Chefin des Seniorenbeirates fordert Verbesserungen

Wohnungen und Pflege: Das soll sich für ältere Münchner ändern

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Ingeborg Staudenmeyer will das Leben von Senioren ­verbessern.

München - MVV, Wohnungen und Pflege: Für ältere Münchner soll sich einiges verbessern, fordert die Chefin des Seniorenbeirates. Das sind ihre Vorschläge.

Was wird das Jahr 2017 bringen? Das fragt sich auch Ingeborg Staudenmeyer, Chefin des Münchner Seniorenbeirats. „Jedenfalls haben die älteren Münchner noch immer keine Lobby, und das muss sich im nächsten Jahr ändern. Es muss mehr für sie getan werden.“ Um sicherzustellen, dass dies auch passiert, hat die Senioren-Chefin nun einen Drei-Punkte-Plan für die Politik verfasst. Drei Forderungen, um das Leben der Alten in unserer Stadt lebenswerter zu machen. Immerhin sind über 260.000 Münchner über 65 Jahre alt. „Diese Ziele wollen wir für sie unbedingt durchsetzen“, so Staudenmeyer. „Und da geben wir auch nicht auf.“ Die tz erklärt den Plan:

Die 9-Uhr-Regelung des MVV für Senioren

Staudenmeyer: „Bereits seit zwei Jahren kämpfen wir für die Aufhebung dieser Einschränkung. Im Antidiskriminierungsgesetz steht, Senioren dürfen nicht benachteiligt werden. Der Seniorenbeirat hat jetzt die Stadt München aufgefordert, dies zu klären.“

Die tz-Analyse: Dass die Besitzer einer Isar-Card60 (Kosten für das Gesamtnetz: 68,40 Euro im Monat) erst ab 9 Uhr fahren dürfen, scheint auch OB Dieter Reiter zu stören. Mehrfach deutete er in der tz an, hier gegensteuern zu wollen. Das Problem: Im Entscheidungsgremium sitzen neben der Stadt auch die Bahn, viele Landkreise und Verkehrsbetriebe. Zudem sind die S- und U-Bahnen schon jetzt zum Berufsverkehr rappelvoll. Das will man unter allen Umständen „entzerren“. Im Jahre 2015 hatte der MVV übrigens über 692 Millionen Fahrgäste. Die Fahrgeldeinnahmen betrugen gut 820 Millionen Euro.

Wohnungstausch

Staudenmeyer: „Angeblich wird bei den städtischen Wohnungsbaugesellschaften wie Gewofag und GWG dies schon umgesetzt. Wir haben aber leider dafür keine Beispiele. Unsere Forderung ist, eine leerstehende Wohnung nicht gleich dem Wohnungsamt zu melden, sondern vor Ort erst zu klären, ob ältere Menschen in eine freigewordene kleinere Wohnung im Erdgeschoss umziehen wollen. Voraussetzung ist der gleiche Mietpreis wie bei der größeren Wohnung, die sie jetzt bewohnen. Die größere Wohnung wird dann erst dem Wohnungsamt gemeldet.“

Die tz-Analyse: Allein die Gewofag besitzt in München rund 37.000 Wohnungen. Oft wohnen tatsächlich Senioren in der gleichen großen Wohnung seit über 40 Jahren. Und das, obwohl der Lebenspartner schon verstorben ist, die Kinder längst aus dem Haus sind. Aber ein funktionierendes Wohnungstausch-Programm braucht Personal, das ständig auf dem Laufenden ist, Wohnungen vergleicht und mit nötigem Fingerspitzengefühl zwischen den Parteien vermittelt. Das kostet Zeit und Geld.

Kontrollen der ­Pflegedienste

Staudenmeyer: „Wir fordern wie bei den Pflegeheimen (da kontrolliert die Heimaufsicht) eine Überprüfung der Pflegedienste. In der letzten Zeit häufen sich die Beschwerden über private Pflegedienste. Der Stadt München muss es ein Anliegen sein, dass Wohnen zu Hause für die ältere Generation ohne Probleme möglich ist.“

Die tz-Analyse: Allein in München gibt es derzeit über 260 (registrierte) Pflegedienste – und es werden jedes Jahr mehr. Keine Branche in Deutschland boomt mehr. Aber: So richtig kontrolliert werden die Anbieter nicht. Im Gegenteil: Wie die tz berichtete, lassen sich manche Pflegedienste von ihren Kunden sogar eine Erklärung unterschreiben, dass nicht einmal der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MdK) die Versorgung in den eigenen vier Wänden überprüfen darf. Wird Frau Meier nun täglich gewaschen oder wird das nur auf die Rechnung gesetzt? Keiner weiß es. Die gesetzlichen Kassen vermuten, dass sie allein durch falsche Abrechnungen jedes Jahr um rund 1,25 Milliarden Euro geprellt werden. Dass sich hier unbedingt etwas ändern muss, da sind sich viele Experten einig. Nur: Dies würde wahrscheinlich eine Gesetzesänderung nach sich ziehen, denn der private Raum eines Pflegebedürftigen ist natürlich heilig. Ein schneller Schritt zur Besserung wäre jedenfalls schon einmal, die „Erklärungen“, die einen Besuch des MdK völlig verhindern, als nichtig zu erklären.

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