von Anfang an misstrauisch. Vor ein paar Wochen flatterte der Wirtin der Haidhauser Bar „Balan“ ein Brief in den Postkasten. Er kam vom Bezahlsender Sky, es ging um eine Änderung der AGBs. Keine große Sache, Firmen feilen schon mal an ihren Geschäftsbedingungen. „Es ging um einer Änderung der Kündigungsfrist, die nun schon bei einer Gebührenerhöhung von fünf Prozent möglich sei“, sagt Doro Wirth. Sie vermutete, dass der dicke Brocken noch kommen würde. Und er kam. Mit einem weiteren Brief, eine Woche später. Sky erhöhte die Gebühren für das Abo. Und zwar nicht um fünf Prozent, sondern um saftige 49 Prozent. „Ich sollte auf einen Schlag statt 300 Euro 449 zahlen“, sagt Wirth. Pro Monat. Viel zu viel für ihre kleine Kneipe. Sie kündigte.

So wie ihr geht es momentan vielen Gaststättenbesitzern in München. Sky Deutschland nutzt seine Monopolstellung und zieht die Preise wieder einmal massiv an. Manche Wirte wie Werner Ostheimer vermuten dahinter Taktik. Er glaubt, Sky wolle statt Gaststätten mit Sky-Abo viel lieber Einzelpersonen mit Sky-Abo. „Davon gibt es ja auch mehr.“ Ostheimer ist Chef des Sendlinger Gasthauses „Spektakel“. Er sagt, er habe für sein Sky-Abo Anfang 2012 190 Euro im Monat bezahlt, zuletzt waren es schon 380 Euro. Vor kurzem erhielt auch er einen Brief. „Jetzt soll ich 579 Euro zahlen“. Ostheimer sagt, er wird diese Gebühr nicht auf seine Kunden umwälzen. Stattdessen überlegt er sich zusammen mit seinem Stammtisch gerade ein alternatives Finanzierungsmodel. „Der Stammtisch legt die Differenz zu dem neuen Preis aus eigener Tasche drauf.“ Dafür, so Wirt Ostheimer, wollen sie ihre privaten Sky-Abos kündigen. Ob das tatsächlich so funktioniert, wisse er nicht. Die Alternative für ihn: das Sky-Abo für seine Gaststätte kündigen.

Eine ganz andere Taktik wählte Sonja Pintaric, die Wirtin der „Clemensburg“ in Schwabing. Nachdem Pintaric ebenfalls einen Brief mit der Erhöhung erhalten hatte, reichte es ihr. Sie sagt, Sky erhöhe praktisch jedes Jahr massiv seine Preise, irgendwann müsse Schluss sein. Sie setzte sich auf ihr Rad und klapperte 32 Kneipen in ihrer Nachbarschaft ab. „Insgesamt sind wir jetzt elf Wirte, die gemeinschaftlich ihr Abo gekündigt haben“, sagt sie. Auch sie glaubt, dass Sky nun verstärkt Abos an Privatleute verkaufen will. Denn könnten die Gäste ihre Spiele nicht mehr in der Kneipe sehen, holten sie sich Sky vielleicht ins eigene Wohnzimmer. Sonja Pintaric hat jedoch immer noch die Hoffnung, dass Sky vielleicht doch noch einlenkt und die Erhöhung zurücknimmt.

Wir fragten bei Sky, Deutschland, das seinen Sitz in München hat, nach dem Grund für die massive Preiserhöhung für Kneipenabos. Dort sagte man uns: „Aufgrund der sich verändernden Lizenzkosten für Programminhalte und weiterer Kosten müssen wir unsere Preise in regelmäßigen Zeitabständen überprüfen und anpassen.“ Das mache auch in diesem Jahr „eine Anpassung“ notwendig. Soll heißen: Sky sei praktisch selbst nur Getriebener und gebe gestiegene Preis weiter. Einer Unternehmenssprecherin zufolge werden die Abos im Schnitt nun um 30 Prozent teurer.

Der seit Jahren defizitäre Pay-TV Sender veröffentlichte vor Kurzem seine Geschäftszahlen. Demnach hat das Unternehmen in Deutschland an Kundschaft sogar zugelegt. Die Zahl der Abonnenten wuchs zwischen April und Juni unter dem Strich um 82 000 auf nun gut 3,8 Millionen zahlende Nutzer. Die Erlöse kletterten um 14 Prozent auf 428 Millionen Euro. Unter dem Strich reichte es aber wieder nicht für schwarze Zahlen: Insgesamt machte Sky einen Verlust von 2,5 Millionen Euro.

Für Doro Wirth aus dem „Balan“ ist das reine Ironie. Nachdem sie ihr Abo schriftlich kündigte, erhielt sie einen Anruf aus der Marketingabteilung des Unternehmens. „Die erteilten mir Ratschläge, wie ich meinen Laden besser führen könnte.“

Von Patrick Wehner

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