Zahlen Sie zu viel Miete?

München - Die Münchner können aufatmen: Der neue Mietspiegel der Stadt ist da und verzeichnet erstmals keine Preissteigerung! Die Mieten sinken im Vergleich zur letzten amtlichen Statistik.

Im Vergleich zur letzten amtlichen Statistik von 2009 sinken die Mieten um ein Prozent – oder genauer um 11 Cent pro Quadratmeter kalt auf 9,79 Euro. Dazu kommen noch Zu- und Abschläge für die Ausstattung der Wohnung. Mit der tz können Sie nun die Frage beantworten: Zahle ich zu viel Miete? Anhand der Tabelle können Sie den Betrag für Ihre Wohnung berechnen und mit Ihrer tatsächlichen Miete vergleichen.

Denn der Mietspiegel ist nicht irgendeine Studie. Wenn kommende Woche der Sozialausschuss und anschließend der Stadtrat das Zahlenwerk absegnen, gilt es als „qualifiziert“ und kann bei Prozessen um eine Mieterhöhung vor Gericht wie ein Zeuge herangezogen werden. Denn die Preise dürfen nicht höher als im Mietspiegel steigen! Er soll eine realistische, die so genannte „ortsübliche Miete“ abbilden. In die Statistik fließen im Unterschied zu den regelmäßigen Studien nicht nur neu abgeschlossene Verträge ein, sondern auch bestehende. Die Marktforscher von TNS Infratest haben im Auftrag der Stadt 3039 Mieter und 1173 Vermieter befragt.

„In den vergangenen Jahren hat der Mietspiegel zunehmend an Bedeutung gewonnen: Für alle Interessierten stellt er ein sehr gutes Orientierungsmittel dar, um sich im differenzierten Münchner Wohnungsmarkt zurechtzufinden“, schreiben OB Christian Ude und und Sozialreferentin Brigitte Meier im Vorwort. „Die Anziehungskraft der Stadt München führt trotz reger Bautätigkeit dazu, dass der Mietwohnungsmarkt seit Jahren sehr angespannt ist.“

Das konnte man bisher auch an der Entwicklung der amtlichen Statistik ablesen: 2003 war der Quadratmeter-Preis im Vergleich zum Vorgänger um satte 19 Prozent auf 8,42 Euro nach oben geschnellt. Bis 2007 ging es weitere elf Prozent aufwärts – auf 9,30 Euro. 2009 verzeichnete der Mietspiegel ein Plus von sechs Prozent auf 9,90 Euro. 2011 sind es noch 9,79 Euro.

Einige Beispiele: Die Studentenbude mit 25 Quadratmetern ermäßigt sich von 378 Euro im Monat kalt auf jetzt 342 Euro. Für eine typisch münchnerische Bestandswohnung aus den 60er Jahren mit 70 Quadratmetern mit drei Zimmern, Küche, Bad werden nur noch 678 Euro fällig – und nicht mehr 734 Euro. Der noble Neubau mit 120 Quadratmetern reduziert sich von 1186 Euro auf 1106 Euro.

Die Ursache für den aktuellen Rückgang liegt zum größten Teil in der Erhebung begründet: Die Stadt muss den Mietspiegel nur alle vier Jahre komplett neu erstellen – so wie heuer. Für die Zwischenberichte erlaubt das Gesetz die Anpassung um den Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts, der die Veränderung der Lebenshaltungskosten angibt. Das kommt die Städte wesentlich günstiger. Darum war der Mietspiegel der Stadt von 2009 um 6,3 Prozent angewachsen. Das muss seinerzeit zu hoch gewesen sein. „Da sieht man, wie wichtig es ist, dass der Mietspiegel immer neu erhoben wird“, freut sich Mietervereins-Chefin Beatrix Zurek. Außerdem fiel der Befragungszeitraum für das neue Zahlenwerk auf Anfang 2010, als die Mieten infolge der Finanzkrise selbst in München stagnierten. Glück für die Münchner!

Nichtsdestotrotz: Der Verband der Immobilien-Eigentümer, Haus+Grund, hatte schon vor Veröffentlichung gegen die Statistik gewettert. Vorsitzender Rudolf Stürzer ärgerte sich: Alle Studien, selbst die der Stadt, zeigten eine satte Steigerung! Allzu sehr ärgern müssen sich die Vermieter aber nicht, auch wenn sie mit diesem Mietspiegel nicht, wie sonst üblich, ihren langjährigen Bewohnern die Preise erhöhen können. Denn: die Mieter, die Preise an der oberen Grenze des alten Mietspiegels zahlen, können nach dem neuen auch keine Ermäßigung durchsetzen.

David Costanzo

Ganz einfach: So funktioniert die Berechnung

Lassen Sie sich von den Zahlen nicht abschrecken – die Berechnung Ihrer Miete ist ganz einfach und nur drei Schritte entfernt: Erst suchen Sie den Grundpreis aus Tabelle 1, dann berechnen Sie die Zu- und Abschläge für Ihre Wohnung aus Tabelle 2, zuletzt beachten Sie die Ausnahmen aus Tabelle 3. Zusammengerechnet ergibt das die Monats-Kaltmiete, die Sie mit Ihrer tatsächlichen Miete vergleichen können.

  • Hier finden Sie Tabelle 1 mit dem Grundpreis pro Quadratmeter. Fahren Sie die Zeilen herab, bis die Quadratmeterzahl Ihrer Wohnung erreicht ist. Rutschen Sie dann nach rechts in die Spalte mit dem Baujahr Ihres Wohnhauses. Beispiel: Eine Wohnung mit 70 Quadratmetern und Baujahr 1962 hat den Grundpreis 9,68 Euro. Notieren Sie Ihren Wert im Feld auf der rechten Seite ganz oben.
  • Hier finden Sie Tabelle 2 mit den Zu- und Abschlägen für Ihre Wohnung. Beispiele: Leben Sie im Hochhaus? Dann notieren Sie einen Abschlag von –0,85 Euro pro Quadratmeter! Haben Sie eine Dachterrasse? Das macht einen Zuschlag von +0,50 Euro! Gehen Sie die Tabelle durch und schreiben Sie alle auf Ihre Wohnung zutreffenden Werte in die freien Felder. Addieren oder subtrahieren Sie diese zu einer Summe.
  • Darunter steht Tabelle 3 mit den Ausnahmen. Manche Wohnungen sind eben etwas Besonderes. Haben Sie einen offenen Kamin? Das rechtfertigt einen zusätzlichen Aufschlag von bis zu 0,25 Euro. Verfahren Sie wie in Tabelle 2.

Zuletzt verrechnen Sie die drei Beträge miteinander. Das Ergebnis vergleichen Sie mit Ihrer tatsächlichen monatlichen Kaltmiete pro Quadratmeter. Achtung: Die Berechnung gilt nur für normale Mietwohnungen – nicht für möblierte Apartments, Häuser oder Sozialwohnungen. Haben Sie den Verdacht, dass Sie zu viel zahlen, rechnen Sie bitte mit dem detaillierten, amtlichen Mietspiegel nach und lassen sich beraten.

tz

Rubriklistenbild: © dpa

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