Wombats: Indie-Rock ist jetzt anders

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Die Wombats begeisterten im Backstage.

München - Jubel entbrennt, die Wombats betreten die Bühne: Schrill, laut und energiegeladen beglücken sie für neunzig Minuten das Münchner Backstagepublikum mit ihrem Markenzeichen. Die Konzertkritik.

Jubel entbrennt, die Wombats betreten die Bühne: Schrill, laut und energiegeladen beglücken sie für 90 Minuten das Münchner Backstagepublikum mit ihrem Markenzeichen: griffigen Gitarrenriffs unterlegt von poppigen Synthesizer-Beats. Dabei machen sie vor niemandem halt, nicht vor Bridget Jones (Kill the director) und auch nicht vor der Liebe zu einer Prostituierten (Patricia the stripper). Wer sich auf richtig dreckigen, alkoholgeschwängerten und gerotzten Indiesound gefreut hatte, täuschte sich ein wenig.

Die Wombat-Jungs stammen zwar aus Liverpool und überzeugten mit exzellent english accent, mehr ist von der Hemd-Spitzschuh-Röhrenjeans-Fraktion aber nicht übrig geblieben. Indierock ist jetzt anders: T-Shirts, halblanges Haar und glattrasierte Gesichter sind bei den Wuschel-Wombats Trumpf. Dazu gibt’s einen Schluck aus der Wasserflasche. Rein akustisch gefiel der Opener Our perfect disease und mit Jump into the fog setzte das Trio dann gleich noch einen weiteren Ohrmuschel-Schmeichler obendrauf. Danach wechselten sich Höhen und Tiefen ab, das Engagement war den Britpoppern aber nie abzusprechen. Anfangs wuschelte Sänger Matthew Murphy mit seinem wilden Haarschopf über die Bühne, doch schon bald klebten erste Strähnen verteilt im glatten Gesicht. Schlagzeuger Dan Haggis hatte klugerweise vorgesorgt: er trug ein Haarband und sollte dieses auch brauchen. Auf selbiges konnte der graubärtige, etwas ältere Herr im Che-Guevara-Shirt in der hinteren Reihe mittlerweile schon verzichten, gegen Ende des Abends grölte aber auch er fleißig mit.

„Murph“ Murphy ähnelte zu diesem Zeitpunkt frisurentechnisch einem begossenen Pudel – der Schweiß hatte die Wombats-Wuschelpracht gebändigt. Kleiner Kritikpunkt eines schönen Abends: An der zumeist wortlosen Interaktion müssen die Jungs noch arbeiten, der Funke sprang nicht immer über. Und: War es doch mal wortreich, wünschte man sich die wortlose Zeit zurück. Trotzdem, musikalisch ein Leckerbissen, den man genießen konnte, wie Schokolade zum Frühstück.

Mathias Müller

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