Knackpunkt sozialer Wohnungsbau

Stadt München bremst Investor: Keine Wohnungen am früheren Schokolabor - „Wirklich bedauerlich“

Viel Lob hatten die Entwürfe für das Wohnbauprojekt an der Unterbiberger Straße geerntet. Nun soll stattdessen Gewerbe entstehen
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Viel Lob hatten die Entwürfe für das Wohnbauprojekt an der Unterbiberger Straße geerntet. Nun soll stattdessen Gewerbe entstehen.

Eigentlich sollte das Gelände in München-Perlach in ein ungewöhnliches Wohngebiet umgewandelt werden. Doch der Investor konnte sich mit der Stadt München nicht einigen.

München - Viele Jahre ging es an der Unterbiberger Straße in Perlach um „Schmelz“ und „Mundgefühl“. Denn hier hatte der Lebensmittelkonzern Kraft Foods sein Schokolabor, in dem unter anderem neue Produkte für die Marken Milka, Toblerone und Suchard entwickelt wurden. Später dann ging es dort um die Forschung und Entwicklung von Frischkäse und anderen Feinkost-Produkten.

2018 wurde das 6800 Quadratmeter große Areal verkauft. Der neue Besitzer, UBM Development Deutschland aus Berlin, plante nicht den Abriss, sondern den Umbau der Gewerbeblöcke aus den 60er- und 90er-Jahren in Wohngebäude. Die Pläne dafür, erstellt vom Münchner Architekturbüro „su und z“, ernteten 2019 bei der Vorstellung in der Stadtgestaltungskommission sehr viel Lob. Die Architekten wollten dem Hauptgebäude einen Teil für einen Innenhof entnehmen und Laubengänge als Zugänge für die neuen Wohnungen einbauen. Zudem waren Dachaufbauten für weitere Wohnungen geplant.

München-Perlach: Büros statt Lebensräume - Knackpunkt sozialer Wohnungsbau

Insgesamt sollten im Süden von München, das zuletzt einen wenig ruhmreichen Spitzenplatz ergatterte, so 80 Wohneinheiten entstehen. Dazu noch ein zweigeschossiger Neubau an der Straße als Lärmschutz, in dem sich Bewohner quasi ein Homeoffice mieten könnten. Eine spannende und zukunftsweisende Umnutzung, ein Glanzpunkt fürs Quartier, das Projekt werde uneingeschränkt begrüßt, man freue sich auf die Umsetzung, fasste die frühere SPD-Stadträtin Heide Rieke damals zusammen.

Neubau in München-Perlach: Stadt lehnt Bitte um Nachlass ab - Nun gibt es andere Pläne

Bei den folgenden Gesprächen mit der Stadt sah es nicht mehr so rosig aus. Wie jetzt im Perlacher Bezirksausschuss (BA) bekannt wurde, konnten sich Investor und Stadt beim Thema geförderter und preisgedämpfter Wohnraum nach den Regeln der sozialgerechten Bodennutzung (Sobon) nicht einigen. Weil eine Sanierung aufwendiger und somit teurer ist, bat der Eigentümer um einen Nachlass. Die Stadt war dazu aber offenbar nicht bereit. „Die gegenseitigen Vorstellungen und Anforderungen rund um das Thema Baurecht für Wohnungsbau zwischen der Behörde und uns haben gezeigt, dass die Absichten nicht gänzlich übereinpassen“, formuliert es Sven Hoffmann von UBM vorsichtig.

„Ich kann die Stadt schon irgendwo verstehen“, sagt der BA-Planungssprecher Wolfgang Thalmeir (CSU) dazu. Andererseits kämen in Zukunft sicherlich mehr solche Objekte, und die Unternehmen müssten wirtschaftlich denken. Mit einem Kompromiss hätte man wenigstens einen Teil der Wohnungen bekommen. So aber gebe es gar nichts. Denn der Investor ändert nun nach zweijähriger Verhandlung seine Pläne. „Wir sind zum Entschluss gekommen, ein ansprechendes Gewerbeprojekt zu realisieren“, teilt er mit. Das neue Konzept, das jetzt im BA vorgestellt wurde, sieht Büros vor. „Wirklich bedauerlich“, finden die Stadtteilpolitiker. Zumal das Grundstück bereits von Wohngebäuden umgeben ist. (Carmen Ick-Dietl)

Eine Studie der Stadt zeigte 2020, wie überteuert der Wohnungsmarkt ist. Der Fehler sitzt demnach tief. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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