Ideenklau vorgeworfen

Wort halten: Ist Udes Kampagne abgekupfert?

Nur geklaut?

München - Kopie oder Zufall? Die SPD muss sich erneut den Vorwurf gefallen lassen, bei ihrem Wahlkampf entweder abgekupfert, oder zumindest nicht sorgfältig recherchiert zu haben.

Im April wurde der Slogan der Bundespartei, „Das Wir entscheidet“, zum Imagedebakel, weil exakt der gleiche Spruch längst von einer Zeitarbeitsfirma genutzt wurde. Jetzt wirft ein schwäbischer Kabarettist der Bayern-SPD Ideenklau vor.

Dieses mal dreht es sich um die Kampagne von Christian Ude, der bayerischer Ministerpräsident werden möchte. Auf den Plakaten hält Ude in roten Lettern das Wort „Wort“ in den Händen, ein Seitenhieb auf Horst Seehofer, der laut SPD-Lesart ständig seine Meinung ändert. Im Gegensatz zur CSU steht Ude zu seinem Wort, so die Botschaft. Die Idee aber ist nicht neu.

„Vor kurzem fahre ich in München an dem Plakat vorbei“, berichtet der Kabarettist Christoph Sonntag, „und falle fast aus dem Taxi raus!“ Idee und Schriftzug seien von ihm geklaut. „Ich dachte, ich seh’ nicht richtig.“ Bereits 2005 veröffentlichte der Schwabe ein Buch mit dem Titel „Sonntag hält Wort“. Auf dem Einband ist ein Foto von ihm zu sehen, wie er in großen Lettern „Wort“ hält. Die Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen. „Ich wollte Ude schon schreiben, dass ich seine Idee so klasse finde - die könnte fast von mir sein“, witzelt der Kabarettist.

Laut Bayern-SPD handelt es sich um puren Zufall. „Wir haben von dem Buch nichts gewusst“, beteuert Pressesprecher Ulrich Meyer. Es sei eine „nette Koinzidenz“, von Ideenklau könne nicht die Rede sein. Der Kabarettist Sonntag aber mag nicht so recht daran glauben. „Die Ähnlichkeit ist so frappierend“, sagt er. „Das ist so eindeutig - ich glaube, einen Prozess würde ich gewinnen.“ Die SPD könne jedoch beruhigt sein, er plane keine rechtlichen Schritte. Sonntag bleibt seiner Profession treu und nimmt die Angelegenheit mit Humor. „Das ist ja nicht peinlich für mich, sondern nur für ihn.“ Ein bisschen schade finde er es aber schon, dass die SPD nicht bei ihm um Erlaubnis gefragt habe. „Jetzt müsste mich Ude zumindest zum Weißwurstessen einladen, das sollte schon drin sein.“

Der kreative Kopf hinter den Ude-Plakaten ist Klaus Moser von der Agentur „PlatzlZwei“ aus Salzburg. Auch er spricht von Zufall. „Es gibt nichts Neues unter der Sonne“, sagt der Werber. Das sei nun mal das Los der Kreativen. „Nicht jede Headline wird gegoogelt“, so der Agentur-Chef. Auch bei dem Wort-Plakat habe man nicht nach Doppelgängern Ausschau gehalten. „Wir entwerfen 300 Ideen, von denen 298 entsorgt werden.“ Bei jeder Einzelnen das Internet zu durchforsten, „das wäre sehr mühsam“.

Für die Plakatkampagne habe man Ude rund ein Dutzend Entwürfe vorgelegt, dann habe der OB entschieden. „Ude ist stark in die Kampagne involviert“, betont Moser. Die Ähnlichkeit zum Sonntag-Buch nimmt er gelassen. „Man schmunzelt eher, das ist einfach so.“ Geärgert hätte er sich wohl nur, wenn ein anderer Politiker den Slogan bereits besetzt gehabt hätte.

Auch Ude lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Mit einem Augenzwinkern verweist er auf sein humoristisches Hobby: „Da sieht man mal wieder“, scherzt Ude, „dass wir Kabarettisten ähnlich ticken. Als Kollege kann ich zum früheren Einfall wirklich nur gratulieren.“

Mit Humor versuchte es damals auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, als der Ärger mit der Zeitarbeitsfirma hochkochte. Auf die Kritik, sein Wahlkampfteam hätte den neuen Slogan besser mal gegoogelt, stichelte Steinbrück nur: „Hätte, hätte, Fahrradkette.“

Thomas Schmidt

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