Neue Studie der Stadt

Die Wünsche und Ängste der Münchner Senioren

+
Bernd Nestler (66) und Gisela Mraseck (68) finden, dass die Stadt immer mehr nur auf die Jungen ausgerichtet ist.

München - Die älteren Münchner freuen sich auf den Ruhestand – doch jeder zweite fürchtet sich vor Altersarmut! Die tz fasst die Ergebnisse der Seniorenstudie der Stadt zusammen.

Es wird die markanteste Veränderung der Stadt sein: Bis 2030 soll nach der neuen Prognose die Zahl der über 75-Jährigen von 118.000 auf 148.000 steigen – der stärkste Anstieg von allen Altersgruppen. „Die Ergebnisse werden einen wichtigen Beitrag für die Stadtentwicklung leisten“, erklären Stadtbaurätin Elisabeth Merk und Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) – und kündigen eine eigene Seniorenpolitik an.

An der Seniorenstudie haben 2800 Befragten in elf Vierteln teilgenommen. Die tz fasst die Ergebnisse zusammen:

Geld: Nach der Gesundheit ist das die größte Sorge: 64 Prozent fürchten steigende Preise, 48 Prozent Mieterhöhung und 46 Prozent Altersarmut. Jeder zweite Senior glaubt, dass er sich die Stadt bald nicht mehr leisten kann. In Schwabing und Obermenzing schwant fast allen, dass sie von Reichen aus dem Viertel verdrängt werden.

Die Angst vor den Reichen

So viele Menschen fürchten in den Vierteln „voll und ganz“ oder „eher“, dass sich bald nur noch Wohlhabende das Viertel leisten können.

Untersuchungsgebiet Anteil
Schwabing 89%
Obermenzing 87%
Zentrale, ehemalige Bahnflächen (Maxvorstadt/Hirschgarten) 64%
Ackermannbogen 60%
Sendling 53%
Ostpark 42%
Ramersdorf 24%
Lerchenau 23%
Neuperlach 23%
Messestadt Riem 21%
Laim/Kleinhadern 20%
München 49%

Wohnen: Jeder dritte Münchner würde auf seine alten Tage umziehen, weil die Wohnung zu teuer oder nicht altersgerecht ist. Doch große, alte Wohnungen sind meist günstiger als kleine und neue. Die seniorenpolitische Sprecherin der SPD, Constanze Söllner-Schaar, fordert vermehrt Projekte wie „Wohnen im Alter“ etwa zusammen mit Münchenstift oder auf dem freiwerdenden Gelände des Klinikums Schwabing.

Fortbewegung: Auto und Radl verlieren an Bedeutung, dafür werden Fußmärsche und Nahverkehr wichtiger. Die größten Ärgernisse sind Verkehrsrowdys, zu kurzes Grün an Ampeln und Barrieren wie Über- oder Unterführungen, die Senioren meiden.

Die Hoffnungen und Sorgen

Die Senioren wünschen sich …                 Anteil
noch neue Dinge lernen zu können 92%
immer noch glücklich zu sein 89%
mehr Zeit für Familie und Freunde 68%
Dinge zu tun, die sie immer tun wollten 65%
eine Zeit, auf die sie sich freuen 61%
Die Senioren fürchten … Anteil
voll auf fremde Hilfe angewiesen zu sein 76%
Pflegebedürftigkeit 75%
dement zu werden 73%
Verschlechterung der Gesundheit 73%
steigende Preise 64%
mangelnde gesundheitliche Betreuung 56%
Mieterhöhung 48%
Altersarmut 46%
häufiger Einsamkeit 40%
weniger nützlich zu sein 39%

So leben die Senioren in den Vierteln

In der Studie hat das Institut Weeber+Partner im Auftrag der Stadt die Bewohner von elf Quartieren genauer unter die Lupe genommen – und in Gruppen zusammengefasst. Schließlich leben Senioren in Wohnblöcken am Stadtrand anders als in Häuschen in der Gartenstadt – und sie haben andere Bedürfnisse. Die Ergebnisse aus den Stadtteilen:

In Gründerzeitvierteln wie Sendling oder Schwabing stellen die vielen Altbauten Senioren buchstäblich vor unüberwindbare Probleme. „Die Situation von Älteren, die Treppen nicht mehr bewältigen könne, wird als dramatisch beschrieben“, schreiben die Forscher. Gefangen in der eigenen Wohnung! Nur: Kommt der Aufzug, steigt die Miete! In den belebten Gebieten fühlen sich die Senioren sicherer als andere, dafür vermissen viele „kleine Oasen“, wie sie sagen, mit Bänken zum Ratschen.

