Wirtin von der Schoppenstube

Gerti: So einfach gehe ich nicht

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Wirtin Gerti Guhl in der Fraunhofer Schoppenstube – mit der Glocke verschafft sie sich Gehör.

München - Adventszeit, staade Zeit – in der Fraunhofer Schoppenstube aber stehen die Zeichen auf Sturm. Die Kündigung für die Kult-Kneipe liegt auf dem Tisch. In 31 Tagen soll Schluss sein.

Die Stammgäste fragen sich jetzt, wie es weitergeht. Was hat Schlichter OB Christian Ude erreicht? Was macht Wirtin Gerti (64)? Die tz hat nachgefragt. So viel vorweg: Gerti will bis zum bitteren Ende kämpfen!

Im Juli 2012 hatte der Oberbürgermeister bei einem Besuch in der Schoppenstube verkündet, er wolle mit den Vermietern verhandeln und sich unter anderem um eine Fristverlängerung bemühen. Was ist daraus geworden? „Ich habe mich mit den Anwälten von beiden Seiten zusammengesetzt – und wir haben ein Vergleichsmodell erarbeitet und dies der Wirtin in schriftlicher Form vorgelegt“, sagt Ude. Das Angebot: Gerti könnte ein halbes Jahr länger in der Schoppenstube bleiben – müsste dann aber ohne Murren ausziehen.

Dieses Angebot liegt der Wirtin, die das Lokal schon seit fast 40 Jahren betreibt, offenbar schon länger vor. Aber Gerti sagt: „So einfach gehe ich nicht!“ Sie hat das Angebot nicht angenommen. „Ich unterschreibe doch nicht mein eigenes Todesurteil. Ich bin entschlossen, weiter zu kämpfen. Mein erstes Ziel bleibt immer noch, bis zum Jahresende persönlich mit den Vermietern zu sprechen. Ich will sie überzeugen, bis 2014 weitermachen zu dürfen. Dann gehe ich in Rente!“

Gerti sucht mittlerweile aber parallel auch nach einer neuen Immobilie für ihr Lokal. „Ich bräuchte etwas zwischen 60 und 80 Quadratmetern und wieder in der Isarvorstadt. Das Flair von diesem Viertel soll schließlich erhalten bleiben.“ Wenn sie ein neues Lokal gefunden habe, werde sie sofort ausziehen. „Ich will ja keinen Ärger. Aber was bringt mir denn die Frist von einem halben Jahr, wenn ich vielleicht erst Ende 2013 eine neue Bleibe finde? Dann stehe ich mit meinen Möbeln auf der Straße. Mir bleibt keine andere Wahl, als weiterzukämpfen.“

Jetzt bleibt die große Frage: Was passiert, wenn Ende des Jahres noch keine neue Immobilie gefunden ist und die Vermieter nicht bis 2014 verlängern wollen? Gerti mag daran noch nicht denken. „Das sehe ich dann am 31. Dezember.“ Wer die Wirtin kennt, weiß aber, dass sie wohl auch dann nicht freiwillig rausgeht …

Nina Bautz

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