Er klagt über schlechte Zeiten.

Dieser Münchner traf Tausende Stars

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Wolfgang Maier sammelt Autogramme.

München - Schwarzenegger, Beckenbauer oder Loren - Wolfgang Maier hat sie alle. Seit Jahrzehnten sammelt der Münchner Autogramme, über 140.000 Exemplare hortet er in seiner Wohnung. Doch die Zeiten für Jäger wie ihn haben sich geändert.

Wolfgang Maier ist enttäuscht vom bayerischen Filmpreis. Stundenlang hat er sich bei Eiseskälte vor dem Münchner Prinzregententheater die Beine in den Bauch gestanden. „Die Ausbeute war sehr mager“, seufzt er resigniert. Dabei ist die Verleihung ein alljährliches Ritual für Maier. Als leidenschaftlicher Autogrammsammler ist er in seiner Heimatstadt stets überall dort anzutreffen, wo sich die Stars tummeln.

Seit Jahrzehnten sammelt Maier Fotos und Autogramme von Prominenten. Sophia Loren, Arnold Schwarzenegger, Franz Beckenbauer und Joachim Gauck haben sich schon in seiner Sammlung verewigt. Für den 61-Jährigen ist es „ein Stück Zeitgeschichte“, das da in seiner kleinen Wohnung lagert. Über 500 Ordner mit Schnappschüssen, Zeitungsausschnitten und Autogrammkarten stapeln sich im Wohn-, Schlaf- und Arbeitszimmer. Mit mehr als 140 000 Autogrammen dürfte es eine der größten Sammlungen Europas sein.

Ob ungeschminkt, überbelichtet oder verwackelt: Seine Fotos seien immer „Leben pur“, sagt Maier. „Da ist nichts geschönt.“ Zu jedem Bild hat er eine persönliche Geschichte parat. Immer ist er mit auf dem Foto, mit einigen Schauspielern hat er schon zusammen gedreht.

Zum Film kam er per Zufall. Bei einem Spaziergang durch die Münchner Innenstadt wurde er angesprochen und durfte spontan einen ausgefallenen Komparsen ersetzen - in Polizeiuniform. Seither stand er bei über 800 Produktionen vor der Kamera, in Krimiserien ebenso wie in Lehr- und Werbefilmen. Für Romy Schneider gab er im Film „Blutspur“ den Mechaniker.

„Bei Dreharbeiten am Marienplatz hat man mich einmal für einen echten Polizisten gehalten“, erinnert sich Maier. Schauspieler wollte er jedoch nie werden: „Ich spiele gern die fünfte Geige und halte mich im Hintergrund.“ Mit dieser Taktik sei er auch als Autogrammjäger erfolgreich: „Der Stil ist entscheidend. Bescheiden bleiben, niemals mit der Tür ins Haus fallen“, erklärt Maier. Außerdem sei er immer in Anzug und Krawatte unterwegs: „Ich will ja meinen guten Ruf nicht kaputt machen.“

Mittlerweile hat sich der gebürtige Münchner ein ausgeklügeltes System zugelegt. Die Fotos macht er mit einer analogen Kamera, die Autogramme lässt er sich auf einem separaten Zettel geben. Zu Hause wird dann alles fein säuberlich zugeordnet und eingeklebt. „Das muss schon seine Ordnung haben. Ich war immer gut in Buchführung.“

Ohne Kamera und einen Ersatzfilm gehe er nie aus dem Haus. „Denn die Stars ziehen mich magisch an“, sagt Maier. In der Münchner Fußgängerzone seien ihm schon die FC Bayern-Stars Giovane Elber und Gerd Müller aber auch US-Filmemacher Michael Moore über den Weg gelaufen. An Ruhestand denkt der 61-Jährige noch lange nicht. „Durch meine Sammelleidenschaft komme ich immer unter Leute, das gefällt mir.“ Briefmarken oder Bierdeckel sammeln wäre ihm zu langweilig.

Doch die Jagd nach den Autogrammen werde schwieriger. „Securities und Bodyguards sind oft grundlos grob und unhöflich“, klagt Maier. Kapituliert habe er angesichts verschlossener VIP-Eingänge jedoch noch nie: „Aufgeben tut man nur einen Brief.“ Und ganz umsonst war sein beharrlicher Einsatz beim Filmpreis doch nicht. Nach sechs Stunden in der Kälte gehören nun auch Max von Thun, Karoline Herfurth, Katja Riemann und Ilse Aigner zu Maiers Sammlung.

dpa

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