Bei Dauerregen

Naidoo ohne Bombast-Sound auf dem Königsplatz

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Xavier Naidoo war am Sonntag auf dem Münchner Königsplatz zu sehen und zu hören.

München - Daran sind schon ganz Große gescheitert, Xavier Naidoo gelingt es: Er bringt Münchner Männer zum Singen. Laut und in der Öffentlichkeit.

„Ich kenne nichts, was so schön ist wie Du“ hallt es über den Königsplatz. Verhalten zunächst, dann immer kräftiger, und Naidoo selbst hat selbst am meisten Spaß daran, dass es klappt mit dem Mitsingen.

Überhaupt wirkt der 41-Jährige an diesem Abend so aufgeräumt und entspannt, wie man ihn in München noch nie erlebt hat. Und das, obwohl die Rahmenbedingungen, vorsichtig ausgedrückt, unglücklich waren. 15 000 Menschen standen bei herbstlichen Temperaturen im Dauerregen, Naidoo scherzte, er wäre unter diesen Bedingungen wohl nicht gekommen, nur um sich zu sehen. Dass der Mann Witze macht, unablässig mit dem Publikum kommuniziert, Selbstironie beweist, zum Gaudium der Fans immer mal wieder Bairisch redet, das ist neu.

Als feiner Musiker mit einer exzellenten Stimme war Naidoo anerkannt, nur das Pastorale seiner Liedtexte, das Gravitätische seiner Auftritte sorgte bei manchem für genervtes Augenrollen. Aber das ist Vergangenheit, Naidoo ist gewissermaßen von der Kanzel gestiegen und predigt nicht mehr, sondern tut, was gute Sänger tun: Er erzählt in seinen neuen Liedern Geschichten.

Anlass der aktuellen Tournee ist das Album „Bei meiner Seele“. In den Texten zeigt sich ein reflektierender Künstler und nachdenklicher Kopf mit mehr Humor, als man ihm gemeinhin zutraut. Genau deswegen wirkt Naidoo glaubhafter. Wenn er in „Bei meiner Seele“, unterstützt vom alten Mentor Moses Pelham, nun von überwältigender Liebe kündet, klingt das nicht wie eine Auftragsarbeit für den Weltkirchentag, sondern wie ein Mann, der von echten Empfindungen singt. Passend dazu hat er den Bombast-Sound abgelegt und tritt mit einer vierköpfigen Band an, ganz klassisch: Schlagzeug (von Naidoo hübsch als „Rhythmus“ vorgestellt), Bass, Gitarre und Keyboard). Die Lieder hören sich nun ein bisschen rauer an, kraftvoller. Am Ende trotz Hundewetters ein triumphaler Abend für Naidoo, der sich mit „Zeilen aus Gold“ verabschiedet und nun weiß: Die neuen Lieder kommen mindestens so gut an wie die alten Hits.

Zoran Gojic

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