In 20er bis 50er-Jahre-Vierteln wie Laim an der Grenze zu Kleinhadern oder Ramersdorf sind die Mieten in den Wohnblöcken zwar viel kleiner, dafür fehlt es etwa an größeren Bädern, die einen barrierefreien Umbau erlauben. So richtig ärgern sich manche über ungepflegte Grünanlagen, Lärm und fehlende Beleuchtung. Viele Senioren wünschen sich eine bessere Lage und soziales Umfeld, stellen die Forscher fest.

Eigentlich schneiden Großwohnsiedlungen wie in der Lerchenau oder Neuperlach im besten Sinne durchschnittlich ab. Rund die Hälfte der Befragten lebt in der Eigentumswohnung – und das schon seit Jahrzehnten. Auch Geschäfte, Verkehr und Parks werden als gut beurteilt. Problematisch bewerten viele Senioren dagegen die „Zusammensetzung der Kulturen“, schreiben die Forscher.

Die meisten der – finanziell am besten gestellten – Senioren in Obermenzing oder am Ostpark hängen an ihren Häuschen. Wie die aber oft zu groß sind und keinen Aufzug haben, fürchten viele, irgendwann umziehen zu müssen. Auch wenn es mit dem Autofahren nicht klappt, sehen sich viele vor Probleme gestellt.

Unklar ist die Entwicklung der Neubaugebiete: In der Messestadt Riem sind viele mit dem sozialen Umfeld unzufrieden, während die Menschen am Ackermannbogen stark am Quartier hängen. An den Bahnflächen der Maxvorstadt und in Neuhausen fehlt vielen schlicht die Vertrautheit mit ihrem Viertel.

Die Sorge um den Stadtteil

So viele Menschen fürchten „voll und ganz“ oder „eher“, dass sich ihr Viertel in den nächsten Jahren eher negativ verändern wird.

Untersuchungsgebiet                  Anteil
Ramersdorf 60%
Neuperlach 60%
Laim/Kleinhadern 55%
Messestadt Riem 50%
Lerchenau 49%
Schwabing 43%
Obermenzing 39%
Sendling 38%
Ostpark 32%
Ackermannbogen 23%
Zentrale, ehemalige Bahnflächen
(Maxvorstadt/Hirschgarten)
23%
München 43%

Das sagen die Senioren

Nur für Junge!

Wir finden, dass die Stadt immer mehr nur auf die Jungen ausgerichtet ist. Statt früher einen Fünf-Uhr-Tee veranstaltet die Stadt lieber Partys an der Isar! Es ist auch wirklich schade, dass die Höflichkeit und viele Läden für Ältere verloren gehen. Schön ist, dass man nie alleine ist. Gerade für Ältere ist es toll, wenn man in den Biergarten geht und sofort ins Reden kommt! (Bernd Nestler (66) und Gisela Mraseck (68), beide Rentner aus München)

Ich liebe diese Stadt

Eine Sache regt mich in München richtig auf: die Akustik in unseren Konzertsälen! Vor allem wir ältere Menschen gehen gerne in Konzerte, die schlechte Akustik vertreibt aber die ganzen guten Musiker! Trotzdem: Ich liebe die Stadt! Alles ist so schön grün und die Leute sitzen sofort draußen, wenn es ein bisschen wärmer wird. Man kann auch im Alter in München immer eine schöne Zeit haben. (Helga Mittmann (75), Rentnerin aus München)

David Costanzo

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn: Nach Stau auf der Stammstrecke - Lage normalisiert sich wieder
S-Bahn: Nach Stau auf der Stammstrecke - Lage normalisiert sich wieder
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 

Kommentare