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Wohnmobil-Boom in München: Zahl der Camper steigt rasant – Preise explodieren

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Von: Julian Limmer

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Wohnmobile in München
Die Wohnmobil-Branche hat in der Corona-Pandemie einen regelrechten Boom erlebt. (Symbolbild) © Sven Pförtner/dpa

Die Wohnmobilbranche hat durch die Corona-Pandemie einen regelrechten Boom erlebt. Auch Hans Moritz aus Erding hat sich im vergangene Jahr den Traum vom Camper erfüllt.

Erding - Einen kleinen Lebenstraum hat sich Hans Moritz (49) im vergangenen Mai erfüllt. Nach langer Suche ist der begeisterte Camper und Chef der Merkur-Lokalredaktion in Erding endlich fündig geworden: Ein halbes Jahr war das gebrauchte Wohnmobil alt, 22 000 Kilometer standen auf dem Tacho. Fast wie neu.

Der Preis: rund 46 000 Euro. Ein Schnäppchen! Hans Moritz schlug sofort zu. Bereits im ersten Jahr fuhren er und seine Familie damit dann rund 15 000 Kilometer weit: quer durch Deutschland, in die Toskana, zum Skifahren. „Wir machen Reisen, die wir vorher nie gemacht hätten“, sagt er. „Diese neue Spontanität ist unbeschreiblich.“

Familie Moritz vor ihrem Wohnmobil während des Urlaubs in Norddeutschland.
Familie Moritz vor ihrem Wohnmobil während des Urlaubs in Norddeutschland. © Privat

München: 44 Prozent mehr Wohnmobile in München - enormer Zuwachs durch Corona

Mit diesem Gefühl ist Moritz nicht allein: Während der Pandemie hat die Wohnmobilebranche einen regelrechten Boom erlebt. Vor allem in München. Gab es in der Isarmetropole Anfang 2020 noch 9869 Wohnmobile, waren es nur zwei Jahre später bereits 14 220. Ein Zuwachs von satten 44 Prozent. München zählt damit nach Kiel, Freiburg, Lübeck und Oldenburg zu der Großstadt mit der höchsten Dichte an Wohnmobilen. Das zeigen Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes, die die Berliner Rechtsanwaltskanzlei Goldenstein ausgewertet hat.

Während aufgrund von Corona zahlreiche Flüge gecancelt und manche Fernreisen unmöglich wurden, bot das Wohnmobil eine sicherere und bequeme Alternative. Auch für Hans Moritz war das ein Anstoß: „Mit dem Wohnmobil konnten wir ohne Probleme verreisen.“ Keine lange Planung, einfach los.

Wohnmobil-Boom freut Händler - „Die starke Nachfrage war verrückt“

Dieser Trend zum Camping ist auch beim Wohnmobil- und Wohnwagenhändler „Der Freistaat“ in Sulzemoos nahe München spürbar. „Die starke Nachfrage war verrückt“, berichtet Mitarbeiter Christian Zandt. Während der Pandemie habe der Verkauf um rund 40 Prozent zugelegt, schätzt er. Gleichzeitig seien aber auch die Preise explodiert: „Je nach Modell muss man mittlerweile mit 10 000 bis 20 000 Euro mehr rechnen.“

Alleine im vergangenen Jahr stiegen die Preise teils um knapp zehn Prozent. Dennoch: Die Nachfrage bleibe weiter hoch, sagt Zandt. Kunden müssen mit langen Wartezeiten rechnen. Das spürt auch Christian Zandt: „Immer wieder kommt es zu neuen Lieferverzögerungen – teils bis zu einem Jahr.“

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Wohnmobil-Boom durch Corona: Lange Wartefristen sind die Folge

Bei selbst konfigurierten Modellen mit langer Wartefrist kann es zudem vorkommen, dass der Preis vom Zeitpunkt des Kaufs bis zur Auslieferungen weiter steigt. Das kann zu teuren Überraschungen führen, wie der ADAC warnt. Neue Einsteiger-Fahrzeuge fangen bei rund 40 000 Euro an, Modelle über 100 000 Euro sind keine Seltenheit.

Günstigere Alternativen sind Gebrauchte. Der CIVD empfiehlt den Kauf beim Fachhändler. Der Vorteil: Oft gibt’s Garantien und Serviceleistungen. Alternative zum Kauf: ein Wohnmobil mieten. In der Nebensaison kostet das je nach Anbieter 70 Euro pro Tag, in der Hauptsaison eher 150 Euro.

Während einige noch auf ihren Wohnmobil-Traum warten müssen, plant Hans Moritz bereits seine nächste große Reise. Im Sommer geht´s nach Skandinavien. „Das Schöne ist: Wenn man nach langer Fahrt irgendwo ankommt, packt man einfach die Stühle vor das Wohnmobil – und der Urlaub kann starten.“ (Julian Limmer)

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