Woher kommen diese Risse im Untergrund?

+
Die U-Bahn fährt meist unterm Grundwasserspiegel, deshalb muss der Beton dicht sein

München - Ein Riss, ein Loch, ein Leck! Beim Versuch, in der östliche U-Bahnröhre zwischen Hauptbahnhof und Sendlinger Tor den schadhaften Beton zu sanieren, kam es in der Nacht zum Montag zu einem dramatischen Zwischenfall.

Lesen Sie auch:

Wasseralarm: U-Bahn gesperrt

Plötzlich brach Wasser ein! Gegen 2.16 Uhr alarmierte die U-Bahn-Leitstelle die Feuerwehr. Um 4.44 Uhr mussten die Kräfte noch einmal ausrücken, angeblich nur aus „Sicherheitsgründen“.

Ende 2009 waren nach Mitteilung der Münchner Verkehrsgesellschaft bei einer Überprüfung der Tunnel schadhafte Stellen in den Betonwänden festgestellt worden, durch die das Grundwasser eindringt. „Risse in U-Bahn-Tunneln sind nichts Ungewöhnliches“, betont MVG-Sprecher Christian Miehling. „Sie entstehen schon in der Bauphase.“

Kein Fall von Pfusch also. Und auch keine Gefahr für die Fahrgäste: „Ein Sachverständigengutachten ergab seinerzeit, dass diese Risse keinen Einfluss auf die Standsicherheit und Gebrauchsfähigkeit der Tunnelröhren in diesem Abschnitt haben, weshalb keine Gefährdung für den U-Bahnbetrieb besteht.“

Das eindringende Wasser führt allerdings zu größeren Schäden, deshalb müssen die Risse abgedichtet werden. Dazu werden die Risse angebohrt. Durch die Löcher wird mit hohem Druck ein Abdichtungsmittel (meist Epoxydharz) hineingepresst. Diese Arbeiten, so Miehling, werden vorzugsweise in der kalten Jahreszeit durchgeführt, weil sich bei tiefen Temperaturen die Risse etwas weiter öffnen.

Warum es in der Nacht zum Montag beim Anbohren eines Risses zu einem Wassereinbruch kam, ist bislang nicht geklärt. Das Leck sei nicht so dramatisch gewesen, beschwichtigt Miehling. „Ähnlich dem Strahl aus einem Gartenschlauch“ sei das Wasser aus der Wand gedrungen. „Die Menge des Wassereintritts lag zu keinem Zeitpunkt in einer Größenordnung, die zu einem Wasserstau in der U-Bahn geführt hätte.“

Der Betrieb konnte dennoch nicht aufgenommen werden. Erst musste ein Experte den Schaden begutachten. Dann wurde das Leck provisorisch abgedichtet, ehe gegen 9.15 Uhr die ersten Züge durch die Röhre rollen konnten.

Wie geht es weiter? Miehling: „In der kommenden Nacht wird der Gutachter mit Spezialgeräten die Schadstelle eingehender untersuchen.“

Eberhard Unfried

auch interessant

Meistgelesen

Große Einkommens-Liste zum Vergleichen: So verdient München
Große Einkommens-Liste zum Vergleichen: So verdient München
Großeinsatz in Flüchtlingsunterkunft am OEZ
Großeinsatz in Flüchtlingsunterkunft am OEZ
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
20 Jugendliche attackieren Männer am Flaucher mit Messer
20 Jugendliche attackieren Männer am Flaucher mit Messer

Kommentare