Wohnen: Das unterscheidet Männer und Frauen

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Max liebt seinen Balkon, Maresa hätte in der nächsten Wohnung gerne ein ­größeres Badezimmer. Ihre Tochter ­Helena (sechs Monate) soll dann ein eigenes Zimmer bekommen

München - Eine Studie über Geschlechter-Unterschiede bei der Suche nach der eigenen Bleibe fördert interessante Details zutage. Lesen Sie hier, was Männer und Frauen bevorzugen.

Jetzt im Frühjahr schleusen die Makler wieder besonders viele Münchner durch die wenigen freistehenden Wohnungen. Dabei geraten sie nicht selten ins Kreuzfeuer zwischen Mann und Frau, die gemeinsam eine neue Bleibe suchen. Eine aktuelle Studie beweist: Auch bei der Wohnnungssuche ticken Männer gänzlich anders als Frauen.

Für die repräsentative Studie „Wohnen und Leben Winter 2011“ wurden im Auftrag des Immobilienportals "immowelt.de" 1014 Personen befragt. Mit einem eindeutigen Ergebnis: 49 Prozent der Männer betrachten die ­Entscheidung für ein neues Domizil als eine rein rationale Angelegenheit. Von den befragten Frauen hingegen lässt nur jede Dritte bei der Auswahl einer neuen Wohnung vornehmlich die Vernunft walten. Sie treffen bei der Wohnungssuche eher Bauchentscheidungen: Während sich nur 24 Prozent der Männer als gefühlsbetonte Entscheider sehen, geben 38 Prozent der Frauen den Emotionen den ­Vorrang.

Liebe auf den ersten Blick – dass es so etwas vorrangig bei Frauen gibt, wenn es um Immobilien geht, hat Erik Nothhelfer in 22 Jahren als Makler gelernt. „Wenn die Wohnung freundlich und hell ist, große Räume hat und einen schönen, gepflegten Balkon oder Garten, dann können Frauen oft schon nach ein paar Minuten hin und weg sein“, sagt Nothhelfer, der auch Vorsitzender des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) Süd ist. „Die Euphorie bei Frauen kann sofort groß sein – und dann auch durch rationale Bedenken des Mannes nicht mehr zu dämpfen.“

München Architektur: Stadtplanung und -Entwicklung

München Architektur: Stadtentwicklung und Stadtgestaltung

Ingrid Riedel, Geschäftsführerin von ­Riedel Immobilien in München, hat zudem die Erfahrung gemacht, dass charmante Altbauten besonders anziehend auf Frauen wirken. „Oft akzeptieren sie einen höheren Kaufpreis, weil sie vom Altbau-Flair begeistert sind.“ Hingegen zeige sich ein Mann bei der Besichtigung eher rational, insbesondere wenn es um die technischen Details der Wohnung geht. Es wird alles geprüft vom Fenster über die Heizung bis zur High-Tech-Ausstattung. „Meist ist auch die Verhandlung über den Kaufpreis seine Domäne.“

Wenn es um das Umfeld des neuen Domizils geht, lassen Frauen aber dann doch die Vernunft walten, so Riedel: „Besonders ­Mütter interessiert die ­nähere Nachbarschaft und die kinderfreundliche Umgebung mit Schulen und Kindergärten. Auch sollten gute Einkaufsmöglichkeiten und die Nähe zu öffentlichen Verkehrsmitteln gegeben sein.“ Immobilienmakler Nothhelfer fügt hinzu: „Auch beim Bad schauen Frauen ganz genau hin und prüfen zum Beispiel die Fugen.“ Mit einem Beamten könnte aber auch die vernünftigste Frau bei der gemeinsamen Wohnungssuche aneinandergeraten. Denn die nehmen es laut Studie nicht nur beruflich sehr genau: In ihrer Berufsgruppe gaben 63 Prozent an, mit Vernunft an die Sache ranzugehen. Hat der Frau das Objekt gefallen, ist am Ende der Besichtigung immer dasselbe Phänomen zu beobachten: Frau will den Vertrag schnell unterschreiben, ­alles unter Dach und Fach bringen – Mann dagegen will noch mal eine Nacht drüber schlafen.

Zu ernsthaften Auseinandersetzungen um die neue Bleibe komme es trotz des kleinen Unterschiedes so gut wie nie, ­sagen die Experten übereinstimmend. „Wenn der Mann nicht total abgeneigt ist, gibt die Frau den letzten Ausschlag, vor allem wenn sie Hausfrau ist und daher mehr Zeit in der Wohnung verbringt als er“, sagt Nothhelfer. „Ich habe schon viele Männer am Schluss nachgeben sehen …“

Nina Bautz, Ann-Catherin Karg

Max (29) und Maresa (22) Bauer: Aktuelle Wohnung: 2 Zimmer auf 53 m² in den Hertz-Höfen in Schwabing

Max Bauer (29):

Geht gar nicht: Wohnungen direkt unterm Dach werden im Sommer zu heiß und durch die Dachschrägen geht zu viel Platz verloren.

Muss unbedingt sein: Der Balkon ist mir total wichtig. Im Sommer trinken wir da abends ein Glas Wein oder grillen. Außerdem pflanzen wir unsere eigenen Mini-Tomaten, Gurken und Kräuter an.

Darauf achte ich bei der Wohnungsbesichtigung als erstes: Ich bin sehr genau, schaue hinter die Vorhänge und unter die Fensterbretter, ob irgendwo Schimmel ist. Außerdem muss es genügend Steckdosen geben, die sinnvoll über die Räume verteilt sind.

Max + Maresa

Darauf legen wir beide wert: Eine gute Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel.

Darin unterscheiden wir uns: Maresa: Wenn ich eine Wohnung gut finde, will ich am liebsten gleich den Vertrag unterschreiben. Max: Ich wohne lieber weiter oben, Maresa würde aus praktischen Gründen auch gerne im Erdgeschoss wohnen.

Maresa Bauer (22)

Geht gar nicht: Ein zu kleines Badezimmer und schlecht renovierte Räume, die ­verlottert wirken.

Muss unbedingt sein: Die Küche muss so groß sein, dass man darin nicht nur praktisch ­kochen, sondern auch essen kann.

Darauf achte ich bei der Wohnungsbesichtigung als erstes: Auf den Schnitt der Wohnung. Wohnzimmer und Küche sollten nicht zu klein sein, weil wir darin viel Zeit verbringen. Ein großer Flur wäre überflüssig und darum ein ­Minuspunkt.

Max und Maresa Bauer suchen gerade eine neue Wohnung: ab 75 m², drei oder vier Zimmer, am liebsten in Garching und gerne im Erdgeschoss, ­ansonsten mit Aufzug. Angebote bitte an folgende ­E-Mail-Adresse: wie-immer@abwesend.de

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