Die häufigsten Todesursachen

Woran die Münchner sterben

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Der Nordfriedhof in München

München - Hinter abstrakten Zahlen stehen menschliche Schicksale: 95 Prozent der Münchner sind zum Zeitpunkt ihres Todes über 60 Jahre alt. Das geht aus der städtischen Statistik hervor. Einige erreichen aber nicht mal das erste Lebensjahr.

Woran sterben die Münchner, und wie alt werden sie? Fragen wie diese soll die Todesursachenstatistik beantworten, die das Statistische Amt der Stadt seit 1990 erhebt. Die Behörde macht das auf Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Schließlich lassen sich aus den Daten Rückschlüsse auf den Lebensstil ziehen – und damit auch auf die Frage, ob Sterbefälle vermeidbar gewesen wären.

Todesursache Nummer eins waren im Jahr 2012 Herz- und Kreislauferkrankungen: 4090 von insgesamt 10.846 verstorbenen Münchnern fallen in diese Kategorie: 657 erlagen zum Beispiel einem Herzinfarkt, 866 einer Erkrankung der Herzkranzgefäße, 205 den Folgen eines Schlaganfalls.

Fast die Hälfte der Herz-/Kreislauftoten war zum Zeitpunkt des Todes 85 Jahre und älter – und weiblich. Die Statistiker erklären das damit, dass der Anteil von Frauen an der Gruppe der älteren Menschen größer ist als der männliche.

Die zweithäufigste Todesursache in München ist Krebs

Den allgemeinen Rückgang der Sterblichkeit um 15 Prozent im vergangenen Jahrzehnt führen die Statistiker auf den Rückgang der Herz- und Kreislauferkrankungen zurück: 2003 lag ihr Anteil an den Sterbefällen bei 44 Prozent, im Jahr 2012 waren es nur noch 38 Prozent.

Die zweithäufigste Todesursache war mit einem Anteil von 28,2 Prozent Krebs. Im Gegensatz zu den Herz-, Kreislauferkrankungen erwischt es die Betroffenen meist in den mittleren Lebensjahren – 44 Prozent sämtlicher Todesfälle zwischen dem 45. und 65. Lebensjahr gehen auf das Konto eines bösartigen Tumors. Aber auch Jüngere sind betroffen. So starben vier Münchner an Krebs, bevor sie das 15. Lebensjahr erreichten. In der Altersgruppe der 15- bis 30-Jährigen überlebten 16 Münchner die Krankheit nicht. Besonders häufig sind Tumore der Verdauungsorgane, gefolgt von Brustkrebs bei Frauen und Krebs der Atmungsorgane bei Männern.

Psychische Störungen als Todesursache haben sich seit 2003 verdoppelt

Seit 2003 verdoppelt haben sich psychische Störungen als Todesursache: 550 Tote zählt die Statistik in dieser Gruppe. Davon erlagen 68 ihrer Alkoholsucht.

Der Statistik zufolge starben 2012 auch 27 Babys. Darunter 16, bei denen es schon vor der Geburt zu Komplikationen gekommen war. Acht Säuglinge erlagen einer angeborenen Fehlbildung und Chromosomenanomalien.

Nicht immer sind Krankheiten die Todesursache. 238 Münchner sind 2012 bei einem Unfall ums Leben gekommen. Die meisten von ihnen waren 75 bis 85 Jahre – und starben in der Folge eines Sturzes. Im Straßenverkehr starben Männer dreimal so oft wie Frauen, meist waren sie zwischen 15 und 45 Jahre alt. Die zehn Motorradfahrer, die 2012 ums Leben kamen waren allesamt Männer.

Immer weniger Münchner können sich große Bestattungen leisten

Acht Münchner wurden im Jahr 2012 umgebracht, vier von ihnen mit einem „scharfen Gegenstand“, wie es in der Statistik heißt. 205 Münchner wählten tragischerweise den Freitod.

Für 2013 liegen noch keine Zahlen vor.

Wie das Referat für Umwelt und Gesundheit mitteilte, nehmen immer weniger Münchner sogenannte Bestattungsleistungen wie Trauerfeiern und Aufbahrungen in Anspruch. Vermutlich, weil sie es sich seit dem Wegfall des Sterbegelds der Krankenkassen nicht mehr leisten können.

Die städtische Behörde erwartet für die städtischen Friedhöfe heuer sowie 2015 und 2016 ein jährliches Defizit von fast 2,7 Millionen Euro. Nicht zuletzt, weil Sanierungen und Neubauten von Urnen-Anlagen anstehen. Die Gebühren sollen trotzdem bis Sommer 2016 nicht erhöht werden.

von Bettina Stuhlweissenburg

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