Neue Serie mit alten Bildern - der letzte Teil

Zeitreise durch München: So sahen Grünwalder Stadion und das Bier-Paradies damals aus

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1966 (oben) und heute (unten). 

München hat sich rasant verändert. Der Geschichte der Stadt wollen wir mit einer neue Serie gedenken. Wie sahen bekannte Straßen oder Plätze früher aus? Wir zeigen es Ihnen!

Wer blättert nicht gern durch alte Foto-Alben? Einfach kurz mal Luft holen und in Erinnerungen schwelgen – herrlich! Meist fällt dann eh schnell der Satz: „Mei, schau, wie das früher ausg’schaut hat!“ Und genau das tun wir hier, liebe Leser. Wir werfen einen Blick zurück in unserer großen Serie München damals und heute. Unsere Stadt hat sich über all die Jahre stark verändert. Die Industrialisierung, später die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, dann die Boom-Jahre. Nur mal zum Vergleich: Im Jahr 1850 hatte München knapp 100 000 Einwohner, ein Jahrhundert später waren es 831 000 Bürger. Heute sind es rund 1,5 Millionen, Tendenz steil steigend. Doch wie hat sich die Stadt im Detail verändert? Unser Fotograf Heinz Gebhardt (r.) hat sich auf Spurensuche begeben. In seiner Serie, deren letzten Teil Sie heute sehen, präsentieren wir die Ergebnisse einer Zeitreise. Und seien Sie sich sicher – es wird nicht lange dauern, bis Sie rufen: „Mei, schau, wie des früher ausg’schaut hat!“

Sturmlauf auf die Löwen

Wie sagte der chinesische Philosoph Konfuzius einmal so schön: „Leuchtende Tage. Nicht weinen, dass sie vorüber. Lächeln, dass sie gewesen.“ Daran sollte jeder Sechz’ger beim Anblick des Fotos unten aus dem Jahre 1966 denken, als die Löwen zum ersten und bis heute einzigen Mal Deutscher Meister wurden! Der Besucheransturm auf das Grünwalder Stadion wurde damals noch auf ganz praktische Weise geregelt, indem jeder seinen Käfer abstellen durfte, wo er wollte, niemanden hat’s gestört. Verkehrschaos gab’s keins, und Hundertschaften von Polizisten mussten auch nicht für Ordnung sorgen. Wer dabei war, weiß: Aus dem Stadion oben dröhnte seit 1965 der Hit: „Bin i Radi, bin i König, alles andere stört mich wenig, was die andern Leute sagen ist mir gleich!“ Der „Radi“ war natürlich Torwart Petar Radenkovic und einer der ersten ausländischen Spieler in der deutschen Fußball-Bundesliga. Wenn heute ein Löwe die gleiche Kurve zum Stadion hochfährt, er könnte nur heulen: „Ja, das waren leuchtende Tage…“

1966 (oben) und heute (unten). 

Bier-Paradies am Karlsplatz

Es war im Jahre 1790, als Kurfürst Karl Theodor das Karlstor mit dem Rondell so bauen ließ, wie wir es heute kennen. Nur: Der arrogante Adlige war bei den Bürgern nicht sonderlich beliebt. Lieber bissen sie sich die Zunge ab, als mit diesem Platz auch seinen Namen auszusprechen. Die Lösung: Sie nannten den Platz inklusive Tor einfach Stachus – das war die Kurzform für den Stachusgarten, ein Wirtshaus mit Biergarten, das seit 1740 an der Stelle des heutigen Kaufhofs stand und seinen Namen vom ersten Wirt, dem Eustachius Föderl hatte. Auf dem Aquarell von Joseph Puschkin oben sehen wir den gemütlichen Biergarten im Jahr 1870, kurz bevor 1872 an seiner Stelle das Hotel Stachus gebaut wurde. 1895 zog das Kaufhaus Horn in das Gebäude, und seit 1951 ist von allem nichts mehr zu sehen, denn seitdem steht an gleicher Stelle der Kaufhof am Stachus. Der Amtsschimmel tut sich bis heute schwer mit dem Platz: Auf amtlichen Schildern und Bezeichnungen darf der Name Stachus nur in Klammern erscheinen.

Wo für Valentin die Sonne aufging - die ehemalige Frauengebäranstalt

Es ist ein herrlicher Karl-Valentin-Klassiker: Wie der Humorist erzählt, er sei im Postscheckamt geboren worden – und wie er plötzlich verschreckt der Hebamme in die Augen blickte: „Ich habe diese Frau in meinem ganzen Leben noch nie gesehen!“ Wunderbar, diese Geschichte – und was viele gar nicht wissen: Sie ist wirklich wahr. Denn Münchens berühmtester Komiker kam in der Sonnenstraße auf die Welt – in der damaligen Städtischen Frauengebäranstalt. Wie die einst aussah, zeigt das Aquarell rechts von Joseph Anton Weiss aus dem Jahre 1860. Was das jetzt mit einem Postscheckamt zu tun hat, fragen Sie? Die Lösung ist einfach: Die Klinik (die 1856 eröffnet wurde) schloss 1909 ihre Tore und wurde eben zu jenem Postscheckamt umfunktioniert. Valentin schwindelte also gar nicht, als er Jahre später schilderte, wie er 1882 in dem Gebäude zur Welt kam. Aufgewachsen ist er dann natürlich in seinem Heimathaus in der Zeppelinstraße 41, wohin ihn die Mama dann auch gleich nach der Entbindung brachte.

Schön ist, dass das Geburtshaus auch heute noch in seiner Urform steht. Der Bau (den Architekt Friedrich Bürklein hochzog) musste nur nach dem Krieg ein bisserl renoviert werden. Heute befindet sich darin die Eventlocation Isarpost. Eins ist klar: Karl Valentin hätte auch mit diesem Namen seinen Riesen-Spaß gehabt.

Heinz Gebhardt

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