Völlig unterschiedliche Ansichten

Stadt und Land streiten über Wohnbau-Kompetenzen

München - Politiker der Stadt München und Bürgermeister und Landräte aus der Region haben sich zusammengesetzt, um das Großprojekt Wohnbau zu diskutieren. Heraus kamen dabei aber nur Streitereien.

Es war eines der wichtigsten Wahlkampf-Versprechen von OB Dieter Reiter (SPD) – die Zusammenarbeit mit dem Umland stärken. Die Stadt platzt aus allen Nähten, die Mieten gleich mit, aber draußen ist noch Luft. Am Mittwoch rief Reiter darum die Regionale Wohnungsbaukonferenz mit 300 Bürgermeistern, Landräten und Behördenvertretern im Alten Rathaus zusammen und wünschte sich Ergebnisse – aber die blieben aus.

Allein der Bürgermeister von Poing (20.000 Einwohner), Albert Hingerl (SPD), bekannte sich zum Wachstum um 2000 Einwohner. Der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU) berichtete immerhin, dass sein Landkreis 1000 günstige Wohnungen bauen will – in den nächsten zehn Jahren. Ansonsten wollten die Bürgermeister nur über S-Bahn und die fehlende Finanzierung reden.

Die Münchner Stadträte – aller Parteien – winkten in der Pause ab. „Beim Verkehr brauchen sie Hilfe, aber die Wohnungen wollen sie selbst in der Hand behalten“, ätzt einer. Ein anderer: „Warum soll ein Bürgermeister Sozialwohnungen bauen, wenn er gewählt werden will?“

Der Fürstenfeldbrucker Landrat Thomas Karmasin (CSU) fragte gar, ob jeder Bedarf gedeckt werden müsse. Sprich: Ob der Neubau nicht gebremst werden müsse. Das regte OB Reiter auf: „Dann schicke ich die Menschen bei Ihnen vorbei!“ Einig waren sich die Politiker, dass sie in Berlin gemeinsam für mehr Geld im Nahverkehr demonstrieren wollen.

David Costanzo

Die Identität soll bleiben

Stefan Schelle (50, CSU), Bürgermeister Oberhaching

Nur am Wohnungsbau liegt’s nicht. Gebaut wird ohnehin: Wenn bei uns eine alte Dame stirbt, entsteht auf dem Grundstück ein Haus für vier Familien. Darum haben wir als 12 000-Einwohner-Gemeinde 40 Millionen Euro in Schulen und Kitas investiert. Wir wollen aber unsere Identität und Qualität behalten. Der Schlüssel ist die Mobilität.

Rosenheim braucht mehr Jobs

Gabriele Bauer (62, CSU), OB Rosenheim.

Bei uns sind Grund und Boden teuer, darum setzen wir auf Nachverdichtung und erst dann wo nötig auf neues Bauland. Wir haben auch eine Verantwortung gegenüber Landwirtschaft und Natur. Wir wollen keine reine Schlafstadt von München sein. Da­rum brauchen wir für mehr Wachstum auch mehr Jobs.

Gabriele Bauer (62, CSU), OB Rosenheim

Wir wollen wachsen!

Albert Hingerl (60, SPD), Bürgermeister Poing.

Wir wollen weiter um 2000 Einwohner wachsen, aber wir bringen die Pendler in der Früh nicht weg. Wir haben jeden Morgen Chaos und mussten am Bahnsteig Hecken wegschneiden, damit die Menschen Platz haben! Wir brauchen den 10-Minuten-Takt. Und ich fordere von OB Reiter einen Bus zur U-Bahn nach Riem!

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

auch interessant

Meistgelesen

Blitzeis-Bilanz: Münchner kratzten, rutschten und verletzten sich
Blitzeis-Bilanz: Münchner kratzten, rutschten und verletzten sich
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt

Kommentare