Familie lebt auf elf Quadratmetern

Dieses Zimmer kostet 578 Euro Miete

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Oleg Ivanov (43) lebt mit Frau Milena (36) und den Kindern Angelina (2) und Alexander (1) in diesem Mini-Zimmer – für 578 Euro!

München - Die Wohnungsnot in München wird immer schlimmer. Eine Familie mit zwei Kindern lebt auf elf Quadratmetern und bezahlt dafür 578 Euro Miete pro Monat.

Ein Stockbett, ein Kinderbettchen, ein Maxi-Cosi – mehr passt nicht in das 11 Quadratmeter große Zimmerchen in Moosach. Oleg Ivanov (43) kann sich darin fast nicht herumdrehen. Kaum zu glauben: Er wohnt hier mit Frau und zwei Kindern – und zahlt dafür noch 578 Euro Miete! Ein krasses Beispiel für die Wohnungsnot in München.

Der Bulgare Ivanov kam im März 2012 nach München und hat eine Odyssee hinter sich. Nach etlichen Nächten bei Bekannten auf Sofas bekommt er einen Job als Lkw-Fahrer. Seine Familie kommt nach und freut sich auf eine Wohnung. Sein Kollege und Dolmetscher erzählt der tz: „Im September 2012 ist er über die Firma 2-Rent Group GmbH an eine Wohnung in Eching gekommen – die Umstände dort aber waren sehr schlimm.“

So schlimm, dass das zuständige Landratsamt Freising das ganze Gebäude in der Breslauer Straße 5 und 7 jetzt im Mai sogar räumen ließ. Im Bescheid heißt es: „Die wohnähnliche Nutzung wird mit sofortiger Wirkung untersagt.“ Anita Fußeder vom Landratsamt: „Das Gebäude ist nur als Bürogebäude genehmigt. Des Weiteren haben wir brandschutzrechtliche Mängel festgestellt.“ Laut Bescheid waren in den beiden Gebäuden zirka 120 Personen untergebracht!

Am Dienstag nach der Räumung kam Oleg Ivanov mit seiner Familie vom Regen in die Traufe – in das sogenannte Boardinghaus Am Neubruch 39 bis 41 in Moosach. Laut Beherbungsvertrag der 2-Rent Group zahlt Ivanov hier 578 Euro brutto im Monat – für ein kleines Loch! „Wir finden einfach keine andere Wohnung!“ klagt er.

Das Gebäude Am Neubruch in Moosach.

Und wie erklärt der Vermieter die horrende Miete? „Wir sind ein Hotelbetreiber und haben Einzelkunden, aber auch zum Beispiel Baufirmen, die ihre Angestellten – oft aus osteuropäischen EU-Ländern – kurzfristig hier unterbringen, damit sie überhaupt eine Bleibe haben“, sagt Geschäftsführer Alexander El Naib. Der hohe Preis begründe sich aus der Pacht für das Gebäude, den Kosten für Reinigungs- und Servicepersonal, zum Beispiel an der Rezeption, sowie dem „einkalkulierten Leerstand“. Im Moosacher Gebäude seien etwa 100 Personen untergebracht. Bei einem üblichen Einzelzimmer für 430 Euro koste die Nacht 13,40 Euro – das sei ein „Low-Budget-Preis“, so El Naib. „Wir sind eben kein Wohnungsvermieter!“ Im Fall von Ivanov, bei der vier Personen auf engstem Raum leben, handele es sich um eine „reine Notfallunterbingung“, so der Chef. „Wir haben ihm auch ein anderes Objekt angeboten, das er abgelehnt hat – und wollten ihn nicht auf der Straße stehen lassen.“

Der Münchner Anwalt Franz Gell, der Ivanov berät, sagt: „Hier stellt sich die Frage, ob nicht das soziale Mietrecht ausgehebelt wird und durch den Missbrauch der Formierung als Hotelbetreiber Menschen längerfristig untergebracht werden.“

Übrigens: Auch die Stadt München arbeitet mit dieser Firma zusammen. Frank Boos vom Sozialreferat: „Wir bestätigen, dass das Amt für Wohnen und Migration im Gebäude Am Neubruch Wohnungen angemietet hat, die als Teil des Notunterbringungssystems für vorübergehende Unterbringungen genutzt werden.“ Und das auf Kosten der Steuerzahler.

Stichwort: Boardinghaus

Ein Boardinghaus „eine Beherbergungsart in städtischer Umgebung“, bei der eine Unterbringung „für längere Zeit möglich“ ist. Inbegriffen sind Serviceleistungen wie Reinigung oder hotelmäßiger Zimmerservice. Das Problem: Diese Häusern wird nachgesagt, das sie sich in einer Grauzone zwischen Hotel und Mietwohnung bewegen.

Nina Bautz

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