Au Backe! Münchner Zahnärzte machen Dienst nach Vorschrift

Zähne ziehen statt bohren: Ab heute wird brutal gespart

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Für Kassenpatienten kommt's beim Zahnarztbesuch ganz dick.

Hoffentlich müssen Sie diese Woche nicht zum Zahnarzt! Denn die machen ab heute Dienst nach Vorschrift.

Das heißt: keine Füllungen mehr, keine Wurzelbehandlungen, nur noch Zähneziehen und Zahnersatz. In einem internen Sonderrundschreiben, das der tz vorliegt, fordert die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayern (KZVB) alle bayerischen Kassenzahnärzte auf, weniger zu arbeiten. Für Füllungen und Wurzelbehandlungen erhalten die Zahnärzte jetzt nur noch ein Drittel ihrer Honorare. Für eine Backenzahnfüllung sind das zum Beispiel nur noch 13 statt 39 Euro. Da greift keiner mehr gern zum Bohrer.

Für Ersatzkassen-Patienten dauert diese Durststrecke eine Woche, für die vielen Patienten der AOK, Betriebs- und Innungskrankenkassen sogar zwei Wochen!

Zahnarzt Dr. Michael Gleau (56) von der KZVB nennt den Grund: „Die Krankenkassen überweisen der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayern für alle zahnärztlichen Leistungen zusammen eine feste Summe. Heuer sind es insgesamt 1,7 Milliarden. Dieses Budget hat der damalige Gesundheitsminister Horst Seehofer 1993 eingeführt. Wir zahlen diese Gelder an die einzelnen Zahnärzte aus. Natürlich können wir immer nur so viel auszahlen, wie wir erhalten. Das Budget ist inzwischen längst veraltet. In diesem Jahr werden am Ende 40 Millionen fehlen. Die wollen wir jetzt einsparen.“

Leidtragende sind alle Kassenpatienten, die jetzt auf eine Füllung oder Wurzelbehandlung warten. „Denn das Budget betrifft hauptsächlich diese zahnerhaltenden Maßnahmen und die klassische Basiszahnmedizin“, schimpft Gleau. „Zahnersatz wie Kronen, Brücken oder Prothesen sind dagegen nicht betroffen. Die werden nicht durch das Budget abgegolten, sondern durch feste Zuschüsse, zu denen der Kassenpatient noch einen Eigenanteil hinzuzahlen muss. Ich halte es aber für einen Skandal, dass Zahnziehen bezahlt wird, eine Füllung dagegen nicht.“

Schmerzpatienten und Notfälle sind vom Dienst nach Vorschrift nicht betroffen. Dr. Gleau: „Schmerzbehandlungen werden wir Zahnärzte immer durchführen, notfalls auch ohne Honorar.“ Dasselbe gilt auch für die Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern.

Das interne Rundschreiben der KZVB an die Zahnärzte erreichte die Praxen erst am 23. Oktober. Für viele von ihnen zu spät, um die Praxis möglicherweise ganz zu schließen und lieber schnell noch Urlaub zu machen. Ein Zahnmediziner zur tz: „Die meisten Patienten haben da schon ihre Termine, so viele kann man nicht mehr umbestellen.“

Besonders trickreiche Zahnärzte haben aber schon reagiert. Ein Zahnarzt aus Sendling hatte seine Praxis am gestrigen Sonntag geöffnet und viele Kassenpatienten einbestellt. Denn Sonntagsdienste sind von den Sparmaßnahmen ebenfalls ausgenommen.

Michael Timm

Quelle: tz

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