HIV-Lüge: Thomas G. infiziert eine Lehrerin

Er verheimlichte ­seiner Freundin das Todesvirus

Vor Gericht verdeckte Thomas G. sein Gesicht

München - Über zehn Jahre hinweg verheimlichte Thomas G. (54) seiner Münchner Lebensgefährtin Sonja F. (41, Name geändert) seine ansteckende Krankheit HIV – und schlief mit ihr. Jetzt steht er vor Gericht.

Er wusste, dass er AIDS hat. Dass er den Tod in sich trägt. Aber weder sein Mut noch seine Liebe waren groß genug, um sie zu warnen. Über zehn Jahre hinweg verheimlichte Thomas G. (54) seiner Münchner Lebensgefährtin Sonja F. (41, Name geändert) seine ansteckende Krankheit – und schlief mit ihr. Ungeschützt, Hunderte Male. Das Münchner Amtsgericht verurteilte den Gautinger Unternehmer deshalb zu drei Jahren und sechs Monaten Haft wegen gefährlicher Körperverletzung. Er aber bezichtigte die heute schwer kranke Frau, sie habe ihn mit HIV angesteckt. Am Freitag die Berufung vor dem Landgericht.

Die große AIDS-Lüge! Ein unfassbarer Fall. Denn auch mit anderen Frau hatte Thomas G. ungeschützten Sex und setzte ihre Gesundheit aufs Spiel. „Ich weiß, welche Schuld ich auf mich geladen habe“, sagt er vor Gericht. Er hoffe „auf Gnade“. Und eine Bewährungsstrafe.

In den Neunzigern ist er als Entwicklungshelfer in Afrika, dabei infiziert er sich mit HIV. Im Jahr 2000 lernt er Sonja F. kennen. Sie verlieben sich, aber Sonja möchte sichergehen: Beide sollen einen AIDS-Test machen. Thomas wird positiv getestet – aber sagt es ihr nicht. „Ich habe es nicht fertig gebracht und dachte, sonst ich verliere sie. Von Woche zu Woche habe ich meine Welt untergehen sehen“, stammelt er. 2005 bricht die Krankheit bei ihr aus, im Krankenhaus Bogenhaus ringt die Lehrerin um ihr Leben. Heute ist sie berufsunfähig. „Sie waren feige und haben das Leben der Frau ruiniert“, sagt der Staatsanwalt. Ihm half Thomas G. nicht mal, als der Jurist andere Ansteckungsopfer warnen will – serienweise werden Briefe an Frauen aus G.’s Umfeld verschickt. 200 000 Euro muss er nun an Sonja F. zahlen, zudem zwei Jahre und 9 Monate in den Knast. Thomas G. verfolgt das Urteil ohne jede Regung.

A. Thieme

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