Ausverkauf startet

XXXLutz auf der Theresienhöhe macht zu

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Hinter der futuristischen Fassade gibt’s neue Zukunftspläne

München - Der XXXLutz auf der Theresienhöhe macht dicht. Nun bleibt das Haus mehrere Tage lang geschlossen, dann beginnt der große Ausverkauf.

Der Samstag war zunächst ein ganz normaler Arbeitstag für die XXXLutz-Verkäufer. So normal, wie ein Arbeitstag zur Wiesn-Zeit sein konnte. Denn das Jahr über hatte das Möbelhaus oft schon wenig Kundschaft. Zur Wiesn-Zeit war in unmittelbarer Nachbarschaft des größten Volksfestes der Welt überhaupt nichts los. Am Samstagabend rief die Geschäftsführung zur Mitarbeiterversammlung. Und verkündete den großen Knall: Der Standort wird geschlossen. Schon heute brauchen die 160 Mitarbeiter nicht mehr zur Arbeit zu kommen. Am Donnerstag beginnt der Ausverkauf – mit Mitarbeitern aus anderen Filialen.

2004 hatte XXXLutz den ehemaligen Karstadt auf der Theresienhöhe übernommen, es war einer der ersten Standorte in Deutschland für das österreichische Unternehmen überhaupt. So recht kam man hier nie auf die Beine, zu klein die Ausstellungsfläche, zu begrenzt die Möglichkeiten, Möbel zu lagern. Gerade einmal 20 000 Quadratmeter hatte man zur Verfügung, an anderen deutschen Standorten sind es bis zu drei Mal so viel. „Für den Möbeleinkauf sind die Leute heute bereit, längere Strecken an den Stadtrand zu fahren“, sagte Geschäftsführungsmitglied Helmuth Götz am Sonntag bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz.

Der Trend geht also weiter zur grünen Wiese. Auch XXXLutz sucht nach eigenen Angaben seit 18 Monaten „intensiv“ neue Flächen im Münchner Umland, darauf verweist man am Sonntag gerne und oft. Unbedingt vermeiden wollen die Österreicher den Eindruck, XXXLutz stehe insgesamt unter Druck. „Es ist der erste Standort, den wir in unserer Unternehmensgeschichte aufgeben“, sagte Götz. „Wir halten an unserer Expansionsstrategie fest.“ Das Unternehmen bereitet derzeit auch in Deutschland neue Geschäfte vor – etwa in Kempten.

Nach Götz’ Angaben hat man für das Münchner Möbelhaus länger nach Lösungen gesucht. Größere Möbel konnten von hier in der Regel nicht direkt mitgenommen werden. Die Kunden mussten also doch noch auf die grüne Wiese fahren, wenn sie sich entschieden hatten – um ihren Einkauf in Eching oder Aschheim abzuholen, dort betreiben die Österreicher weitere Häuser.

XXXLutz hatte bei der Stadt beantragt, Parkflächen zum Lager umwidmen zu können, das ging aber nicht, weil man dann nicht mehr genügend Parkplätze nachgewiesen hätte. „Letzten Endes mussten wir mit Bedauern feststellen, dass Möbelhandel auf großer Fläche in einer Innenstadt wie in München nicht mehr sinnvoll zu betreiben ist“, sagte Götze.

160 Mitarbeiter haben jetzt keinen Job mehr – bekommen aber vorerst weiter die vollen Bezüge, wie Götz betont. Schon heute früh um 7 Uhr sollen die Verhandlungen über einen Sozialplan mit dem Betriebsrat beginnen. Die 13 Auszubildenden von der Theresienhöhe sollen in anderen Filialen ihre Ausbildung beenden können. Georg Wäsler von der Gewerkschaft Verdi erwartet harte Gespräche. „Ich befürchte, dass sogar Abfindungen schwierig zu bekommen sind“, sagte er am Sonntag im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Gewerkschaft habe schon länger gewusst, dass „diese Filiale zu keinen tollen Ergebnissen führt“. Dass es jetzt so schnell gehe, habe ihn aber „sehr überrascht“.

Die Pläne, was mit den über 20 000 Quadratmetern Fläche geschehen soll, sind offensichtlich schon weit gediehen. Laut Götz ist ein Käufer gefunden, Vorverträge seien bereits geschlossen. „Es war überhaupt nicht schwierig, diese Immobilie loszubekommen“, sagte Götz.

Unbeachtet von Politik und Öffentlichkeit gab es bereits konkrete Gespräche mit der Stadtverwaltung. Man habe „mehrere Termine“ im Baureferat gemeinsam mit dem Entwickler des neuen Standorts gehabt, sagte Götz. Entstehen soll nun offenbar eine typische Shopping Mall mit einem Mix von Filial-Geschäften und Cafés, wie man ihn aus den Pasing Arcaden oder dem PEP in Neuperlach kennt. „Mit dem Verkauf an einen Projektentwickler wird der Standort in Zukunft deutlich aufgewertet“, betonte Götz gestern. Er sprach auch davon, dass sich um das bisherige Möbelhaus die Verkehrsführung ändern werde und Nachbarflächen in die neuen Planungen einbezogen seien. Die Wohnungen im Gebäude sind nicht betroffen. Sie gehören nicht XXXLutz.

Für Kunden, die aktuell auf der Theresienhöhe bestellt – oder etwas reklamiert – haben, ändert sich ab heute der Ansprechpartner. „Alles wird jetzt über unser Haus in Aschheim abgewickelt“, sagte Götz

Felix Müller

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