Wie sich unsere Stadt in den nächsten 16 Jahren verändert

Wohnen, Arbeit, Verkehr: München im Jahr 2025

München
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Dichtes Gedränge in den öffentlichen Verkehrsmitteln – auch das ist eine Prognose für unsere Stadt im Jahr 2025.

München - Was tun, damit München nicht aus allen Nähten platzt? Wo werden die Menschen 2025 wohnen, wenn die Bevölkerung um 85.000 angewachsen ist, wie es die Prognose des Planungsreferates einschätzt?

Ab 2015, warnt Stadtbaurätin Elisabeth Merk , werde ein Engpass bei den Siedlungsflächen entstehen. Sie will sich nun vom Stadtrat beauftragen lassen, Strategien für die Siedlungsentwicklung zu erarbeiten. Münchens Einwohnerzahl nimmt zu, und im Speckgürtel drumherum sieht es ganz ähnlich aus: Für die gesamte Region 14, die auch die umliegenden Landkreise beinhaltet, erwarten die Statistiker bis zum Jahr 2020 eine Zunahme von rund 210.000! Dieses Wachstum ist „eher untypisch“ im deutschlandweiten Vergleich.

Streifzug durch den Münchner Untergrund

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Wie erklärt sich Münchens Anziehungskraft?

Robert Obermeier, Chef-Volkswirt der Industrie und Handelskammer, sieht einen Grund im oft gerühmten „Münchner Mix“ der Branchen: breitgefächert bis hin zu modernen Technologien, aber auch in der Größenstruktur. „München wird auch diese Krise gut überstehen“, so der Fachmann. Ein zweiter Grund sind für Obermeier die guten Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten. Die Vielzahl der Hochqualifizierten wiederum zieht die Ansiedlung neuer Unternehmen nach sich.

Wo werden die zusätzlichen Münchner ihre Wohnungen finden?

In den nächsten Jahren stehen noch Neubauten auf den ehemaligen Kasernenarealen, entlang der Bahn und (als einzige Fläche über das Jahr 2025 hinaus) in Freiham zur Verfügung. Das Planungsreferat hat einen Gesamtbedarf von 92.000 Wohneinheiten errechnet. Die Zahl ist auch deshalb so hoch, weil jeder Einwohner (auch die „Bestands-Münchner“) pro Jahr 0,15 Quadratmeter mehr beansprucht: allein die „Wohnflächenzuwächse“ erfordern 51.000 Wohneinheiten.

Können so viele Wohnungen zur Verfügung gestellt werden?

Für 36.500 Einheiten muss neues Baurecht geschaffen werden. 850 Hektar sind dafür nötig, das Gesamtpotenzial beträgt 950 Hektar. Dann ist Ende Gelände.

Münchens Straßennamen

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Werden Münchner im Jahr 2025 ihre Eigenheime und Mieten noch bezahlen können?

Prof. Stephan Kippes, Chef des Immobilienverbands Deutschland (IVD) glaubt zwar, „dass sich der Druck auf den Kessel erhöht.“ Eine Preisexplosion erwartet er aber nicht: „Wir werden langfristig stabile Preise auf hohem Niveau haben.“

Wie könnte man weitere Wohnflächen schaffen?

Prof. Kippes sieht einiges Potenzial in der Nachverdichtung: „Wo heute ein Einfamilienhaus steht, könnte dann ein Doppel- oder Mehrfamilienhaus gebaut werden.“ Außerdem schlägt er die Umwandlung von Gewerbeflächen vor, die Stadtbaurätin Merk ebenfalls unter die Lupe nehmen will.

Muss man Grünflächen für Wohnungsbau opfern?

Die Möglichkeit einer „begrenzten und verträglichen Außenentwicklung“ wird vom Planungsreferat leise angedacht. In jedem Fall will die Stadt in Zukunft noch enger mit den Umlandgemeinden zusammenplanen und entwickeln.

Wie werden Bewohner künftiger Siedlungsgebiete an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen?

In den meisten Bereichen sind die vorhandenen Kapazitätsgrenzen fast schon erreicht. Eine Netzerweiterung sei unerlässlich, sollten weitere Quartiere entstehen, heißt es im Papier des Planungsreferats. Neue Strecken könnten eine gute Infrastruktur bieten: So würde die Tram-Strecke von der Aidenbachstraße zum Romanplatz eine stärkere Wohnnutzung in Sendling erleichtern und der Tram mehr Kundschaft bescheren. Das gleiche gilt für die geplante Verlängerung der U4 nach Englschalking und eine Siedlungsentwicklung östlich der S 8. Insgesamt rechnet das Planungsreferat mit einer Zunahme des Individualverkehrs und des ÖPNV-Bedarfs um 15 Prozent.

Wie wird die Stadt nach 2025 aussehen?

Die noch geltende Leitlinie aus dem Jahr 1998 war die dynamische Perspektive München mit den Schlagworten „kompakt, urban, grün.“ Die Strategien, die Planungsreferentin Merk erarbeiten will, werden Auswirkungen „auf Dichte- und Höhenprofil der Stadt haben.“

Wird es also mehr Wohn-Hochhäuser geben?

Prof. Kippes ist skeptisch: Bisher seien Punkthochhäuser mit vielen Parteien auf einer Etage bei den Münchnern nicht gut angekommen.

Barbara Wimmer

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