Hier gibt's bald Luxusklamotten

Nächstes Münchner Traditionsgeschäft schließt

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Tradition weicht Luxus: In das Geschäft zieht bis Ende des Jahres das Mode-Label Prada ein.

München - Hier hat sogar Komiker Karl Valentin eingekauft! Jetzt steht der Hutladen Zehme in der Residenzstraße vor dem Aus. Stattdessen gibt es hier bald Luxus-Klamotten.

Ende Januar muss das Traditionsgeschäft schließen – und 179 Jahre Hutgeschichte gehen zu Ende. Statt Zylinder und Melonen gibt hier bald Luxusmode aus dem Hause Prada.

Edel-Boutique gegen Hutladen: Wieder siegt Umsatz vor Tradition. Michael Zechbauer, dem sowohl das Eckhaus mit dem Zigarrengeschäft als auch der Hutladen gehört, fiel die Entscheidung nicht leicht. „Es ist hart. Aber leider gibt es keine andere Möglichkeit“, bedauert der Unternehmer.

1834 wurde das Hutfachgeschäft im Lehel gegründet, zog 1962 in das Zechbauerhaus in der Residenzstraße. Bis 1970 florierte das Geschäft: „In Spitzenjahren haben wir 3,5 Millionen Hüte gefertigt“, sagt Zechbauer, dessen Familie 1912 mit dem Kauf der Mayser’schen Fabrik in Ulm ins Hutgeschäft einstieg. Die Firma Mayser ist mittlerweile auch in der Automobilindustrie tätig. Die Hutbranche jedoch rentiere sich heute kaum noch. „Der Markt brach völlig zusammen. Man kann froh sein, wenn am Jahresende bei Null ist“, sagt Zechbauer, der selbst großer Hutfan ist und eigene Kollektionen entwirft. Am 1. Februar ist Schluss, sieben Beschäftigte verlieren ihren Job. „Das tut mir sehr leid“, betont Zechbauer. Der Räumungsverkauf mit 50 bis 70 Prozent Rabatt läuft bereits.

Prada, das in der Residenzstraße 10 bereits die oberen Stockwerke nutzt, zieht bis Jahresende ein. Mit den Mieteinnahmen will Zechbauer andere Unternehmensbereiche des Familienkonzerns, der insgesamt etwa 700 Mitarbeiter umfasst, stärken. „Ich brauche nicht mehr Miete, um davon ein Jahr auf Hawaii Urlaub zu machen. Der Schritt war notwendig, um den Mitarbeitern Stabilität zu garantieren.“

... und diese Läden sind schon Geschichte:

Rieger: Aus Prunk wird Pleite: Das insolvente Münchner Pelzunternehmen Rieger schloss im April 2010. Die Umsätze waren zurückgegangen – aber die Kosten (etwa für das Geschäft an der Residenzstraße) waren hoch. Mittlerweile ist hier das französische Modeunternehmen Chloé eingezogen.

Maendler: Im vergangenen Jahr kam das Aus für das Modehaus Maendler: Am 30. April 2012 musste das Traditionsunternehmen aus dem Laden raus – der Mietvertrag war gekündigt worden. In dem Haus in der Theatinerstraße 7 befindet sich nun eine Filiale der großen Modekette Mango.

Hettlage: Das Traditionsgeschäft Hettlage in der Neuhauser Straße 10 musste am 31. März des vergangenen Jahres dicht machen. Der Mietvertrag lief aus. Eine Verlängerung wäre zwar möglich gewesen – aber zu teuer. Jetzt sind in dem Haus mehrere Mode- und Trachtengeschäfte.

C. Schmelzer, C. Adam

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