Irre Wette um Münchner Laden

WM-Aus: Dieser Engländer verliert jetzt sein Geschäft

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Mit Spezl Heinrich van Rensburg (r.) hat Gary Plank darum gewettet, ob England Weltmeister wird.

München - Krasse WM-Aktion: "Ich habe gewettet, dass England Weltmeister wird. Wenn sie es nicht schaffen, verliere ich mein Lebensmittelgeschäft", sagt Engländer Gary aus Haidhausen. Das ist nun der Fall.

Es ist die 31. Minute im Spiel England gegen Uruguay. Freistoß von links: Englands Kapitän Steven Gerrard schlägt den Ball hoch in den Strafraum – am zweiten Pfosten steht Star-Stürmer Wayne Rooney, er muss den Ball nur noch ins Tor nicken. Was für eine Chance! Aber sein Kopfball trifft nur die Latte. Wieder kein Tor für England – und in der Rosenheimer Straße schlägt Ladenbesitzer Gary Plank (39) verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammen!

„Ich habe gewettet, dass England Weltmeister wird. Wenn sie es nicht schaffen, verliere ich mein Lebensmittelgeschäft“, sagt Gary.

Hoch gepokert — und viel verloren ... Das 0:1 Italiens am Freitag gegen Fußball-Zwerg Costa Rica besiegelte das Aus für die englische Nationalmannschaft in Brasilien. Und auch das Aus für Gary in seinem wunderschönen Laden ... Was für ein Drama!  

WM-Ticker: Costa Rica schockt Italien, England raus!

Doch der Engländer aus Haidhausen ist ungebrochen in seiner glühenden Anhängerschaft für sein Team. „Es ist furchtbar traurig, dass wir nicht weiter im Turnier spielen, und dass wir nicht Weltmeister werden. Dieser Schmerz überwiegt auch meine Trauer über meinen verlorenen Laden.“

Der Vertrag ist schon vorbereitet: Hier ist schriftlich festgehalten, was passiert, wenn England nicht Weltmeister wird. Hier klicken, um zu vergrößern.

Seit fünf Jahren führt Gary den Laden British Allsorts in der Rosenheimer Straße 161, wo man allerlei britische Leckereien kaufen kann. „Der Laden geht jetzt automatisch in den Besitz meines Spezls Heinrich über – und ich kriege keinen Cent“, sagt Gary. Die Verträge hatten die beiden bereits vor den ersten Spielen aufgesetzt, der Vermieter hat der Wette sogar zugestimmt. Bis zum Sommer 2019 muss Gary jetzt seinen Laden an seinen Freund abgeben!

Die irre Wette um seinen Laden: Der Plan entstand beim WM-Eröffnungsspiel am 12. Juni. „Da sagte mein Spezl Heinrich: Ihr Engländer habt doch keine Chance, ihr werdet niemals Weltmeister.“

Das wollte der stolze Brite nicht auf sich sitzen lassen und wettet dagegen – ausgerechnet um seinen wertvollsten Besitz. „Anderseits hätte ich auch 50 000 Euro gewinnen können“, sagt Gary. „Diese Summe hätte mir mein Spezl zahlen müssen, wenn England das Turnier gewonnen hätte. Es ist der halbe Wert meines Geschäfts.“

Doch Gary ist ein Kämpfer. Er will jetzt erst mal einen längeren Urlaub machen und danach irgendwann vielleicht einen Pub auf. Dort wird er wieder Freunde finden. Denn wie heißt es in der englischen Fußball-Hymne: „You‘ll Never Walk Alone“.

So verrückt sind Sportwetten

Wetten, dass es nichts gibt, worauf nicht schon gewettet wurde? Gerade im Sport geben die Bieter immer mehr Geld aus, um auf spektakuläre Ergebnisse oder unvorhergesehene Ereignisse bei Spielen oder Turnieren zu setzen. „Sieben Milliarden Euro investieren die Deutschen jedes Jahr in Sportwetten“, sagt Markus Maul, Präsident des Verbands europäischer Wettunternehmer.

Und die Beispiele werden immer verrückter! Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 nahm ein Anbieter zum Beispiel die Wette an, dass Deutschland im Finale Italien schlägt und der damalige Papst Josef Ratzinger die Hymne We are the Champions auf dem Petersplatz im Rom singt (Quote: 2000 zu 1). Zwei Jahre zuvor konnte man bei der Europameisterschaft darauf wetten, dass Deutschland im Finale Spanien schlägt und die Lokale am Ballermann einen Tag lang Freibier gewähren (Quote: 150 zu 1). Zu gleicher Quote war auch die Wette möglich, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Niederlage der Nationalmannschaft gegen Österreich sofort zurücktritt. Witzig auch die Wette, dass es bei einem WM-Spiel schneit (Quote: 10 zu 1) – denn das war zuletzt 1930 im Gastgeberland Uruguay der Fall. Auch Spieler und Trainer wetten selbst – nicht auf Ergebnisse (das ist verboten), sondern auf lustige Aktionen. So versprach Diego Maradona 2010, dass er im Falle des WM-Titelgewinns nackt durch Buenos Aires läuft. Aber daraus wurde nichts: Deutschland schlug Argentinien im Viertelfinale mit 4:0. Und Maradona weinte…

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Andreas Thieme

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