Es war einst ein Klosterbruder

Woher kommt eigentlich das Münchner Kindl?

München - Es ist das wohl reizendste Wahrzeichen unserer Stadt: das Münchner Kindl. Man sieht es überall – das kann auf einer Trambahn genau so sein wie auf einem Bierkrug. Woher kommt es eigentlich?

Der Mönch mit goldgeränderter schwarzer Kutte ziert seit dem 13. Jahrhundert das Stadtwappen. In seiner Linken hält er ein Eidbuch, die Rechte ist zum Schwur erhoben. Man sagt: Die Figur weist auf ein Kloster hin – der Name „München“ geht möglicherweise auf ein Kloster von Mönchen zurück. Die Figur hat sich im Lauf der Jahrhunderte gewandelt: vom Mönch zum Madl. Und das hält statt des Buchs mittlerweile oft einen Krug oder einen Radi in der Hand. Die Verwandlung begann 1847. Da ließ der Künstler Kaspar Braun den Mönch aus dem Wappen steigen. Seitdem haben sich viele Maler am Münchner Kindl versucht. Der Mönch nahm immer kindlichere – und weiblichere – Züge an …

Übrigens: Das Münchner Kindl thront auch im Herzen der Stadt – in 85 Metern Höhe auf dem Rathausturm. Der Schwabinger Bildhauer Anton Schmid hat die Statue geschaffen, sein Sohn Wiggerl stand mit neun Jahren Modell.

Aber: Das Münchner Kindl wird auch immer wieder lebendig. Junge Frauen, berufen vom Festring, stellen die Figur dar, als Botschafterin der Stadt (einmalig 1938 und 1965, regelmäßig seit 1972). Nur eine gebürtige Münchnerin – mit hier geborenen Eltern oder Großeltern – darf den Festzug zur Wiesn-Eröffnung anführen. Das Kindl steht auch beim Ozapfen neben dem OB. Diese Ehre wird meistens nur Töchtern von Wiesn-Wirten, Schaustellern oder Brauern zuteil. Das allererste lebendige Münchner Kindl war übrigens Pumuckl-Autorin Ellis Kaut (94) im Jahr 1938 (siehe auch Chronologie unten).

Tina Layes

Maria: Start mit 16

Die Ehre, den Einzug der Wiesnwirte hoch zu Ross anzuführen, hat Maria Newrzella seit dem Jubiläum. 2010 feierte das Oktoberfest 200-Jähriges – und die damals 16-Jährige durfte erstmals in die begehrte schwarz-gelbe Mönchskutte steigen. Maria, die auch im vergangenen Jahr als Kindl im Einsatz war, ist die Tochter von Manfred Newrzella, Geschäftsführer des Vereins der Münchner Brauereien sowie des Festrings. Sie ist eine waschechte Münchnerin. „Ich war sehr nervös – schließlich ist der Start der Wiesn weltweit zu sehen“, sagt die heute 20-jährige BWL-Studentin. Für ihren großen Auftritt hat sie sogar Reitstunden genommen. Gern wäre sie schon früher Münchner Kindl geworden, aber Maria musste warten, bis sie 16 Jahre war: „Sonst hätte ich ja kein Bier trinken dürfen.“ Auch ihre Mitschüler auf dem Gymnasium waren sehr stolz: „Da kommt das Münchner Kindl“, haben sie stets gerufen.

Silja hatte Gänsehaut

„Ich habe vor Aufregung die ganze Nacht nicht geschlafen“, erzählt Silja Schrank-Steinberg (43) von ihrer Premiere. Von 1995 bis 1998 war die Tochter der Wirtefamilie Steinberg (Hofbräuzelt, Hofbräukeller) Münchner Kindl. Als sie mit 23 Jahren das erste Mal als Botschafterin München repräsentieren durfte da habe sie „Gänsehaut gehabt und Tränen der Rührung geweint“. Von Jahr zu Jahr ist sie routinierter geworden, aber der Respekt und die Ehrfurcht vor dieser Aufgabe sind geblieben. „Weil ich allergisch auf Pferde bin, hatte ich immer Angst, dass ich einen Niesanfall bekomme. Aber das pure Adrenalin in meinem Körper hat mich immer davor bewahrt.“ Ihre Tochter ist jetzt neun Jahre alt. Die Mama sagt: „Ich würde mich sehr freuen, wenn sie mal Kindl wird …“

Alle Kindl auf einen Blick

1938 Ellis Kaut

1965 Lieserl Fesenmeier

1972 – 1978 Christl Mory

1979 – 1980 Hannelore Fischer

1981 – 1983 Helene Münchhalfen

1984 – 1986 Steffi Spendler (Hagn)

1987 – 1994 Manuela Weitner

1995 – 1998 Silja Schrank-Steinberg

1999 – 2000 Stephanie Redl

2001 – 2002 Daniela Heide

2003 – 2004 Julia Krätz

2005 – 2006 Nadine Schröder

2007 – 2009 Stefanie Krätz

seit 2010 Maria Newrzella

Rubriklistenbild: © Schlaf Marcus

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