Waleri Gergijew

Pro-Homo-Demo gegen Chefdirigent für München

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Ein als Putin (r) verkleideter Demonstrant steht am Donnerstag vor der Philharmonie in München neben einem als Gergijew verkleideten Demonstranten. Zusammen protestieren die beiden mit zahlreichen Menschen gegen das Konzert des russischen Dirigenten Gergijew und die Anti-Schwulen-Politik Putins.

München - Die Stadt München will an dem künftigen Chefdirigenten der Philharmoniker, Waleri Gergijew, festhalten - auch wenn die Kritik an ihm nicht abreißt. Homo-Aktivisten demonstrierten gegen den Musiker.

Die Stadt München hält an dem umstrittenen russischen Dirigenten Waleri Gergijew als künftigem Chef der Münchner Philharmoniker fest. Kulturreferent Hans-Georg Küppers sagte am Rande einer Stadtratssitzung am Mittwoch, er sehe nach Gergijews Klarstellungen „absolut keinen Grund, den Vertrag nicht einzuhalten“.

Unterdessen demonstrierten mehrere hundert Aktivisten am Mittwochabend vor der Münchner Philharmonie gegen die repressive Homosexuellenpolitik des russischen Präsidenten Wladimir Putin.  Anlass der Kundgebung war ein Konzert Gergijews, der als enger Vertrauter Putins gilt. Auf Transparenten forderten die Demonstranten unter anderem: „Keine falschen Töne gegen Lesben, Schwule und Transgender.“

Gergijew für Anti-Diskriminierungsrichtlinien

Gergijew selbst versicherte in einem Brief an Küppers, sich an die Anti-Diskriminierungsrichtlinien der Stadt zu halten. „Ich unterstütze diese Haltung der Stadt München voll und ganz“, schrieb er nach Angaben des Kulturreferates. „In meinem ganzen Berufsleben als Künstler habe ich überall auf der Welt nach diesen Grundsätzen gehandelt und werde es auch in Zukunft tun. Alle anderen Unterstellungen treffen mich sehr.“

Gergijew bezog sich dabei auf Äußerungen Küppers' in einer gemeinsamen Pressekonferenz am Dienstagabend. Dort hatte der SPD-Politiker betont: „Für die Stadt München gilt, dass jede Ausgrenzung, Benachteiligung oder Belästigung von Menschen aufgrund Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe, Religion, Behinderung oder sexueller Identität unterbleibt.“

Ude zu "unglücklichen" Aussagen

Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) erklärte im Stadtrat, er halte die „missverständlichen“ und „unglücklichen“ Äußerungen Gergijews gegen Homosexuelle im Wesentlichen für ausgeräumt.  Die städtischen Antidiskriminierungsgrundsätze seien für alle Mitarbeiter verbindlich. Diese „Null-Toleranz“-Politik gelte auch für Gergijew, sagte Ude in der Debatte über einen Dringlichkeitsantrag von ÖDP, Freien Wählern und Bayernpartei.

Thomas Niederbühl, Stadtrat der schwul-lesbischen Wählerinitiative Rosa Liste, warnte davor, die Sache zu verharmlosen. In Gergijews Äußerungen auf einer Pressekonferenz am Dienstag spiegele sich genau jene Propaganda, die unter dem Vorwand des Kinderschutzes Hass auf Homosexuelle schüre. Gergijews zum Teil ausweichende Einlassungen seien „sehr, sehr unbefriedigend“. Eigentlich habe der Maestro „eine Abmahnung verdient“.

Der renommierte Dirigent und Chef des St. Petersburger Mariinski-Theaters soll 2015 Chefdirigent der Münchner Philharmoniker werden.  Er hatte sich am Dienstag von angeblichen Äußerungen gegen Homosexuelle distanziert und den Vorwurf zurückgewiesen, er habe Homosexualität und Pädophilie gleichsetzt. Zu dem umstrittenen Anti-Schwulen-Gesetz in seiner russischen Heimat äußerte er sich nicht konkret. Stattdessen lobte er die Kulturpolitik Putins.

dpa

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